Vorwärts die Rösser traben

Lokales
Windischeschenbach
22.08.2015
9
0

Max und Michl spitzen die Ohren, als Erich Sperber nach ihnen ruft. Brav trotten die Rösser Richtung Stall. "Das sind österreichische Noriker, Gebirgskaltblutpferde", erklärt er. Sooft er kann, spannt er die Kutsche an und fährt damit ins Waldnaabtal.

"Leider habe ich viel zu wenig Zeit dafür", bedauert der 59-Jährige. Sperber führt nicht nur erfolgreich ein Unternehmen, sondern sitzt für die CSU im Stadtrat und ist zweiter Bürgermeister. "Andere brauchen lange Urlaube, ich kutschiere durch den Wald", schmunzelt er. Die Pferde gehören dem "Schwaner"-Wirt Hermann Schrembs, einem guten Freund. "Wir kennen uns, seit wir laufen können."

Natürlich müsse man auch mal weg, um Ruhe zu haben. "Doch viele wissen gar nicht, wie schön unsere Gegend ist." Der Pferdeliebhaber schätzt nicht nur das Waldnaabtal, sondern auch den Steinwald mit dem Oberpfalzturm oder den Doost bei Floß.

Mit Politik hatte Sperber zunächst nichts am Hut. "Obwohl ich zum ersten Mal für den Stadtrat kandidiert habe, als ich 20 war." Hans Senft senior habe ihn überredet, sich für die CSU aufstellen zu lassen.

In den Folgejahren rückten Familie und Firma in den Vordergrund. 2008 lässt er sich nochmals breitschlagen. Diesmal gab Bürgermeister Andreas Meier nicht nach. Mit dem Hinweis, dass ja nur einmal im Monat Stadtratssitzung sei, schafft er es, Sperber zu ködern. "Ich habe zugesagt, obwohl mir klar war, dass es mit einmal im Monat nicht getan ist."

Vernünftige Gespräche

Doch nicht nur Sperber selbst, sondern auch die Windischeschenbacher finden Gefallen an seiner Stadtratsarbeit. Als er 2014 erneut kandidiert, setzen 2896 Bürger hinter seinem Namen ein Kreuzchen. Als Stimmenkönig konnte Sperber zum Amt des zweiten Bürgermeisters kaum Nein sagen. "Mir hat die Arbeit von Anfang an Spaß gemacht", zieht er Bilanz. "Wir führen relativ vernünftige Gespräche mit wenig Streit." Die Jahre, in denen die Räte im Gremium heftige Auseinandersetzungen ausgefochten hätten, kenne er nur aus Erzählungen. Die meisten Entscheidungen seien gemeinsam getroffen worden. "Lediglich den Beschluss, das Baugebiet Lindenwiesen auszuweisen, haben wir mit der Mehrheit der CSU durchgedrückt." Vor allem die Freien Wähler seien sehr skeptisch gewesen. Einer habe damals gesagt, wenn dass was werden sollte, entschuldige er sich. "Nun sind die Lindenwiesen zu 95 Prozent bebaut."

Wenn Sperber nicht auf dem Kutschbock sitzt, sein Unternehmen führt oder zum Wohl der Stadt unterwegs ist, steht er im Gasthaus "Zum weißen Schwan" hinterm Tresen. "Allerdings nur, wenn man mich braucht. Ich war 15, 16, als mich Hermann Schrembs einmal gefragt hatte, ob ich aushelfen kann. Und dabei ist es geblieben."

Als Stadtrat und zweiter Bürgermeister schenkt Sperber auch im Wirtshaus, wo viel politisiert wird, jedem sein Ohr. "Zurzeit ist die Stimmung in der Stadt in Ordnung. Die Leute streichen einem die Minuspunkte eher auf als die Pluspunkte. Frei nach dem Motto: Nicht geschimpft, ist gelobt genug." Jeder Bürger habe das Recht, in der öffentlichen Stadtratssitzung dabei zu sein. Der Kommunalpolitiker bedauert, dass kaum jemand davon Gebrauch macht.

Immer wieder wollen Leute von ihm wissen, warum man für städtische Bauvorhaben einen Architekten braucht. Das könne man doch auch selber, unken die Kritiker. "Wenn öffentliche Gelder fließen, geht es nicht ohne", erklärt der zweite Bürgermeister.

Zu viele Vorschriften

"Doch die Vorschriften fressen uns auf." Das ist eine Erfahrung, die er sowohl in der Kommunalpolitik als auch im Berufsleben immer wieder macht. Auch der Johannissteig falle in diese Kategorie. "Dieses Thema ist nicht vom Tisch zu fegen. Wir werden uns etwas einfallen lassen müssen." Beim Durchschauen der Unterschriftsliste, die die Interessengemeinschaft vorgelegt hat, sei ihm aber auch aufgefallen, dass "viele Adressen aus Regensburg, Nürnberg oder von sonst noch wo" dabei gewesen seien. "Beim Zoigl gesammelt", mutmaßt er.

Dennoch nimmt Sperber die Aktion ernst. "Vielleicht lässt sich ein Zuschuss für das Wanderwegenetz rund um Windischeschenbach auftreiben, zum dem auch der Johannissteig gehört."
Weitere Beiträge zu den Themen: August 2015 (7425)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.