Mit 66 Jahren fängt das Leben an

Lokales
Windischeschenbach
09.05.2015
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Junge Leute laufen über Kopfsteinpflaster ohne darüber nachzudenken. Vielen älteren Menschen bereitet der Belag Schwierigkeiten. "Senioren haben andere Bedürfnisse", weiß Stadtrat Josef Söllner (67). Seit einem Jahr kümmert er sich als Seniorenbeauftragter um die ältere Generation.

Die Zahlen in der Stadt sprechen für sich. 21,47 Prozent der Bürger sind über 65 Jahre alt. Der Anteil der unter 18-Jährigen liegt nur bei 15,35 Prozent.

Die Menschen werden immer älter. Sehen Sie Handlungsbedarf?

Josef Söllner: Bei uns in der Kommune funktionieren die Seniorenzusammenkünfte der Pfarrgemeinden sehr gut. Die Altenclubs St. Emmeram, Heilig Geist mit St. Matthäus in Wurz und der KAB freuen sich über großen Zuspruch. Etwas kleiner sind die Gruppen bei der evangelischen Gemeinde und im Seniorenheim. Auch die Veranstaltungen des VdK werden gut besucht. Verdi-Senioren treffen sich regional und überregional. Es scheint, dass unsere älteren Einwohner mit dem derzeitigen Angebot zufrieden sind; denn obwohl ich zwischenzeitlich alle Altenclubs besucht habe, konnte ich bisher keine Wünsche besonderer Art entgegen nehmen.

Was ist für Senioren besonders wichtig?

Söllner: Behinderungen im öffentlichen Bereich sind für ältere Personen ein großes Problem. Die besten Angebote für Ältere in der Gesellschaft nützen nichts, wenn sie nicht deren Bedürfnissen entsprechen oder der Zugang zu schwierig ist. Gefordert sind: barrierefreie Zugänge zu öffentlichen Einrichtungen, Ruhebänke, eine öffentliche Toilette, Möglichkeiten für seniorenfreundliches Einkaufen. In Windischeschenbach sind Bänke über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Supermärkte bieten einen Bringdienst an.

Das barrierefreie Rathaus ist ein Anfang. Was könnte man noch besser machen?

Söllner: Die Stadt hat mit dem barrierefreien Rathaus einen beispielhaften Schritt getan. Wenigstens zu den Öffnungszeiten des Rathauses gibt es eine öffentliche Toilette, auch wenn das bisher kaum jemand weiß. Ich hoffe, dass der geplante Tag der offenen Tür im Rathaus diese Neuerungen bekannt macht. Positiv ist auch, dass man bei der Stadtsanierung in den 90er Jahren mit den bequem begehbaren Gehsteigen bereits an die Senioren mit Rollatoren und die Mütter mit Kinderwägen gedacht hat. Unverständnis ruft nicht nur bei mir der neu gestaltete Platz vor der Kapelle in Johannisthal hervor. Die Pflasterfläche ist eine Herausforderung nicht nur für Gehbehinderte, sondern auch für jeden älteren Menschen.

Junge Leute nutzen Facebook und WhatsApp. Wie kann man die Senioren erreichen?

Söllner: Was in vielen Gemeinden vorhanden ist und vor allem von Senioren sehr geschätzt wird, ist das monatliche Mitteilungsblatt. Die Homepage unserer Stadt kann dies nicht ersetzen und der Stadtlandexpress gleich zweimal nicht. Natürlich ist die Zahl der Senioren, die einen PC nutzen, in den letzten Jahren gewachsen. Doch es bräuchte mehr Fortbildungsmöglichkeiten. Was nützt es unseren Windischeschenbacher Senioren, wenn diese nur in Städten wie Weiden angeboten werden? Interessant wäre es zu wissen, wie die heutige Facebook-Generation in 50 Jahren miteinander kommuniziert.

Was ändert sich mit dem Alter? Kann ich in jungen Jahren schon etwas tun?

Söllner: Nicht nur im Alter kann sich die Bewegungsmöglichkeit ändern. Auf dem Seminar, das ich vor kurzem besucht habe, berichtete ein Architekt, er hätte bei der Planung eines Hauses jedem Bauherrn ans Herz gelegt, auch schon in jungen Jahren daran zu denken, dass im Erdgeschoss ein Zimmer barrierefrei zugängig sein müsse, um im Ernstfall zum Schlaf- und Pflegezimmer umfunktioniert werden zu können. Dazu gehörten natürlich ein Zugang zu einer Toilette und eine Waschgelegenheit. Umbauten machen immer Probleme, auch wenn es heute Möglichkeiten der Finanzierungsunterstützung gibt.

Sie sind jetzt seit einem Jahr Seniorenbeauftragter. Gab es schon ganz konkrete Wünsche, die an Sie herangetragen wurden?

Söllner: Ein Wunsch betraf den Hol- und Bringdienst für den Besuch von Veranstaltungen eines Altenclubs, ob sich die Stadt nicht an den Beförderungskosten beteiligen könne. Betrachtet man die Prozentsätze der Bevölkerungsanteile, so vertrete ich als Seniorenbeauftragter die Meinung, dass in Zukunft wie in großen Kommunen in unserem städtischen Haushalt die Belange der Senioren ihren Platz finden müssen.

Eine weitere Anfrage bezog sich auf ein betreutes Seniorenschwimmen in unserem Freibad. Inwieweit das geregelt werden kann, wird zeitnah mit dem Bürgermeister und dem Schwimmmeister ausgelotet.
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