Vom Schweiß getränkt und von der Quetschn zerrupft

Lokales
Windischeschenbach
11.03.2015
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"Wir brauchen keine Sauna", frotzelt Norbert Neugirg mit Blick auf die Uniformen seiner Feierwehrkapell'n. Dringend benötigen die Jacken aus Wollstoff aber regelmäßig Claudia Müller.

Die Bühnenkleidung der mittlerweile bundesweit bekannten Altneihauser Feierwehrkapell'n ist strapazierfähig. Das muss sie auch sein, nicht nur wegen des Schweißes, der Neugirgs Mannen aus den Poren rinnt, wenn sie beim inbrünstigen Spiel im heißen Scheinwerferlicht agieren.

Besonders Ludwig Schieder sorgt mit dem extrem unruhigen Quetschenspiel vor dem Bauch dafür, dass die Jacken, nachdem sie die Reinigung verlassen haben, Station bei Schneiderin Claudia Müller in Neuhaus machen. "Im Koffer scheuern auch die alten, manchmal scharfkantigen Instrumente den Stoff auf", ergänzt der Kommandant. Ungefragt blieb, ob nicht doch ekstatische Fans Neugirgs Mannen an die Wäsche gehen und diese zerfetzen. Sicher dagegen ist, dass die Uniformen erst nach dem Ausbessern mit ihren Trägern zum nächsten Spektakel wieder auf die Bühne dürfen.

Kein Kontakt mit Wasser

Für jeden der Musiker hat die Kostümschneiderin des Landestheaters, Evi Schwab, aus Moosbach eine Uniform genäht. "Die, die stark transpirieren, haben zwei", berichtet Kommandant Neugirg. Vorbild der Replikate waren historischen Originale, die die bunte Truppe für die ersten Jahre von verschiedenen Feuerwehren als Dauerleihgabe bekommen hatte. "Die wurden nie gewaschen", grinst der Kapell'n-Gründer.

Der Wendepunkt sei bei einem Auftritt in einem kleinen Wirtshaus gekommen. Durch den Hintereingang mussten sich die damals noch weitgehend unbekannten "Altneihauser" am Personal vorbei in Richtung Publikum durch einen engen Gang drängen. "Oh Gott. Wo kommen die denn her? Und sie stinken", hörte nicht nur der Kommandant die Beschäftigten murmeln. "Den Moder roch man bis zu den ersten Reihen", erinnert sich der 54-Jährige.

Sicherheitsschlaufen

Die Gürtel sind noch gewebte Originale. Damit die Koppeln vor allem beim legendären Auftritt in Veitshöchheim nicht herunterrutschen, zu Boden fallen und zum Beutestück für fränkische Fans werden, sind an den neuen Uniformen Schlaufen angenäht. Die Jacken sind aus einem dicken, strapazierfähigen Wollstoff und nehmen einige Liter Schweiß auf. Neugirg: "Da haben wir uns auf das Urteil der Fachfrau vom Landestheater verlassen."

Auch beim Ausbessern setzt der Sprüchedichter auf Fachkräfte aus der Region. "Als ich mit der Schneiderei 2004 angefangen habe, ist Norbert immer wieder mit Kleinigkeiten zum Ausbessern auf mich zugekommen", sagt Müller, die in Neuhaus eine kleine Werkstatt betreibt. "Jetzt kommen die Uniformen nach der Reinigung automatisch zu mir." Außen sei die Bühnenkleidung robust und halte noch lange, urteilt die Schneiderin. Aber Innenleben und Futter werden nicht nur bei Luki Schieder durch Schweiß arg in Mitleidenschaft gezogen und porös.

Auch um so manche Figur der Musiker kümmert sich die 42-Jährige. "Derzeit ist die ganze Truppe auf Abnehmtripp", hat deren spindeldürrer Kommandant festgestellt. Nicht nur Reinhard "Stummi" Stummreiter trägt zwischen Nabel und großer Trommel einen Bühnenbauch. Beate Stock hat diese ausgepolsterte Jacke hergestellt. Mit ihr sehen die Proportionen am ganzen Oberkörper samt Armen voluminös aus. Für die Ausbesserungsarbeiten an den Figurformern ist ebenfalls Müller zuständig.

Milde Gabe

Ständig beschäftigt ist sie mit dem Ersetzen der Knöpfe aus Altmessing. Geliefert hat die eine Firma Hippold aus Kraftisried an Neugirg. Der freute sich zuletzt im Juni 2013 über die Bezugsbedingungen: "Von einer Rechnung werde ich absehen. Betrachten Sie dies als milde Gabe für die Oberpfalz", liest er genüsslich das Begleitschreiben vor.
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