Messer mit Handschrift

Ingo Müller schmiedet in seiner Werkstatt in Windischeschenbach Messer in Handarbeit. Bild: uax
Lokales
Windischeschenbach
16.11.2015
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Ingo Müller steht in seiner Werkstatt in Windischeschenbach und schlägt liebevoll mit einem schweren Hammer auf ein glühendes Stück Stahl. Irgendwann, wohl nach mehreren Tagen Arbeit, soll ein Messer daraus geworden sein. Handgemacht, individuell und mit seiner "Handschrift" im fertigen Produkt.

Die Leidenschaft des 38-Jährigen für glühendes Stahl entflammte bereits in der Kindheit. Der Geruch der Schmiedekohle aus der Werkstatt des Großvaters liege ihm immer noch in der Nase. Ingo Müller erinnert sich an den Hof des Nebenerwerbslandwirts, den Rauch, der aus dem Kamin aufstieg und den rhythmischen Klang des Hammers. Viele Jahre später, als Erwachsener, kehrt er sozusagen heim an den Amboss. Mit einer kleinen Werkstatt für handgemachte Messer.

Seit 2006 arbeitet der gelernte Werkzeugmacher in seiner kleinen Schmiede an seinen Fähigkeiten. Unzählige Male musste er Werkstücke wieder beiseitelegen oder wieder einschmelzen. Er hatte "typische Anfängerfehler" gemacht, wollte aber nicht aufgegeben. "Die größte Schwierigkeit ist immer der Kopf. Wenn man sich etwas vorstellen kann, wenn man sich etwas vornimmt, dann kann man es auch schaffen." Mittlerweile gehen die Tätigkeiten wie selbstverständlich von der Hand. Routine? "Jedes Messer hat sein eigenes Leben. Wenn du einmal nicht aufpasst, fängst du wieder von vorne an." So individuell wie die Messer, sind auch die Interessenten dafür. "Ein Student wollte eines, ein Arzt und ein Koch", beschreibt Ingo Müller die Kunden. "Jeder hat so seine speziellen Anforderungen. Der eine braucht es für den Wanderurlaub, der andere für die Küche."

Das besondere an den "Naabtal-Klingen" sei aber immer die Individualität. Manche Kunden probierten es während des Entstehungsprozesses an. "Wie einen Handschuh." Die Balance zwischen der Klinge und den ebenfalls handgefertigten Griffen soll genau passen. Das erklärt auch die Zeit, die er für die Herstellung eines Exemplars braucht. "Von einem Tag bis fast einer Woche, da ist alles drin."

Die Werkstatt am Rand von Windischeschenbach ist eigentlich zu klein. Die Maschinen - teilweise selbst konstruiert und gebaut - brauchen Platz. "Ich möchte auch gerne mal einen Kurs geben, aber dann kann man sich ja nicht mehr bewegen, wenn drei herumstehen." In direkter Nachbarschaft, nur ein Hallentor weiter, entsteht derzeit die zukünftige Schmiede. "Ich brauch' immer was zu tun, ich kann nicht stillsitzen." Ob die Nachfrage nach den Messern steigt, könne er noch nicht beurteilen. Noch sei er ein Geheimtipp bei Jägern, Wanderern und Köchen. "Und so billig wie Industrieware ist so etwas auch nicht."

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Weitere Informationen im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de
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