"Sternenkinder"

Lokales
Windischeschenbach
28.11.2015
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Eltern, die während der Schwangerschaft ein Kind verlieren, haben bisher nicht überall einen geeigneten Ort, um zu trauern. Pfarrer Hubert Bartel ändert das in Windischeschenbach.

Am Ende einer Schwangerschaft - davon geht man generell aus - steht die Geburt eines Kindes, das von da an zur Familie gehört und in dieser aufwächst. Aber nicht alle werdenden Eltern dürfen diese Erfahrung machen. Aus verschiedensten Gründen kann das Leben eines Kindes schon vor der Geburt enden.

Was für die Betroffenen ein persönliches Drama ist, wird teilweise eher unsensibel gehandhabt: Hat ein nicht lebensfähiges Kind weniger als 500 Gramm Körpergewicht, ist es "nicht bestattungspflichtig" wie es im Gesetz heißt. Was in der Praxis oft bedeutete, dass diese sogenannten Fehlgeburten im Klinikabfall entsorgt wurden.

Hubert Bartel, Stadtpfarrer der Pfarreiengemeinschaft St. Emmeram Windischeschenbach und Heilig-Geist Neuhaus, kam schon zu seiner Zeit als Klinikseelsorger in Landshut mit solchen Schicksalen in Kontakt. Ein Pathologe am Krankenhaus, der diese Vorgehensweise unerträglich und inakzeptabel fand, setzte sich maßgeblich dafür ein, dass auch die Körper verstorbener Babys unterhalb dieses Gewichts in würdiger Form beigesetzt werden. Im städtischen Friedhof in Landshut gibt es eine Gedenkstätte für trauernde Eltern dieser "Sternenkinder".

Eine solche Trauerstätte hielt Bartel auch vor Ort für sinnvoll und rannte mit diesem Ansinnen bei der Kirchenverwaltung offene Türen ein. Deren Mitglied Anton Sammet, ehemaliger Rektor und Künstler, erarbeitete einen Entwurf. Dem Steinmetzbetrieb Zwack und Neugirg aus Thumsenreuth wurde die handwerkliche Umsetzung übertragen. Zwischen Aussegnungshalle und großem Friedhofsbrunnen fanden sie den geeigneten Platz für das "Sternengrab".

Beschriftete Sterne

Auf das Fundament wurden vier Granitstelen halbrund gesetzt, die beiden mittleren bilden zusammen ein Kreuz, das ein farbiger Glasstern zieren wird. Auf den beiden seitlichen Säulen ist die Inschrift "Aus Gottes Hand - in Gottes Hand" zu lesen, und darunter können Eltern einen Stern anbringen lassen, der ohne Inschrift an das Kind erinnert oder mit dem Vornamen beschriftet ist, den die Eltern für das Kind ausgesucht hatten.

Ein Erinnerungs-Stern ist auch im Nachhinein möglich, um Eltern, die schon vor längerer Zeit einen derartigen Verlust erlitten haben, eine Gedenkstätte zu geben. So haben Eltern, die kein Familiengrab besitzen, einen Ort, um zu trauern.

Für die Pflege der Grab-Anlage wird man den Frauenbund um Unterstützung bitten. Die Damen hatten bereits ihre Bereitschaft signalisiert. Am Sonntag, 13. Dezember, findet eine Feier im Friedhof am "Sternengrab" statt. Dies ist der Weltgedenktag für verstorbene Kinder. Dann stellen Betroffene in der ganzen Welt um 19 Uhr Lichter in die Fenster, um der Kinder zu gedenken.
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