EKG per I-Phone zum Arzt

Das Herz ist der Motor des Körpers. Es schlägt 4200 Mal pro Stunde und 100 000 Mal am Tag.
Lokales
Windischeschenbach
18.03.2015
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"Herzschmerzen begleiten uns durchs ganze Leben", stellte der Referent bei den Senioren St. Emmeram fest: als positives Erlebnis beim Verliebtsein in der Jugend, im fortgeschrittenen Alter meist negativ in Form von Erkrankungen.

Die Leiterin der Seniorengemeinschaft, Franziska Michl, hatte den Chefarzt der Medizinischen Klinik II aus Weiden, Professor Robert Schwinger, für einen Vortrag gewinnen können. Wie brisant das Thema ist, zeigte der vollbesetzte Saal. Sogar etliche Männer hatten sich unter das Publikum gemischt.

Schwinger nannte die wichtigsten Kriterien der Vorbeugung: viel Bewegung, viel trinken und ein fähiger Arzt. Herz-Kreislauf-Erkrankungen seien im Alter häufig, wobei Frauen statistisch später erkranken als Männer. "Das Herz ist der Motor des Körpers. Es schlägt 4200 Mal pro Stunde und 100 000 Mal am Tag." Anhand von Bildern und Statistiken erklärte der Mediziner, wie es zum Herzinfarkt kommen kann. Ursache sei oft eine Verengung der Herzkranz-Gefäße durch Verkalkungen, in der Folge könnten diese aufreißen, und das Gefäß könne durch die Blutplättchen verstopft werden. Die Durchblutung des Herzens sei somit nicht gewährleistet, Herzmuskelgewebe sterbe ab. Bereits der Philosoph Seneca, der zur Zeit Jesus lebte, habe den Herzinfarkt gekannt. Immer wieder appellierte der Kardiologe eindringlich an die Zuhörer, bei den typischen Symptomen wie starken Brustschmerzen oder Druckgefühl umgehend die 112 anzurufen. Bereits bei Eintreffen in der Wohnung könne der Notarzt sofort ein EKG erstellen. Dieses wird zum einen sofort an die Weidener Intensivstation übermittelt, zum anderen auf das I-Phone des diensthabenden Oberarztes geschickt, so dass umgehend abgeklärt werden könne, ob eine Herzkatheder-Untersuchung notwendig sei. Bei der Ankunft im Klinikum könne der Patient sofort behandelt werden.

Ein Film zeigte den Besuchern den Ablauf vom Notruf bis zum Eintreffen des Patienten im Krankenhaus. Der Referent informierte über systolische und diastolische Herzinsuffizienz (Herzschwäche). Die Besucher erfuhren Interessantes zu Stenosen, Klappenundichtigkeiten, implantierten Aortenklappen und Mitralklappen. Viele Herzprobleme seien auf ungesunde Lebensweise zurückzuführen. Falsche Ernährung, Bewegungsmangel, Rauchen, Stress oder Übergewicht seien ebenso Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder hohe Cholesterin-Werte.

Professor Schwinger verstand es, die ernsten Fakten gut verständlich, lebensnah und mit einem guten Schuss Humor weiterzugeben. So bemerkte er an die Adresse der Männer im Publikum, dass mit "viel trinken" nicht Bier, sondern Wasser gemeint sei. Andererseits liege im Gläschen Rotwein auch vorbeugende Kraft, was er mit dem Sprichwort untermauerte: "Es gibt mehr alte Winzer als alte Ärzte." Interessant war auch die Rechnung, dass man dem "Sensenmann" davonlaufen könne, solange man sich mit fünf Kilometern pro Stunde fortbewegen kann.
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