Im "Atlantis" aufgetaucht

Fast so wie früher im Altlantis: Erinnerungsfoto mit (von links) Manfred Bittermann, Lolita Nonnenmacher, DJ Alex Meier und einem Stammgast.
Lokales
Windischeschenbach
25.11.2015
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Sie könnten Bücher schreiben, so viel hatten sich die Gäste in der "Spielkiste" zu erzählen. Sie kamen zurück ins einstige "Atlantis", um in Erinnerungen zu schwelgen. Jeder "Atlantis"-Jünger wurde zwar zunächst mit einem "Wer-ist-denn-das"-Blick, dann aber mit großem Hallo empfangen.

Sogar aus München kamen die Atlantisjünger zum Wiedersehenstreffen. Besonders das "Urgestein" der ehemals sehr angesagten Disco, Lolita Nonnenmacher, Bedienung von Anfang an bis zum Ende der Atlantis-Ära nach 18 Jahren, fiel ihren Gästen und Freunden mit ungekünstelter Herzlichkeit um den Hals. "Schön dass Du da bist, wie geht es Dir?" Von den damaligen DJs Thomas Mohr (Moretti), Alex Meier und Andi Schäffler war nur Alex anwesend. Was er auflegte war Kult, und es dauerte nicht lange, da tanzten viele Gäste zu "Saturday Night Fever", zu "Maria Magdalena" von Sandra, zu "Papa Chico" von Tony Esposito oder Songs von DJ Bobo. Am schönsten aber waren die vielen Geschichten, die nicht enden wollten. "Weißt Du noch?" war die häufig gestellte Frage des Abends.

Allmählich bekam man den Eindruck, dass dieses "Atlantis" etwas Einmaliges, Kostbares war. "Das war die schönste Zeit meines Lebens", schwärmt Günther Horn, zunächst Theker, später Geschäftsführer. "Das Atlantis war meine Heimat." Er hatte 1986 nur für vier Wochen beim Ausschank helfen wollen - daraus wurden elf Jahre voller Erlebnisse. Discobesitzer Manfred Bittermann hatte ihn überredet. Er hat es genossen, so nah die Geschichten und Schicksale der Menschen zu erleben. "Freundschaften begannen und zerbrachen. Die Mädels heulten sich bei mir aus."

"Land unter"

Mittwoch war immer "Powertag": Eintritt 99 Pfennige, jedes Getränk zwei Mark. Es wurde gebechert - oft bis zum Umfallen, Lolita und Günther bedienten im Akkord, füllten Gläser, leerten Aschenbecher. Damals gab es noch kein Rauchverbot! "Da war die Hütte voll", bestätigt Günther. Etwa 1200 Personen kamen im Laufe des Abends. Besonders am Wochenende war oft "Land unter".

Anita, die Tochter von Lolita, erzählt vom Sonntagnachmittag: Kinderdisco. "Zusammen mit meiner Schwester und meiner Mutter haben wir Semmeln geschmiert und belegt! Beim schönsten Wetter kamen die Kinder, statt ins Freibad zu gehen." Auch sie kennt das Atlantis die vollen 18 Jahre lang; denn ihre Mutter hatte sie bereits mit elf Monaten mitgenommen. "Die Bedienungen haben mich großgezogen", schwärmt Anita. Mit Günther, Astrid und Elke verbindet sie tolle Erinnerungen. "Wir waren ein tolles Team. Um drei Uhr war Schluss, wir sind noch bis fünf Uhr zusammengesessen, haben gegessen und die Nacht ausklingen lassen".

Heute "Geisterdachboden"

Der schöne Glastanzboden ist leider Geschichte, ebenso wie die schon fast "berüchtigte" Galerie, mit ihren Nischen, Plastikpalmen und Sitzecken. "Wenn einer ein Mädchen vom Erdgeschoss auf die Galerie bekam, war alles klar", grinste Günther. Und wenn die Polizei nach Mitternacht kontrollierte, versteckten sich dort die noch Minderjährigen. "Diesen ersten Stock gibt's noch" verrät DJ Alex. Kaum noch erreichbar, weil die Treppe fehlt, aber dort sei alles noch wie früher, nur eben sehr verstaubt - fast ein "Geisterdachboden".

Nicht enden wollen die Geschichten über die vielen Gastauftritte, wie etwa von Jürgen Drews und Wolfgang Fierek, oder dass Thomas Gottschalk damals aufgelegt hat. "Der Hans wäre der Ehrengast gewesen", bedauert Lolita Nonnenmacher. Wer ist Hans? "Der erste DJ hier. Er wohnt jetzt in Zirndorf und ist leider sehr krank." Lolita war fast so etwas wie die Mutter hier, für Personal und Gäste. Jeder kam zu ihr, und heute "kommt jeder, wenn Lolita ruft". Ein Temperamentbündel, die nicht nur von einem Gast zum anderen wirbelt, sondern auch auf die Tanzfläche. Rock'n'Roll mit Astrid, ehemalige Bedienung. Dort macht DJ Alex gerade Stimmung, holt das Beste aus seiner selber mitgebrachten Anlage. Er versteht sein Handwerk!

Jeder spürt, dass dieser Zauber des alten Atlantis noch immer wirkt. Disco nur für Jugendliche? Fehlanzeige. Hier stürmten die Junggebliebenen Ü30er die Tanzfläche. Und immer mehr wird der Wunsch laut, dass es eine Wiederholung dieses Abends geben müsse, mit alten Fotos, Erinnerungen, und einer "Atlantis-Revival-Party". Wenn Lolita wieder ruft.
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