Handy unbedingt notwendig

Sie engagieren sich in den Flüchtlingshilfe (von links): Hans Bräuer (KEB Neustadt-Weiden), Domkapitular Thomas Pinzer (stellvertretender Leiter Seelsorgeamt), die Ehrenamtlichen Katja Laber und Manfred Weiß, Beate Eichinger (KEB im Bistum), Julia Zeitler (Caritas-Asylberaterin Tirschenreuth), Dr. Thomas Riegl (Referat Weltkirche im Bistum Regensburg) und Maria Plank (Caritas Regensburg). Bild: wrt
Lokales
Windischeschenbach
02.06.2015
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Das Thema Flüchtlinge wird mehr und mehr für alle präsent. Im Landkreis gibt es kaum einen Ort mehr, in dem keine Menschen aus fremden Ländern wohnen.

Die Katholische Erwachsenenbildung KEB Neustadt-Weiden, Tirschenreuth und Wunsiedel, die Caritas und das Seelsorgeamt des Bistums Regensburg veranstalteten deshalb immer wieder Informations- und Motivationsabende. Das Motto im Neuhauser Pfarrheim lautete "Flüchtlinge bei uns - was kann ich tun?".

Traumatisierte Jugendliche

Domkapitular Thomas Pinzer gab zum Einstieg Impulse mit dem Misereor-Hungertuch des afrikanischen Künstlers Sokey A. Edorh: "Was ihr dem Geringsten tut." Er stellte heraus, dass es Christenpflicht sei, Fremden und Obdachlosen zu helfen. Anton Dobmayer, stellvertretender Vorsitzender der KEB, berichtete von den Schwierigkeiten, Jugendliche in die Schule zu schicken. "Oft scheitert es daran, dass ein Großteil der Betroffenen traumatisiert ist", sagte der Berufsschullehrer. Julia Zeitler, Caritas-Asylberaterin in Tirschenreuth, gab einen Überblick über die aktuelle Situation der Asylbewerber der verschiedensten Nationen. Sie informierte über den Ablauf von Asylverfahren und erklärte Fachbegriffe wie die "Dublin-Verordnung", die regelt, welcher Staat für die Bearbeitung eines Asylantrags innerhalb der EU zuständig ist.

Die Zuhörer erfuhren, welche Phasen die Flüchtlinge zu durchlaufen haben, von der Antragstellung über die Anhörung zur Aufenthaltsgestattung und dem vorläufigen Bleiberecht. Die Asylberaterin sprach über die Residenzpflicht, Regelungen und Auflagen. Eine Sonderstellung nehmen die Kontingentflüchtlinge ein, die aus Krisenregionen kommen, aus humanitären Gründen sofort aufgenommen werden und keine Asylverfahren durchlaufen müssen. Die Zuhörer erfuhren von den Vor- und Nachteilen von Gemeinschaftsunterkünften oder dezentraler Unterbringung.

Der Besitz eines Handys, so sensibilisierte Zeitler die Anwesenden, sei für diese Menschen kein Luxus, wie oft unterstellt werde, sondern eine absolute Notwendigkeit und Hilfe. Bei der Caritas berate man, stelle Kontakte zu Ämtern her, kümmere sich um Organisation und Akquise von Ehrenamtlichen. Wer helfen möchte, kann dies auf vielfältige Weise tun: praktische Unterstützung bei Arzt- oder Behördenbesuchen und beim Einkaufen, Sprachunterricht oder Freizeitangebote sind nur einige Möglichkeiten.

Zwei ehrenamtliche Helfer, Katja Laber und Manfred Weiß, berichteten von ihren eigenen Erfahrungen. Beide empfinden ihre Arbeit auch persönlich sehr bereichernd. Die Ehrenamtlichen organisieren gemeinsame Aktionen, wie Sport oder Ausflüge, helfen bei der Beschaffung von Hausrat oder bringen sich bei der Kinderbetreuung ein.

Sich trauen

Irgendwie klappe es auch immer mit der Verständigung. Zum einen spreche man mit Händen und Füßen, zum anderen "ist der Oberpfälzer Dialekt eine Weltsprache", wie Weiß scherzhaft anführte. Etliche Anwesende hatten ebenfalls Erfahrungen gemacht und berichteten bereitwillig, welche Möglichkeiten in ihren Heimatorten bestehen. Allgemeines Fazit war, dass man auf die Menschen zugehen soll: "Den ersten Schritt machen und sich trauen".

Wer sich engagieren möchte, sollte sich an die zuständigen Stellen wenden, wo man den Einsatz vermitteln und koordinieren kann. Diverse "Praxispakete" sollen Interessierten Hilfestellungen und Hintergrundwissen vermiteln (siehe Kasten).
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