Wer soll das bezahlen?

Wie finanziert sich unsere Rente, wenn die geburtenstarken Jahrgänge nicht mehr arbeiten? Eine Ausstellung der KAB in der Raiffeisenbank verspricht Antworten. Zur Eröffnung waren Manfred Haberzeth (von links), Pfarrerin Nadine Schneider, Pfarrer Hubert Bartel, Richard Landgraf, Karlheinz Raps, Bürgermeister Karlheinz Budnik, Helmut Nürnberger, Markus Nick, Angela Erfurt und Maria Adam gekommen. Bild: ab
Lokales
Windischeschenbach
06.10.2015
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Mit einer Ausstellung rückt die KAB das deutsche Rentensystem ins Blickfeld der arbeitenden Bevölkerung. Als es im 19. Jahrhundert eingeführt wurde, finanzierten zehn Arbeitnehmer einen Rentner. Heute sind es nur noch drei.

"In einigen Jahren, wenn geburtenstarke Jahrgänge ins Rentenalter kommen, wird sich die Lage noch verschärfen", lautet die Prognose von KAB-Diözesansekretär Markus Nickl. Altersarmut sei schon jetzt ein massives Problem. Die Dunkelziffer bei der Grundsicherung im Alter liege bei 60 Prozent. Das bedeutet, dass sechs von zehn Rentnern mit weniger monatlichem Einkommen leben als die Grundsicherung garantieren würde.

Unter dem Thema "Aus Sorge um die Altersrente" informiert seit Montag eine Ausstellung in der Raiffeisenbank. Der Veranstalter, die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) Regensburg, zeigt zahlreiche Schautafeln, die das aktuelle Verhältnis von Arbeitseinkommen zu den Rentenbezügen darstellen. Ist die Riesterrente ein Ersatz für das sinkende Rentenniveau? Warum fordert die KAB Generationsgerechtigkeit mit einem umlagefinanzierten Rentensystem? Ist das dreistufige Rentenmodell der katholischen Verbände ein Ausweg aus dem Dilemma?

Mit einer sehr emotionalen Rede hat der KAB-Diözesansekretär die Ausstellung eröffnet. Sie will widerlegen, dass es zu den Reformen der Rentenversicherung keine Alternativen gebe. Vielmehr gehe es um die Frage, wie gerechte Renten mit vertretbaren Beiträgen finanziert werden könnten und wie die Lasten der Altersversicherung und einer nachhaltigen Reform vorstellbar seien.

700 000 Geburten pro Jahr

Die Zahl der Geburten lag in der Bundesrepublik vor 50 Jahren noch bei etwa 1,3 Millionen jährlich. In den 80er Jahren sank sie unter die Millionengrenze und hat sich in den vergangenen zehn Jahren auf 700 00 Geburten pro Jahr eingependelt.

"Eine Halbierung, bei der Frauen mit Kindern die Verlierer sind. Und sie werden die noch größeren Verlierer sein, umso mehr Privatisierung der Alterssicherung durchgesetzt wird", sagte Nickl.

Auf der anderen Seite macht die Ausstellung auch deutlich, dass die Menschen in Deutschland immer älter werden. Dadurch müssen weniger Beitragszahler künftig mehr Renten über längere Zeiträume finanzieren. Die Zahldauer für eine Rente hat sich seit 1960 verdoppelt.

Als "den eigentlichen Skandal" bezeichnete Nickl, dass das Leistungsziel einer lebensstandardsichernden Rente von der Politik aufgegeben worden sei. Eine solche Sicherung könne nur mehr erreicht werden, wenn die gesetzliche Rente durch eine betriebliche und private Vorsorge ergänzt werde. Das heißt, die von der Politik getroffenen Maßnahmen hätten erheblichen Einfluss auf die Höhe der Rente und auf die damit verbundene Einkommenslage im Alter.

"Die KAB fordert, dass das solidarische beitrags- und umlagefinanzierte System der Rentenversicherung erhalten bleibt und weiter entwickelt wird", bekräftigte der Diözesansekretär. Daneben fordert sie eine Sockelrente. Im derzeitigen System finanzieren einzig Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Rente überlassen.

Neue Solidarität

Die von den katholischen Verbänden geforderte Sockelrente stellt die Alterssicherung personell und finanziell auf eine breitere Grundlage: Alle Erwachsenen seien Teil der Rentenversicherung, also auch Selbständige, Beamte und Landwirte. "Das schafft die Basis für eine neue Solidarität zwischen Unternehmern und Arbeitnehmern", sagte Nickl.
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