Tiefe Einblicke für Nachbarn

Vlasta Konz erklärt dem Direktor des ostböhmischen Geoparks Eisengebirge, wie aus der Kontinentalen Tiefenbohrung in Windischeschenbach eine Umweltstation internationalen Ranges entstanden ist. Bild: phs
Lokales
Windischeschenbach
10.04.2015
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Plattentektonik und Kontinentaldrift, Bohrkernrotation und Reaktionskinetik. Für viele Ohren klingt das zu hoch, zu wenig spannend. Nicht für die von Vlasta Konz, die als Mädchen gern Geologie studiert hätte und über Umwege doch noch eine Expertin für die Beschaffenheit der Erde geworden ist.

Wieder mal hat das Geo-Zentrum an der KTB an diesem Vormittag eine Gruppe von Wissenschaftlern und Fremdenverkehrsfachleuten zu Gast. Die vier Frauen und Männer kommen aus Chrudim in Ostböhmen. Dort wächst der junge Geopark Eisengebirge zu einem Vorzeigeprojekt der Tschechischen Republik heran.

Aber so etwas wie in Naabdemenreuth samt Labor, Ausstellung, Vortragsreihen und Filmsaal haben sie in Chrudim nicht. Wie finanziert sich das? Wie lockt man dort Touristen hin? Wie werden Schüler vor Ort unterrichtet? Dr. Frank Holzförster, der Leiter der Einrichtung, erklärt es. Vlasta Konz übersetzt es. Dann lässt er sie alleine weiterreden. Holzförster ist ganz entspannt: "Sie kennt sich aus."

Offenbar so gut, dass die Gäste viel länger bleiben als gedacht. Immer neue Aspekte ergeben sich beim Rundgang. Die Tschechen saugen eine Idee nach der anderen auf.

Nicht zuletzt dank ihrer Landsmännin Vlasta Konz. Sie arbeitet seit 2008 im Geo-Zentrum mit. Damals hatte Holzförster eine Übersetzerin für Führungen in tschechischer Sprache gesucht. Für Konz fast ein Wink des Schicksals. "Ich hatte schon in der Schule mal ein geologisches Praktikum gemacht. Aus politischen Gründen durfte ich aber nicht studieren."

Dieses Los traf Konz nach dem Abitur in ihrer Heimatstadt Klattau, 40 Kilometer südlich von Pilsen. "Mein Opa war zur Hälfte Deutscher, meine Oma zur Hälfte Österreicherin. Da war die Partei misstrauisch." Die Familie sei zwar nicht offen gegen das kommunistische Regime aufgetreten, "aber mein Vater hat sich immer schwer damit getan". Also wurde aus Vlasta ein Kind des Kalten Krieges, dem der Zugang zur Uni verwehrt war.

"Ich habe dann 15 Jahre als OP-Schwester im Krankenhaus gearbeitet." In jenen Jahren lernte die junge Frau Karl Konz kennen. Eine weitschichtig verwandte Tante des Windischeschenbachers war Vlastas Nachbarin in Klattau. "Als wir 1989 heirateten, musste ich auswandern." So war das hinter dem Eisernen Vorhang, kurz bevor ihn Vaclav Havel und andere durchlöcherten.

Faszination Bohrloch

Seitdem lebt die Böhmin in der Oberpfalz und spricht ein überaus gepflegtes Deutsch. Sie bekam einen Sohn und musste sich ein neues Leben aufbauen. Unter anderem arbeitete sie eine Zeitlang als Fitnesstrainerin.

Doch als das Geo-Zentrum Potsdam sich Anfang der 1990er Jahre daran machte, vor ihrer Haustür 9000 Meter tief in die Erde zu blicken, erwachte ihr Geologie-Faible von Neuem. "Es war schön. Die Bohrer haben mir erlaubt, dort regelmäßig vorbeizuschauen."

Seit sieben Jahren arbeitet sie an Ort und Stelle mit, vor allem wenn sich tschechische Interessenten angesagt haben. "In den letzten drei, vier Jahren, kommen immer mehr Privatleute, vor allem aus Karlsbad und Marienbad", freut sich die zierliche Dolmetscherin. Zudem sind regelmäßig Geologen der Uni Prag und Schulklassen von Gymnasien zu Gast, die Partnerschaften zu Oberpfälzer Schulen pflegen. Ihnen allen hilft, dass Vlasta Konz vor drei Jahren bereits KTB-Flyer ins Tschechische übersetzt hat.

"Wenn ich drüben bin, lege ich die in Reisebüros und Hotels aus", zeigt sie Einsatz für ihren Arbeitsplatz im Schatten des Bohrturms. Auch die Pläne der Besucher aus Chrudim findet sie spannend. "Die wollen so etwas machen wie den Geopark in Parkstein." Gut möglich, dass dort in einigen Jahren auch Flyer für Windischeschenbach um tschechische Geo-Fans werben.
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