Energiewende auf boarisch

Einen Auftakt nach Maß bescherte der Münchner Kabarettist Christian Springer der Futura-Kleinkunstbühne. Zum Start in die neue Saison sorgte er mit seinem aktuellen Programm "Oben ohne" für zwei ausverkaufte Vorstellungen. Er überzeugte das Publikum auch ohne seine Kultfigur Fonsi, die er nach 15 Jahren abgelegt hat. Bild: prh
Lokales
Windischeschenbach
21.02.2015
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"Fonsi" war die Parade-Rolle des Kabarettisten Christian Springer. In seinem neuen Programm "oben ohne" kommt der grantelnde Kassenwart von Schloss Neuschwanstein nicht mehr vor. Was bleibt ist der humorvoll-kritische Blick auf die große Politik. Inklusive nachdenklicher Töne.

Die blaue Uniform hat er gegen ein graues Sakko und Jeans eingetauscht. Seine Kultfigur "Fonsi", den grantelnden Kassenwart von Schloss Neuschwanstein, der immer mit der ledernen Aktentasche und der Schirmmütze unterwegs war, hat er nach 15 Jahren abgelegt. Doch nicht nur deshalb tritt der Münchener Kabarettist Christian Springer nur mehr "oben ohne" auf. Das ist auch der Titel seines neuen Programms, mit dem er am Donnerstag und Freitag für jeweils ausverkaufte Vorstellungen zum Saisonauftakt der Futura87 sorgte.

Prise Nachdenklichkeit

Mit "oben" kann auch die Stelle angesprochen werden, an der idealerweise das Hirn sitzt, aber eben - aus Sicht des Kabarettisten - nicht bei jedem. Vielfach fehlt es und wo es fehlt, da wird Springer sofort fündig. Der Münchner fährt ja schon "sooo lange zur Futura" und fühlt sich hier auch sichtlich wohl. Dieses Mal ist der Großstädter gekommen, um den Provinzlern etwas beizubringen. Auf seine Art: mit Gaudi und Wut, gewürzt mit einer Prise Nachdenklichkeit. Das ist dem vielfach ausgezeichneten Kabarettisten auch eindrucksvoll gelungen. Springer grantelt nicht nur über die Missstände in der großen Politik von Putin, Horst Seehofer und "Gauckel" (die Verschmelzung von Angela Merkel und Joachim Gauck).

Er widmet sich auch starken Frauen, dem Fall der letzten Männerdomäne, dem Baumarkt, und philosophiert über die griechische Mythologie. Er versteigt sich grandios in Fantastereien wie man zum Beispiel auf "boarische" Art die Energiewende einführen kann: Von heute auf morgen, mit einem katholischen Feiertag, an dem die Burschen unter weiß-blauem Himmel Windräder wie Maibäume aufstellen, Ilse Aigner bis zu deren Erbrechen an einen Flügel binden und Horst Seehofer schließlich ausruft: "ogstromt is". Springer berichtet von seinem "Santl-Tag", an dem er keine Ruhe findet und regt sich über unsere Lügen-Sprache auf, in der die Rekruten eine "Ertüchtigungsinitiative" in Mali erfüllen. Im Normalton hätte man früher gesagt: "Wegen der seltenen Erden einmarschiert." Es geht um Machtdemonstration und die Arroganz der Regierenden, über die sich Springer aufregt.

Vom früheren Fonsi hat der Kabarettist in seinem neuen Programm den Humor geerbt, der empörte Weltbürger und politisch engagierte Orienthelfer spendete das Feuer dazu. Ihm reicht es aber nicht, über den Zynismus der Politik nur kleinere Witzchen zu reißen. Er ist ein Kabarettist aus Leidenschaft, der Klartext und verständlich redet, ohne abgedroschen zu wirken.

Kein Patentrezept

Was können wir da unten, gegen die da oben ausrichten? Vielleicht einmal darüber nachdenken, wo man bei Wahlen seine Kreuzchen setzt. Ein Patentrezept hatte Springer aber nicht parat. "Wir werden die Welt nicht verbessern. Es ist so, wie es ist", gab er zu. Sein Auftritt war trotzdem eine Offenbarung, denn der Kabarettist verstand es ausgezeichnet, komplexe Vorgänge aufzubereiten, wie sie auch ein Fonsi verstanden hätte.

Nach dem begeisterten Applaus wird Christian Springer bei der Zugabe sehr ernst. Er wirkt betroffen, wenn er über die Hilfsaktion Orienthelfer e.V. spricht, deren Vorsitzender er ist. Er schildert das unbeschreibliche Elend syrischer Flüchtlinge. "Die beten jeden Tag zu Gott oder Allah, dass er ein Erdbeben schicken möge, dann werde geholfen. Bei Krieg nicht". Am Ende dankte der Kabarettist nach einer überzeugenden Vorstellung dem Publikum, das ihm auch in den leisen Momenten zugehört hat.
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