Marterln erzählen Geschichten - Denkmalwart Bernhard Riebl mit dem OWV rund um Scherreuth
Zeugen schwerer Schicksalsschläge

Aus Dankbarkeit, dass ihre Kinder einen Brand unverletzt überlebten, hatte die Familie das Schreyer-Kreuz an der Staatsstraße zwischen Altenstadt/WN und Windischeschenbach aufgestellt. Bild: ab
Lokales
Windischeschenbach
05.12.2014
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Der Oberpfälzer Waldverein unter der Führung von Heimatkunde- und Denkmalwart Bernhard Riebl besichtigte verschiedene Marterln rund um Windischeschenbach. Diese Kleindenkmäler sind stumme Zeugen der Vergangenheit. Marterl leite sich von Marter ab. "Deshalb stehen hinter vielen Marterln oft tragische und schwere Schicksalsschläge", erklärte Riebl.

Hinter dem Freibad nach einem kurzen steilen Anstieg erreichte die Gruppe die kleine Kapelle, die Ferdinand Fütterer 2011 aus Basaltsteinen aufgemauert und auch das Kreuz auf dem Dach selbst gefertigt hatte. Den Innenraum schmücken eine Marienfigur aus Wachs und ein Holzkreuz. Von der Kapelle aus bietet sich ein herrlicher Ausblick auf die Stadt.

Alter Kirchsteig

An einem 1930 errichteten schmiedeeisernen Feldkreuz führte anschließend der alte Kirchsteig vorbei, der früher von den Scherreuther Kirchgängern genutzt wurde. Als 1971/72 am Ortseingang von Scherreuth die Familie Würth ("Loipert") einen neuen Hof baute, wurde das Eichenkreuz mit geschnitztem Holz-Christus, das vorher auf dem Friedhof in Windischeschenbach stand, vor dem Wohnhaus aufgestellt.

Das im neugotischen Stil errichtete Kriegerdenkmal in der Ortsmitte von Scherreuth haben italienische Gastarbeiter errichtet, die als Steinmetze beim Eisenbahnbau 1864 hier arbeiteten und wohnten. Das Denkmal erinnert an die Gefallenen des Ersten Weltkrieges.

Versprechen eingelöst

Das "Brandl-Kreuz" am Anfang des alten Kirchsteiges stellte Xaver Würth 1989 auf. Damit löste er ein Versprechen ein, das er seiner Mutter gegeben hatte. Am Weg nach Wurz, neben der Brücke über die A 93, steht ein "Arma-Christi-Kreuz", das Franz Dumler 1994 selbst gezimmert hatte. "Diese Kreuze sind in der Gegend sehr selten", informierte Riebl. Es sind nur die Leidenswerkzeuge Christi, eine eiserne Dornenkrone, eine Lanze und ein Speer angebracht.

Als Geschenk für seine Eltern zum 80. Geburtstag baute Josef Egeter ("Weber") eigenhändig mit Zimmermannsaxt und Kettensäge ein großes Holzkreuz und stellte es in der Nähe der Gärtnerei bei Menzlhof auf. Folgt man dem Weg Richtung Gärtnerei, stößt man auf einen schlichten Gedenkstein, den Jäger am Hubertustag 2001 für den 1967 verstorbenen Waidmann Hans Engelmayer aufstellten.

Die letzte Station der Wanderung war das Schreyer-Kreuz auf dem Parkplatz an der Windischeschenbacher Straße nach Altenstadt, kurz nach der Abzweigung nach Scherreuth. Das Kreuz wurde ursprünglich an anderer Stelle aus Dankbarkeit aufgestellt. Zwei Kinder, die allein zu Hause waren, haben gezündelt. Dabei brach Feuer aus, doch die Kinder blieben, wie durch ein Wunder, unverletzt.
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