Integration statt Ausgrenzung
Flüchtlingshelfer werden nicht müde

Zur zweitägigen Informationstagung zur Asylarbeit trafen sich ehrenamtliche Helfer im Haus Johannisthal. Bild: sbü
Politik
Windischeschenbach
05.08.2016
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Die Prognose der Kanzlerin "Wir schaffen das" wird nur dann zutreffen, wenn die ehrenamtlichen Helfer weiterhin mitmachen. Wie das in der Region gelingt, diskutiert das Weidener Netzwerk Asyl zwei Tage im Haus Johannisthal.

(sbü) Das Netzwerk Asyl und die Katholische Erwachsenenbildung Neustadt-Weiden (KEB) hatten ehrenamtliche Helfer in der Flüchtlingsbetreuung zur Info-Veranstaltung eingeladen. Es bestand Gelegenheit zum Erfahrungs- und Gedankenaustausch über die Arbeit mit den Fremden.

Netzwerk-Koordinator Manfred Weiß und KEB-Bildungsreferent Hans Bräuer begrüßten gemeinsam die vielen Teilnehmer. "Diese Veranstaltung soll auch ein Dankeschön an Sie alle für Ihre wichtige Integrationsarbeit sein", sagte Koordinator Weiß. Er stellte die Frage: "Hält die Euphorie des Helfens auch auf Dauer an?" Weil Nachhaltigkeit in der Integrationsarbeit erforderlich sei, sollte überlegt werden, ob "manches auch in professionelle Hände übergeben werden kann".

Dass die Helfer oft bei ihrer Arbeit Einzelkämpfer sind und mehr Unterstützung bräuchten, zeigten Wortmeldungen von Teilnehmern aus dem Landkreis Neustadt. "Ehrenamtliche müssten stärker organisiert sein, denn wir fühlen uns total alleingelassen", lautete eine Feststellung. Vorgeschlagen wurde deshalb auch ein regelmäßiger Newsletter.

Ja zur Residenzpflicht


Fragen der Teilnehmer war zu entnehmen, dass Helfer für ihre Arbeit auf wichtige Informationen angewiesen sind. "Wer fördert die Fortführung des Sprachkurses auf das B 2-Niveau?" Eine andere Frage lautete: "Wie können Frauen mit Kindern an Sprachkursen teilnehmen?" Mehrfach tauchte auch das Thema "Zusammenführung von Flüchtlingsfamilien sowie Residenzpflicht" auf. "Da sitzt ein traumatisierter 19-jähriger in Pressath, und sein Onkel wohnt im Ruhrgebiet und darf nicht zu ihm", hieß es. Familienzusammenhalt sei bei Flüchtlingen als kultureller Hintergrund oft anders zu sehen als bei Deutschen.

Einige Antworten gab der Bundestagsabgeordnete Uli Grötsch. Er referierte über das neue Integrationsgesetz und über das Asylpaket II. Während er dem Integrationsgesetz im Bundestag seine Zustimmung verweigerte, hält er die ab September in Kraft tretende Residenzpflicht "für eine gute Sache zur Vermeidung von Ghettobildungen". In ländlichen Räumen würde die Integration leichter gelingen, stellte Grötsch fest. Manchmal sollten sich die Ausländerbehörden auch untereinander verständigen, um zu große Härten zu vermeiden.

Ausnahmen von der Residenzpflicht gebe es für auswärtige Arbeitsaufnahmen. Grötsch kritisierte ausdrücklich, dass die bayerische Staatsregierung seit Januar den vom Bund pro Flüchtling bereitgestellten 670-Euro-Betrag nicht an die Kommunen weitergibt. Dies geschehe immer mit Hinweis auf die vielen anderen vom Freistaat für Flüchtlinge erbrachten Leistungen.

Helfer dringend gesucht


Antworten aus wissenschaftlicher Sicht auf viele Fragen der Integration von Flüchtlingen gab Professor Dr. Peter Fischer von der Universität Regensburg. Aus integrationspsychologischen Gründen empfiehlt Fischer "soziale Integration statt sozialer Ausgrenzung". Soziale Integration sei eine "psychologische Herausforderung und keine unbeeinflussbare Bedrohung". Mit der künftigen strategischen Ausrichtung des Netzwerks Asyl befassten sich die Teilnehmer unter der Moderation von Veit Wagner am zweiten Tag. Im Mittelpunkt der Integrationsarbeit soll "das Zusammenbringen von Flüchtlingen mit der Bevölkerung" stehen. Während die Vernetzung der Helfer im Stadtgebiet Weiden gut funktioniere, müsse diese im Landkreis Neustadt verbessert werden. "Wir müssen uns kommunenübergreifend überregional vernetzen", regte Koordinator Weiß an.

Dringend werden auch weitere Helfer im Netzwerk gesucht. "Wir freuen uns, auch wenn jemand nur eine Stunde lang hilft." Zweckmäßig wäre es, weitere Untergruppen für Wohnungssuche und zur Akquisition von Fördergeldern zu bilden. Abgerundet wurde die Veranstaltung mit einen ökumenischen Gottesdienst mit den Pfarrern Markus Schmid und Hans-Peter Paukstadt-Künkler.

Wir müssen uns kommunenübergreifend überregional vernetzen.Netzwerk-Koordinator Manfred Weiß
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