Feierabend-Pfiff auf der Brücke

Zum Nachbarschafts-Ausschank auf dem Steg über den Rumpelbach kommen und gehen die Freunde bei Regen, Schnee und Sonnenschein auf einen Pfiff vorbei. Initiator Frank Brünnig (Dritter von rechts) hat sogar ein Logo-entworfen, das er auf seiner Facebook-Seite gepostet hat. Bild: ui
Lokales
Windischeschenbach
27.08.2015
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Einen Stern hat der jüngste Zoiglausschank der Stadt noch nicht. Auch Krüge, Sitzgelegenheiten und sogar Dach sind Fehlanzeige.

Zum "Brücken-Pfiff" treffen sich die Genießer auf einem Steg über den Rumpelbach zwischen Hauptstraße und Oberem Anger an jedem Donnerstag bei Wind, Sonne, Regen oder Schneefall. Zwei Jahre gibt es den unkonventionellen Nachbarschafts-Zoigl mittlerweile. Die Idee haben Frank Brünnig und Freundin Bernadette Heining aus Franken importiert und an Oberpfälzer Verhältnisse angepasst.

Die beiden waren in Würzburg ganz begeistert vom Stehschoppen an der alten Mainbrücke. Zwar ist der Rumpelbach kein Fluss, Windischeschenbach weder Großstadt noch Weinanbaugebiet, doch Brücken gibt es über den Bachlauf mehr als genug. Und ein kleiner Zoigl, also ein Pfiff, passt als Feierabendgetränk mindestens so gut wie ein Wein.

Zapfanlage auf Rollator

Das ganze Equipment auf und neben der Brücke ist beweglich. Von Freitag bis Mittwoch weist nichts hin auf die idyllische Begegnungsstätte. Treffpunkt ist am Donnerstagabend von 18 Uhr bis das Bier leer ist. "20 Liter gehen immer", meint Brünnig. Mindestens bis 20 Uhr sei jemand da auf der Brücke.

Von Gloser-Wirt Martin Popp erhielt Brünnig die ursprünglich der Bürgerbräu in Hof gehörende Schankanlage erst als Dauerleihgabe und mittlerweile als Geschenk. Für den Pfiff-Ausschank hat der 44-Jährige den Kühlschrank mit Gasflasche und Zapfhahn auf einen Rollator montiert und mobil gemacht. "Selbstverständlich funktioniert die Bremse noch." Die Erstausstattung mit Gläsern bekam der Rockabilly-Fan von Posterer-Wirt Manuel Zimmermann aus dem Nachlass der Zoiglfabrik. Sitzgelegenheiten sind nicht vorhanden. Brünnig: "Es darf nicht zu gemütlich werden." Selbst gebaut hat er das Ablagebrett, das am Brückengeländer hängt. Sigi Zeitler hat das bewegliche Regal fürs Grillgut zusammengeschraubt.

Mit Herrenhandtasche

"Immer wieder kommen Gäste mit der Herrenhandtasche", schmunzelt seine Partnerin Bernadette und zeigt auf eine Plastiktüte mit Grillfleisch vom Metzger. Wer etwas essen will, muss das selbst mitbringen. Der Gasgrill steht für alle bereit.

"Am Anfang hab ich angekündigt, wenn es den Brücken-Pfiff gibt", erinnert sich Brünnig, der beruflich "alles verkauft, was Schatten macht". Heute sei das nicht mehr nötig. Infos gebe es nur noch, wenn der Treff mal ausfalle. Doch seit Nachbar Zeitler die Urlaubsvertretung übernimmt, trocknet die wöchentliche Bierquelle auf dem Bach kaum mehr aus.

Zeitler sorgt auch dafür, dass die Straßenlaterne frei von Spinnweben ist. Der Gemeindearbeiter hat sich extra einen Besen mit verlängertem Stil gebaut, um die Lampe sauber zu machen. Unter den Gästen sind neben den Nachbarn, Bekannte und andere Windischeschenbacher. Auch Stadträte und Auswärtige schauen gelegentlich vorbei. Prominentester Brücken-Pfiff-Trinker war der Kabarettist Martin Zingsheim, vor einem Auftritt bei der Kleinkunstbühne "Futura".

Spendenkörbchen

Ob der Kölner auch einen freiwilligen Obolus ins Körberl neben den Zapfhahn gelegt hat, weiß auf der Brücke niemand mehr. Wenn dort mehr drin ist, als das Fass gekostet hat, verwendet Brünnig das Geld für Gasflaschen für den Grill, im Winter für einen Heizpilz oder für Anschaffungen wie eine professionelle, schnelle Gläserspülmaschine.
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