Nutztier par excellence

Lokales
Windischeschenbach
04.02.2015
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Er gehört nicht gerade zu den Lieblingstieren, ist aber dennoch in jedem Garten unentbehrlich: der Regenwurm. In einem Vortrag räumte Regenwurm-Expertin Roswitha Walter auch mit so manchem Mythos um das Kriechtier auf.

Das Internationale Jahr des Bodens befasst sich heuer mit dem Thema "Boden - Erde - Dreck". Die Vortragsreihe ist eine Kooperation des Geo-Zentrums an der KTB mit dem Geopark Bayern-Böhmen und der VHS Weiden/Neustadt. Dr. Frank Holzförster, wissenschaftlicher Leiter des Geo-Zentrums, freute sich über den Vortrag der Regenwurm-Expertin Roswitha Walter von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Sie engagiert sich in der Arbeitsgruppe "Regenwurm" des Institutes für Ökologischen Landbau, Bodenkultur und Ressourcenschutz.

Knapp 50 Arten

Sie verstand es, den Zuhörern die Bedeutung des unscheinbaren Tiers und die damit verbundene Bodenfruchtbarkeit und -beschaffung näher zu bringen. 46 Arten gibt es in Deutschland. Sie lockern den Boden, arbeiten organisches Material ein, durchmischen im Darm organische und mineralische Substanzen, verbessern mit ihren Röhren den Wasserabfluss an der Oberfläche sowie die Sauerstoff-Versorgung und schaffen die Grundlage für einen fruchtbaren Boden. Weiterhin fördern sie die Bio-Diversität: Sie bilden durch ihre gegrabenen Röhren und ihren Kot Lebensraum und Nahrung für andere Tiere und sind selbst Futter bestimmter Vögel. Regenwürmer sind Zwitter. Bei geschlechtsreifen Tieren findet ein Samenaustausch statt, später werden Kokons abgelegt. Es gibt verschiedene Lebensformen der Würmer: die Streubewohner sind hauptsächlich im Grünland und Wald zu finden und leben an der Bodenoberfläche. Tiefgräber bauen stabile senkrechte Röhren, durch die sie Pflanzenreste in den Boden ziehen. In der Regel sind in einem Acker vier bis fünf Arten zu finden. Wie gehen Forscher bei ihren Studien vor? Zum einen treiben sie die Tiere mit einer seifigen Lösung aus dem Boden, um den Bestand zu zählen, oder sie zählen die Exemplare in einem ausgehobenen Bodenblock. Bei bis zu 60 Tieren pro Quadratmeter sei das Vorkommen gering, ab 170 Individuen hoch. Im Grünland seien mehr Tiere zu finden; der Bestand auf einem Hektar könne mit circa 2,4 Millionen angesetzt werden. Einfluss auf das Regenwurm-Vorkommen haben Bodenart, Klima und Bewirtschaftung.

Grünland erhalten

Roswitha Walter riet zu vielfältiger Fruchtfolge und reduzierter Bodenbearbeitung. Seit den 80er Jahren werde an Dauer-Beobachtungsflächen und bei verschiedenen Projekten geforscht. Dabei werden der Bestand bei Baumstreifen oder Ackerflächen verglichen. Sehr beliebt beim Wurm sind Blühflächen, da hier Bodenruhe weitgehend gewährleistet ist.

Zusammenfassend könne man sagen, der Regenwurm-Bestand werde gefördert durch organische Düngung, bodenschonende Bearbeitung, reichhaltige Fruchtfolge und Erhaltung von Grünland. Neben weiteren Informationen stellt sich auch der verbreitete Mythos, dass ein geteilter Regenwurm als zwei Exemplare weiterleben kann, als falsch heraus: nur wenn der vordere Teil noch eine bestimmte Länge hat, kann diese eine Hälfte weiterexistieren.
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