Segen für "Fatschenkindl"

Pfarrer Hubert Bartel segnete das "Fatschenkindl". Diese Art der Darstellung von Jesus ist eine Besonderheit in der religiösen Volkskunst. Bild: wrt
Lokales
Windischeschenbach
16.12.2014
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In der religiösen Volkskunst ist es ein bekannter Begriff, inzwischen wissen auch die Windischeschenbacher, was es mit einem "Fatschenkindl" auf sich hat. Die am Tegernsee lebende Salome Muschalek hat ihrer Heimatpfarrei ein solches Kunstwerk gestiftet.

(wrt) Beim "Fatschenkindl" handelt es sich um die Darstellung des Jesuskindes als Säugling, und zwar in der jahrhundertelang für Babys üblichen Wickelpraxis. Nach althergebrachter Ansicht sollte ein straffes Wickeln der Gliedmaßen das Wachstum positiv beeinflussen. Aus dem lateinischen Wort "fascis" für Bündel wurde im Bayerischen der Ausdruck "fatschen", also wickeln.

In sogenannten Klosterarbeiten wurden Andachtsgegenstände - so auch "Fatschenkindl" - in mühevoller und aufwendiger Handarbeit reich verziert und edel gestaltet. Gold- und Silberdraht, Litzen und Borten, Spitzen, Perlen und Schmucksteine sowie hochwertige Stoffe wie Samt oder Brokat wurden dafür verwendet.

Salome Muschalek, die immer noch sehr heimatverbunden ist, erstand für das von ihr entworfene und gestaltete Fatschenkindl eine Kopie des berühmten Münchner "Augustiner-Kindls", modelliert aus Wachs mit alten Glasaugen und Haaren. Der verwendete Stoff ist nach Angaben der 90-jährigen Künstlerin aus der Barockzeit, und auch das Material für das Bett ist 200 Jahre alt.

Die Kirchenverwaltung der Pfarrei St. Emmeram ließ einen Glasschrein anfertigen, der das Kunstwerk nun schützt. Im Sonntagsgottesdienst trugen Kirchenpfleger Bertwin Fleck, über den der Kontakt mit der Spenderin lief, und Winfried Hecht (Kirchenverwaltungs-Mitglied und Pfarrgemeinderatssprecher), das "Fatschenkindl" in das Gotteshaus.

"Dass mir die Arbeit in meinem hohen Alter gelungen ist - das ist Gnade. Alles, was man mit Liebe macht, gelingt", hat die Spenderin in einem Schreiben formuliert. Diesen Worten schloss sich Pfarrer Bartel an, der die Figur segnete. Der Name Muschalek ist ein Begriff; Salome, geborene Eßl, wuchs am Ort auf.

Von ihrem verstorbenen Gatten, dem Künstler Karl Muschalek, stammen auch Werke in der Pfarrkirche wie Elemente des Hochaltars und das Christkönigs-Kreuz, dessen Korpus er schuf und das beim Verlassen des Gotteshauses an der Empore des Chores zu sehen ist.
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