"Wir waren bei Paul Klee"-Ausstellung im Geo-Zentrum
Die Schüler und ihr Meister

Das ist gar nicht so weit weg von dem, was die Geologie macht. Wir sind auch ständig am Abstrahieren.
Lokales
Windischeschenbach
26.09.2014
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"Bewimperte Form auf rotem Schrägbalken" von August Preuße: Das Bild erinnert an geologische Formen.

"Wir waren bei Paul Klee." Der Titel der aktuellen Ausstellung im Geo-Zentrum an der KTB in Windischeschenbach ist in gewisser Weise mehrdeutig zu verstehen. Einerseits weht die Aura des großen Meisters durch die Räume der Schau, so dass sich die Besucher dem Maler dort durchaus nahe fühlen.

Die im Geo-Zentrum gezeigten Bilder stammen nicht direkt von Paul Klee, so sehr sie manchmal auch an ihn erinnern. Es handelt sich um die Werke seiner Meisterschüler. Eugen Batz, Hubert Berke, Georg Jakob Best, Petra Petitpierre und August Preuße: Sie alle studierten an der Kunstakademie Düsseldorf bei Paul Klee. Ihre gemeinsame Zeit dort war nur kurz - der Nationalsozialismus sollte dem Schaffen bald ein Ende bereiten. Dennoch eint alle Künstler die Gemeinsamkeit: "Wir waren bei Paul Klee."

Allein das war damals schon eine Errungenschaft. Denn: Meisterschüler bei Paul Klee zu sein, war nicht einfach. "Klee war als äußerst kritisch bekannt", weiß Dr. Marina von Assel. "Es war nicht leicht, von ihm akzeptiert zu werden. In Düsseldorf nahm er nur wenige neue Schüler hinzu."

Die Leiterin des Kunstmuseums Bayreuth führte bei der Eröffnung in die Ausstellung des Geo-Zentrums ein. Und erklärte dabei auch, wie es dazu kam, dass Düsseldorfer Klee-Schüler nun Vis-à-vis mit einem geologischen Bohrturm in der Oberpfalz hängen. "Der Schlüssel liegt bei Caspar Walter Rauh", betonte Assel. Der Zeichner, Grafiker und Maler wuchs im nahe gelegenen Bayreuth auf. Und er war befreundet mit August Preuße, seines Zeichens Meisterschüler bei Paul Klee. Die Verbindung zum Schülerkreis Paul Klees ist also da. Den endgültigen Anstoß zur Ausstellung gaben schließlich Viola Schweinfurter, die Tochter des Klee-Schülers Georg Jakob Best und der Kunstsammler Ralf Seilheimer.

Nun hängen sie im Geo-Zentrum: die Werke der fünf Meisterschüler Paul Klees aus dessen Zeit an der Kunstakademie Düsseldorf, erstmals in einer gemeinsamen Schau vereint. "Die Düsseldorfer Klee-Schüler waren ganz am Anfang ihres künstlerischen Werkes, als es schon wieder zerstört wurde", fuhr Assel bei ihrer Einführungsrede fort. 1931 kam Paul Klee an die Kunstakademie Düsseldorf, 1933 erfolgte bereits die Entlassung. Das Kapitel des Nationalsozialismus und der "entarteten Kunst" wirkt sich auch noch auf die Zusammenstellung der Windischeschenbacher Schau aus. Ein weiterer ehemaliger Schüler, der Paul Klee im Dritten Reich wahrscheinlich denunzierte, wurde in die Ausstellung nicht mit aufgenommen.


Die anderen fünf Meisterschüler sind jeweils mit einer Reihe von Arbeiten vertreten: Zunächst Eugen Batz (1905-1986). Der Maler und Fotograf gilt als wichtiger Vertreter der abstrakten Malerei in der deutschen Nachkriegszeit. Zu seinem eigentlichen Stil fand er durch Paul Klee.

Hubert Berke (1908-1979) traf 1932 als einer der letzten Schüler zu Paul Klee. Der Stil des mehrfach ausgezeichneten Künstlers wandelte sich häufig und weist immer wieder surreale und archaische Tendenzen auf.

Für Georg Jakob Best (1903-2003) war die Begegnung mit Paul Klee von prägender künstlerischer Bedeutung. Nach dem Krieg entfaltete Best eine rege künstlerische Tätigkeit und trug dabei Klees Erbe weiter.

Auch Petra Petitpierre (1905-1959), die eigentlich als Frieda Petra Kessinger geboren war, hinterließ ein umfangreiches Werk, das mittlerweile in zahlreichen internationalen Ausstellungen gezeigt wurde. Bei ihr vollzog sich im Laufe der Zeit eine Hinwendung vom Surrealen zum Konstruktiven.

Und schließlich August Preuße (1908-1942). Bevor der Künstler im Alter von nur 34 Jahren im Zweiten Weltkrieg fiel, galt er als "einer der begabtesten Rheinländer, in dessen Werk die Lehre Paul Klees lebendig wurde".

Bemerkbarer Einfluss

Die Freundschaft Preußes zum aus Bayreuth stammenden Künstlerkollegen Caspar Walter Rauh führte letztendlich zur aktuellen Schau in Windischeschenbach. Und die zeigt deutlich: Der Einfluss Paul Klees ist bei seinen Schülern bemerkbar, sei es durch surreale, konstruktive, formale oder inhaltliche Aspekte.

Für Dr. Frank Holzförster fügt sich die Ausstellung der Klee-Schüler bestens in die Räume des Geo-Zentrums ein. "Das ist gar nicht so weit weg von dem, was die Geologie macht", bemerkte der wissenschaftliche Leiter der staatlich anerkannten Umweltstation. "Wir sind auch ständig am Abstrahieren."

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Die Ausstellung "Wir waren bei Paul Klee" läuft bis zum 16. November im Geo-Zentrum an der KTB, Am Bohrturm 2, in Windischeschenbach. Öffnungszeiten sind bis zum 31. Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr, ab dem 1. November von 10 bis 16 Uhr.
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