Patt enttäuscht die Zuhörer

Nur sehr selten verirren sich Zuhörer in den Rathaussaal. Am Mittwoch verfolgten gleich zehn Interessenten die Stadtratssitzung. Ihr Augenmerk galt aber nur einem Thema: der Zukunft des Johannissteigs. Die Hoffnungen, den Steig zu erhalten, erfüllten sich nicht. Bild: mic
Lokales
Windischeschenbach
15.10.2015
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Ungewohnte Kulisse im Rathaussaal: Zehn Zuhörer besuchten am Mittwoch die Stadtratssitzung. Grund war ein Antrag der Interessengemeinschaft Johannissteig, den Weg nicht zu entwidmen. Die Hoffnungen zerschlugen sich: Es fand sich keine Mehrheit, den Steig zu retten.

Dabei fiel die Abstimmung mit 10:10 denkbar knapp aus. Bürgermeister Karlheinz Budnik erklärte die Rechtslage: "Der Antrag ist abgelehnt, da sich keine Mehrheit fand." Für den Erhalt des Johannissteigs machten sich SPD, Freie Wähler und drei CSU-Stadträte (Monika Hartmann, Matthias Schandri, Brigitte Kreinhöfner) stark. Die restlichen CSU-Räte einschließlich des Bürgermeisters lehnten den Antrag ab.

Keine Zuschüsse

Der Johannissteig beschäftigt die Gemüter seit vielen Monaten. Budnik fasste die Entwicklung noch einmal zusammen (siehe Kasten). Der Versuch der Stadt, Fördergeld für die Sanierung aufzutreiben, sei gescheitert. "Weder aus dem Leader-Topf noch vom Naturpark gibt es Mittel", berichtete der Rathauschef. Begründung: Der Steig habe keine übergeordnete Bedeutung und sei nur eine Abkürzung zwischen zwei asphaltierten Flächen. "Das ist O-Ton Landratsamt."

Dass der Weg größtenteils auf Bahngrund verläuft, macht die Sache nicht einfacher. Der Bürgermeister verwies auf die Auflagen der Bahn, die eine Sanierung nur noch teurer machten. "Die Aufwendungen stehen keinesfalls im Verhältnis für einen Weg von 190 Metern", sagte Budnik. Er sprach der Interessengemeinschaft seinen Respekt für das Engagement aus, wies aber gleichzeitig darauf hin, dass Unterschriften nicht rechtsverpflichtend seien. "Es geht hier um Geld", sagte er. "Entscheiden Sie selbst, was Ihnen die Sanierung wert ist", legte er dem Gremium vor der Abstimmung ans Herz. An die Zuhörer gerichtet: "Respektieren Sie, wenn manche Kollegen nicht so abstimmen, wie sich die Interessengemeinschaft das wünscht."

CSU-Sprecher Markus Weidner machte klar, dass die überwiegende Mehrheit der Fraktion den Antrag der Interessengemeinschaft ablehne. "Auch wenn jetzt viele ihr ehrenamtliches Engagement anbieten - wie lange hält das an?", wollte er wissen. Werner Sauer (SPD) plädierte für den Erhalt und warf der Stadt "fehlenden Willen" vor. Josef Söllner (Freie Wähler) bat, zu prüfen, ob in den Archiven der Stadt oder sogar im Staatsarchiv in Amberg nicht doch eine Übereinkunft zwischen Stadt und Bahn zu finden sei. "Ich nehme an, dass auch damals eine Vereinbarung getroffen worden ist."

Zuschauer applaudieren

Vor allem aus den Reihen der SPD gab es viele leidenschaftliche Wortmeldungen. Stefan Seitz schlug vor, nur den Ein- und Ausstieg zu sanieren. "Auf dem Stück dazwischen ist fast nichts zu machen." Davon war auch Reimund Zeitler überzeugt. Applaus aus den Zuschauerreihen begleitete seine Worte. Söllner erinnerte an die Sanierung des Burgsteigs. Diese habe 38 000 Euro gekostet und auch hier sei es nicht möglich gewesen, Maschinen einzusetzen. Bedrückende Stille legte sich über den Saal, als das Ergebnis der Abstimmung klar war. Viele Zuhörer warteten das Ende der Sitzung nicht ab, sondern verließ stillschweigend den Raum.
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