Mit Harmonie und Achtsamkeit

Ferdinand Schraml praktiziert seit vielen Jahren Aikido. Nun erhielt der Leiter der Aikido-Abteilung eine hohe Auszeichnung: den 4. Dan. Bild: hfz
Lokales
Windischeschenbach
12.04.2015
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Wikipedia beschreibt Aikido als japanische Kampfkunst. "Doch eigentlich ist es ein friedliches Miteinander", sagt Ferdinand Schraml. "Es wird nicht gegen den Gegner gekämpft, sondern mit sich selbst. Bei Aikido gibt es keine Sieger und keine Verlierer."

Der 67-jährige Windischeschenbacher leitet seit vielen Jahren die Aikido-Abteilung des ATSV. Nun ernannte ihn das Bundeslehrerkomitee in Hennef Nordrheinwestfalen zum Meister 4. Dan - eine hohe Auszeichnung.

Um diesen Titel zu bekommen, bedarf es keiner Prüfung. Vertreter des Komitees beobachten viel und entscheiden dann, wann jemand soweit ist. "Schnell geht in diesem Sport gar nichts", sagt Schraml. Den ersten Dan erhielt er 2004, den zweiten 2009 und den dritten 2011.

Reisen nach Asien haben den Windischeschenbacher geprägt. Er erinnert sich an einen älteren Mann, der in China mit einer Gruppe auf der Straße Tai Chi gemacht hat. "Ein Bein hatte er oben an einer Laterne angelegt, eines unten", staunte Schraml über die Beweglichkeit des Chinesen. Auch in den Hotels habe er immer wieder Menschen getroffen, mit denen er Aikido üben konnte. "Dabei habe ich viel gelernt", erzählt der 67-Jährige. "Zwei- bis dreimal", habe er auf die Frage geantwortet, wie oft er in der Woche die Kampfkunst praktiziere. An das kurze Auflachen des Chinesen erinnere er sich heute noch: "Everyday", habe dieser mit einem Lächeln erwidert. Der pensionierte Sportlehrer kam in seiner Jugend über Judo zum Kampfsport. "Doch das war mir zu wild. Beim Judo geht's nur um das Gewinnen." In den 1980er Jahren probierte Schraml Jujutsu und Tai Chi.

Anfang der 1990er Jahre entdeckte er schließlich Aikido für sich. Sein Lehrer war Thomas Thierman (5. Dan) aus Weiden. Immer wieder besuchte der Windischeschenbacher Lehrgänge bei großen Aikidomeistern in Deutschland und Europa. Auch der Enkel des Gründers Ueshiba Morihei habe schon Kurse in Deutschland gehalten. "Aikido ist weltumspannend", sagt Schraml. Viele Leute haben jedoch ein falsches Bild von der Sportart. "Kannst du mich mal herhauen?", hätten Unwissende schon gefragt. "Das mach ich nicht", lehnt er ab. "Auch wenn man mit den Techniken jemandem den Arm brechen könnte. Aikido ist keiner Rauferei."

Abteilung gegründet

2000 gründete Schraml das Aikido-Dojo in Windischeschenbach. Mittlerweile trainiert er mit 30 Kindern und Jugendlichen sowie 30 Erwachsenen. Er leitet nicht nur die Abteilung Aikido des ATSV Windischeschenbach, sondern ist stellvertretenden Sektionsleiter Nordbayern des BDAL (Bund deutscher Aikidolehrer).

Obwohl Aikido so leicht aussieht, ist es harte Arbeit. "Es ist wie im Rollenspiel, ein Angriff wird durch eine Technik beantwortet", erklärt der Meister. "Die Kraft des Gegners wird umgeleitet." Gerade in den Anfängen seines Trainings habe er geglaubt, seinen Körper im Griff zu haben. "Doch dann kommt man in eine Situation, in der der Körper sich nicht so drehen lässt, wie der Geist es will."

Im Hier und Jetzt leben

Harmonie, Achtsamkeit und die Atmung sind wichtige Aspekte des Aikido. "Bei den Europäern kommt die Kraft aus dem Herzen, bei den Japanern aus dem Bauch." Deshalb sind Atemübungen ein fester Bestandteil des Trainings. "Viele sind angespannt vom Job und müssen erst einmal runterkommen." Durch Aikido könne man lernen, im Hier und Jetzt zu leben. "Unser Geist ist wie eine Horde Affen auf dem Baum. Man muss ihn runterholen, in ein Glas bringen und stehen lassen. Dann wird der Geist wieder klar."
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