Franziska Wanninger präsentiert zum letzten Mal ihr erstes Programm "Just & Margit" bei der ...
Liebe vergeht, Hektar besteht

Franziska Wanninger begeisterte auch bei der letzten Vorstellung ihres Programms "Just Margit" noch einmal das Publikum. Sie glänzte vor allem mit Parodien auf das bayerischen Landvolk. Bild: prh
Lokales
Windischeschenbach
28.09.2015
3
0
Eigentlich hat sich das Futura-Publikum einen Namen als Stimmungsbarometer für Vorpremieren von Kabarettgrößen gemacht. Am Freitag hatte es aber das seltene Vergnügen, das Ende eines Programms zu erleben.

Nicht weil es nicht ankam. Im Gegenteil: Über 200 Mal widmete sich Franziska Wanninger seit 2011 in "Just & Margit oder wo die Liebe hinfällt wachst koa Gros mehr" sehr erfolgreich den Skurrilitäten des bayerischen Landlebens und drang dabei höchst amüsant tief in die Niederungen niederbayerischer Hochzeitsrituale und die Seelen der damit verbundenen Typen ein. Irgendwann ist es dann halt einmal "gnua" und die Künstlerin wendet sich nun neueren Projekten zu. In Windischeschenbach gibt sie aber noch einmal alles- und überzeugt. Sie gilt als die Kabarettentdeckung des letzten Jahres. Dem Publikum wird am Freitag schnell bewusst, warum das so ist. Neben ihrem erzählerischen Talent verfügt das Landei aus Marktl am Inn über ein großes komödiantisches und schauspielerisches Potenzial, das sie auch beim Finale ihres ersten Programms (das übrigens nicht ausgelutscht wirkt, sondern ewig aktuell) trefflich ausspielt.

Martyrium Hochzeit

Zunächst beobachtet sie die Stimmung im Publikum, denn wenn der Abend nicht so gut läuft, fällt es ja schließlich auf sie zurück. Sie scheut sich dann auch nicht, ihre Zuhörer in der Pause auszutauschen. Das braucht sie aber an diesem Abend nicht. Sie hat die Lacher von Beginn an auf ihrer Seite, wenn sie den Ablauf einer typisch niederbayerischen Hochzeit beschreibt. Noch dazu ist es die Hochzeit ihres Ex mit seiner neuen "Schicksen", auf der sie nun mit Ende 20 als Single sitzt und die Riten wie Geldgeschenkverpacken, Brautstraußwerfen oder Brautstehlen über sich ergehen lassen muss. Dazu kommen all die Typen, die das Landleben so hergibt. Da verteidigt der Macho mit dem Mercedes-Stern-Einkaufswagerl-Chip seinen Nachbarn, der in Thailand war ("... der war doch nur zum Tauchen dort") oder textet sie der "Gscheidhaferlpreiss'" über Palmwedelrelaxing auf Bali zu.

Am Ende taucht auch noch Django auf, das Idol ihrer Jugend, das damals mit seinem weißen BMW mit Hosenträgergurten vor der Land-Disco Trends setzte. "Heute fährt er einen Toyota Corolla Automatik und spricht vom Estricheinziehen und kitschigen Badfliesen." Sie stellt sich die Frage, ob es die große Liebe nicht doch nur im Film gibt und ob diese wirklich vergeht und nur der Hektar besteht.

Nun ist die Franzi in ihrem roten Kleid und den Rostkastanienstrümpfen "ganz alloa" und malt sich aus, was sie tun würde, wenn ihr Ex vor ihr knien und sie um Verzeihung bitten würde. "Too little, too late", würde sie ihn abweisen und sich in neue Abenteuer stürzen oder sich einfach ein paar schöne Schuhe kaufen.

Für Wanninger, so sagt sie, ist der Abend bei der Futura etwas ganz besonderes. Nicht nur weil sie ihr erstes Programm zum letzten Mal spielt, sondern weil sie sich hier auch wohl fühle. Als Zugabe singt sie das Lied, das bei keiner Hochzeit fehlen darf: "Weilst a Haus hast und fuffzg Tagwerk, ein BMW-Cabriolet für mi, steh i auf di". Frei nach Rainhard Fendrich.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.