Fliegen für die Datenwolke

Der Airbus-Hubschrauber startete am Freitagnachmittag vom Flugplatz Latsch aus. Ein Pilot und ein Techniker vermaßen den Ostbayernring. Bilder: doz (3)
Lokales
Windischeschenbach
21.04.2015
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Wer hätte das gedacht: Eine Smartphone-Halterung gibt es auch fürs Cockpit. Lucas Gädeke hat so eine. Mit dem I-Phone überwacht der 27-jährige Pilot nicht nur die Flughöhe, sondern hört auch Musik.

Denn seine Arbeit kann auch eintönig werden, obwohl wahrscheinlich 90 Prozent der Oberpfälzer Männer gerne mit ihm tauschen würden. Gädeke ist Hubschrauber-Pilot und vermisst aktuell mit Techniker Marco Münkel (33) die Stromtrasse Ostbayernring zwischen Redwitz im Landkreis Lichtenfels und Schwandorf. Viel von der Landschaft sieht der 27-Jährige nicht, wenn er mit dem Helikopter unterwegs ist. Er muss gleichzeitig Flughöhe (dazu hat er sich eine App auf das I-Phone geladen), Geschwindigkeit und die Neigung des Hubschraubers im Blick haben. Bis zu acht Stunden am Tag fliegt er festgelegte Linien ab und sammelt mit Hilfe des sogenannten Airborne Laserscannings eine ganze Datenwolke. Laser tasten den Boden ab, eine Spezialkamera liefert hochauflösende Fotos. Daraus entsteht ein zentimetergenaues digitales 3-D-Modell, das Straßen, Bach- und Flussläufe, Gebäude und die Vegetation darstellt.

Messung wetterabhängig

Der Hubschrauber war in den vergangenen Tagen in der Region unterwegs. Vielen dürfte der rote Helikopter ins Auge gestochen sein. Die aktuelle Trasse, die es zu erfassen gilt, ist 185 Kilometer lang. Für den geplanten Neubau liegen mehrere Varianten vor, so dass Pilot und Techniker rund 200 bis 250 Kilometer vermessen müssen. Dafür benötigen sie rund fünf Flugtage.

Unbedingte Voraussetzung: Das Wetter muss passen. Bei schlechter Witterung ist oft die Sicht zu schlecht, um zuverlässige Daten einzufangen. Hat es geregnet, verschlucken Pfützen die Laserstrahlen. Als Gädeke und Münkel am Freitag am Flugplatz in Latsch in Weiden aufschlugen, konnten sie ihre eigentliche Arbeit erst nach den Presseflügen am Nachmittag starten. Der aufhellende Himmel und die Sonne machten es möglich.

Trassenbegehung möglich

Die Ergebnisse sollen laut Ina-Isabelle Haffke von Tennet, ein Übertragungsnetzbetreiber, der für den Ostbayernring verantwortlich zeichnet, am 25. Juni in Windischeschenbach vorgestellt werden. Eigentlich war das dort bereits für den 24. März geplant. "Die Vielzahl der Varianten ziehen Kartierungsarbeiten nach sich", erklärte Haffke. Bürger aus Windischeschenbach hatten die Möglichkeit, selbst Korridore für den Neubau vorzuschlagen. Das Raumordnungsverfahren ist für September angesetzt. Tennet bietet laut Haffke für Gruppen eine Trassenbegehung an.

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.tennet.eu
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