Hausbrand im Maßstab 1:87

Robert Beer (links) und Reinhard Lehner sind leidenschaftliche Tüftler. Das Ergebnis sind detailverliebte Landschaften und Kulissen. Bilder: Hartl
Lokales
Windischeschenbach
09.09.2015
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Haus, Garten, Pool und Freunde - in der Miniaturwelt ist das problemlos möglich.

Eine leichtbekleidete Dame steht vor einem Hochhaus und streicht sich durch ihr schwarz-gelocktes Haar. Ein Militärjeep parkt neben einem quietsche-bunten Hippie-Bus. Nur wer genau hinguckt, entdeckt die liebevoll gestalteten Szenen in einer Welt, die im Maßstab 1:87 konstruiert ist.

Die Miniatur-Menschen und Miniatur-Fahrzeuge sind Bestandteil der wohl größten transportablen Faller-Car-Anlage Deutschlands. Zumindest sagen das die Mitglieder der Modelleisenbahnfreunde Windischeschenbach. Faller ist ein Firmenname. Die Anlage ist eine eigene Welt auf 10 mal 20 Meter mit Wasseranlagen, Bergen, Dönerbude, einem Mann mit Raketenrucksack, einer Skateranlage - eben alles, was die Fantasie hergibt.

Neben der Faller-Car-Anlage gibt es natürlich auch viele Modelleisenbahnen. Der Verein hat darin auch seinen Ursprung. 1993 hatte ihn Robert Beer (65) aus Neuhaus gegründet. Damals kauften Mitglieder das erste Modul für 1400 Mark. Jeder zahlte 100 Mark aus der eigenen Tasche. Das Geld bekamen sie später wieder zurück. Der Verein hat 110 Mitglieder. Bemerkenswert ist, dass das Durchschnittsalter 37,2 Jahre beträgt. 32 Mitglieder sind sogar unter 18 Jahre alt. Beer sagt: "Wir wollen die jungen Menschen für Technik begeistern."

Magnet und Stacheldraht

Reinhard Lehner (29) aus Vohenstrauß ist so ein technikbegeisteter junger Mensch. Er ist seit 2006 im Verein, hatte aber bereits davor eine Modelleisenbahn und ein Faller-Car-System zu Hause. Er ist einer, dem die Details wichtig sind. Viele Szenen und Kulissen hat er sich ausgedacht. Das Hochhaus zum Beispiel, wo auf einem Balkon eine Studentenparty steigt. "Inspiration aus dem Alltag", sagt Lehner. Der 29-Jährige erklärt die Funktionsweise der Fahrzeuge, die über die Anlage sausen. Akkus, Motor, Lenkachse, Magnet und ein Stacheldraht unter der Straße machen das möglich. Die Autos blinken, wenn sie abbiegen und leuchten hinten rot, wenn sie bremsen. "Alles, was blinkt, haben wir selbst eingebaut." Momentan feilt Lehner an einer Abstandssteuerung. An der Anlage gibt es einige Knöpfe, die vor allem beim Publikum gut wirken, wenn die Anlage ausgestellt wird. Jedes Jahr am ersten Wochenende nach Allerheiligen in der Mehrzweckhalle zum Beispiel. Auf Knopfdruck erleuchtet die Dönerbude, und der Fleischgrill wird angeworfen. Oder ein Karussell dreht sich. Oder ein Miniatur-Mann dreht seine Runden auf einem Aufsitz-Rasenmäher.

Autos aus dem 3-D-Drucker

"Jedes Mitglied hat seine Steckenpferde", erzählt Lehner. Einer kümmert sich um die Elektronik, ein anderer gestaltet die Kulissen. Lehner hat zum Beispiel Fahrzeuge auf dem Rechner konstruiert und über einen Dienstleister auf einem 3-D-Drucker herstellen lassen. Sie kommen leicht durchsichtig an. Die Vereinsmitglieder lackieren sie.

Das Ergebnis sind tolle Geschichten, die im Maßstab 1:87 erzählt werden. Etwa wenn Lehner vom Steuerpult aus einen Hausbrand auslöst. Feuerwehrautos und Sanitätswagen düsen los. Ein Teil der Anlage dreht sich um 180 Grad. Dort, wo vorher ein Haus mit Garten stand, steht dasselbe Gebäude mit dem gleichen Garten - nur dass es brennt. Leuchtdioden imitieren das Feuer. Aus dem Dachbalken dringt Rauch. Pardon: weiße Watte.
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