Quertreiber im Rohr

Ein Horrorszenario für jeden Experten. Quer durch den alten Kanal in der Ritzbergstraße verläuft ein weiteres Rohr. Wann der Beton abbröckelt, lässt sich nicht sagen. "Vielleicht schon beim nächsten Gewitterguss", warnt Diplom-Ingenieur Günter Schwab. Bild: Ingenieurbüro Zwick
Lokales
Windischeschenbach
10.07.2015
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Der Blick in die Unterwelt verhieß nichts Gutes. Die Stadträte schluckten, als sie die Bilder über den Zustand des maroden Abwasserkanals in der Ritzerbergstraße sahen.

Günter Schwab vom Weidner Ingenieurbüro Zwick führte am Mittwoch im Stadtrat einen Film vor, der mit einer Kanalkamera gedreht worden war. Wie alt die Rohre sind, lässt sich nicht genau sagen. "Vermutlich stammen sie aus der Zeit vor 1970. Das kann aus den 50er oder 60er Jahren sein", schätzte der Diplom-Ingenieur.

Der Kanal in der Ritzerbergstraße ist nach Meinung des Experten ein verrohrter Bach. "Stellen Sie sich ein Rohr unter einer Zufahrt zu einem Feld vor", gibt Schwab zu bedenken. Er glaubt, dass damals bei der Erschließung des Siedlungsgebiets dieses vorhandene Rohr als Kanal hergenommen wurde. "Statisch eigentlich nicht zu vertreten."

Problematisch sei außerdem, dass Gummidichtungen völlig fehlten. "Abwasser kann austreten und Erdreich wird eingespült", erklärte der Kanalfachmann. "Hier passt das Motto: Steter Tropfen höhlt den Stein." Ein Rohr benötige stabiles Erdreich. Leises Stöhnen ging durch die Reihen, als auf dem Bildschirm zu sehen war, wie einst die Hausanschlüsse verlegt worden waren, die in den Hauptkanal münden. "Da hat man das Rohr halt mit dem Hammer zurecht gehauen und den Anschluss einfach nur reingelegt."

Wurzel durch den Beton

Alle paar Meter deckte die Kamera undichte Stellen auf. Die Wurzeln eines Baumes, die sich durch den Beton schlängelten, waren bei weitem noch nicht das Schlimmste. Verwundert rieb sich das Gremium die Augen, als mitten im Kanal plötzlich ein schwarzes Rohr auftauchte. "Ein Supergau" für den Experten. "Das wurde ins Erdreich geschossen", weiß Schwab. "Auf diese Weise werden auch Breitbandkabel verlegt." Ob das Rohr Kabel enthält, lässt sich nicht genau sagen. "Stellen Sie sich vor, dass wäre eine Trinkwassserleitung, im Abwasserkanal undenkbar."

Nach diesen schockierenden Bildern folgte die beruhigende Nachricht, dass nicht jeder Kanal im Stadtgebiet so aussieht. Schwab zeigte den Räten die Aufnahmen aus der Schillerstraße. "Das ist ein Kanal, wie er sein sollte", lobte der Diplom-Ingenieur. "Das Betonrohr hat 45 Jahre auf dem Buckel, dem fehlt nichts. Man sieht, wenn Kanäle anständig gebaut sind, können sie auch länger halten." Lediglich bei den Hausanschlüssen müsste etwas gemacht werden. Die Lebensdauer eines guten Kanals betrage 80 bis 100 Jahre.

Viele Fragen hagelten nach dem Vortrag auf den Experten ein. Stefan Seitz (SPD) wollte wissen, ob es Vorschriften für Hausanschlüsse gebe. Laut Schwab einfach zu regeln: "Der Anschluss bis zur Grundstücksgrenze gehört der Kommune." Auch das war für viele Neuland: Was geschieht mit dem Abwasser während der Sanierung? "Einfach laufen lassen, geht nicht. Den Kanal mit einer Blase abdichten, das Wasser abpumpen und in den nächsten Anschluss wieder einleiten."

Schaden nachweisen

German Gierisch (CSU) interessierte, wer das Rohr durch den Kanal geschossen hat. "Kann der Verursacher zur Kasse gebeten werden?" Dies sei nur möglich, wenn der Schaden eindeutig nachgewiesen werden kann, informierte der Fachmann. (Angemerkt)
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