Hammer-Rhythmen, stiller Sound

So viele Akteure von nur einer Band gab es noch nie auf der Bühne des Schafferhofs. Von links: Bernd Meyer (Keyboard), die beiden Bläser Dominik Glöbl und Möpl Jungmayer, Charly Böck (Congas), Gerwin Eisenhauer (Schlagzeug), Marco Lobo (Percussion mit allem, was Geräusch macht), Uli Zrenner-Wolkenstein (Bass), Andreas Blüml (Gitarre), Lisa Wahlandt (Gesang) und die "Divettes" Margot Gerlitz, Annika Fischer, Esther Baar. Bilder: ui (2)
Lokales
Windischeschenbach
28.07.2015
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"Ein phänomenaler Keyboarder", so könnte ein möglicher Anfang für diesen Text lauten. "Zwei phänomenale Sänger", wäre eine andere Variante. Am Ende der "Paul-Simon-Tribute" waren sich die Gäste im Schafferhof einig: "ein phänomenaler Abend".

Fantastisch waren alle 13 der ursprünglich 10 angekündigten Musiker, die in bisher nicht dagewesener Zahl die Bühne füllten. Heimlicher Star war Marco Lobo, der mit allem musizierte, was man eigentlich in den gelben Sack werfen würde. Verrosteten Dosen, einer Zweiliter-Plastiklimoflasche mit Mundstück, bunten Plastikflaschendeckeln und sogar Stücken von Fahrradschläuchen entlockte er akustische Assoziation für eine Reise um die halbe Welt.

Nach fünf Liedern ließ der Brasilianer bei "Born in Puerto Rico" den Zuhörern keine andere Wahl, als zu glauben, dass er aus der Karibik stamme. Wenn Paul Simons Stücke nicht primär im amerikanischen und afrikanischen Raum beheimatet wären, hätte Lobo sicher auch für die Nordsee ein Klangbild kreiert.

Kraftvoll und zart

Hammermäßig waren die exakt abgestimmten, schlagkräftigen Percussionparts mit Drummer Gerwin Eisenhauer, den Congas von Charly Böck und Lobos wuchtigen, im nächsten Moment zarten und abrupt wechselnden oder sogar abbrechenden Rhythmen. Kraftvoll und stets im kollegialen Miteinander trommelten die drei Percussionisten Paul Simons Songs in den Schafferhof.

In ungewohnter, weil weit poppiger, weniger ruhig und stimmbetont als in ihren sonstigen Projekten präsentierte sich Jazzsängerin Lisa Wahlandt. "Ich bin ganz außer Puste", bekannte sie gleich nach ihrem barfuss getanzten und intensiv gesungenen Auftakt bei "Boy in the Bubble".

Die bekannte Wahlandt traf sowohl musikalisch als auch in den Ansagen zwischen den Songs den richtigen Ton. Sie holte das Publikum von der rauschenden Party, die Background-Sängerin Esther Baar bei "Gone at last" entfacht hatte, mit ein paar Worten wieder ab und hatte aufmerksame Zuhörer für ihr "Still crazy".

Zuvor hatten neben Baar auch die beiden anderen "Divettes" Margot Gerlitz mit "America" und Annika Fischer mit "I know, what I know" bewiesen, dass sie auch als Solistinnen weit mehr können, als zu Dritt einen hervorragenden Hintergrundchor abzugeben. Nur wegen des Platzes auf der engen Bühne mussten die Bläser Dominik Glöbl (Trompete) und Möpl Jungmayer (Saxofon) in der Ecke stehen. Musikalisch standen sie den anderen ebenso wie Bernd Meyer (Keyboard und Schifferklavier), Bassist Uli Zrenner-Wolkenstein sowie Gitarrist Andreas Blüml in nichts nach.

Tanz zwischen den Stühlen

Einen tollen Part lieferte auch Sänger Markus Engelstädter ab. Konzentriert in die Songs versunken mit akzentuiertem Stil wechselte er sich am Mikrofon mit Wahlandt ab. Ganz stark die Zugaben als Duett, in denen dem Publikum bei "The Boxer" und "Sounds of Silence" trotz der eng bestuhlten Tenne gar nichts anderes übrig blieb, als zum Abschluss eines drei Stunden dauernden phänomenalen Abends mitzuklatschen, zu singen, aufzustehen und zu tanzen.
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