Aerosolnebel ruft Atemschutzträger auf Plan
Sonnenmilch an den Wänden

Einsatz in den Katakomben des Freibads. Atemschutzträger der Feuerwehr Windischeschenbach reinigen nach Saisonende die Wände der unterirdischen Wasserbecken. Wenn der Schaum per Hochdruckreiniger wieder abgespritzt wird, entsteht Aerolsolnebel, der die Lunge schädigen kann. Bild: hfz
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Windischeschenbach
22.10.2016
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Zu viel Sonnenmilch ist ein Fall für die Feuerwehr. Klingt im ersten Augenblick komisch. Bademeister Horst Lindner erklärt, warum sich im Oktober Atemschutzträger im Freibad tummeln.

Badegäste wissen zwar, dass sich irgendwo unter den Umkleidekabinen die Technik befindet, doch kaum jemand ahnt, dass es noch ein Stockwerk tiefer geht. Dort ist ein 282 000 Kubikmeter großer Wasserspeicher, der sich in drei Kammern unterteilt. Eine dient dazu, den Wasserpegel in den Becken auszugleichen.

Wenn an heißen Tagen sehr viele Menschen schwimmen, wird auch viel Wasser verdrängt und das muss irgendwo hin. Die zweite Kammer nimmt das Filter-Rückspülwasser auf, und der dritte Behälter speichert das frische Wasser, das immer wieder eingespeist werden muss. Pro Badegast sind das 30 Liter in Trinkwasserqualität.

Einmal im Jahr muss auch der unterirdische Behälter gereinigt werden. "Das macht man im Herbst, wenn das Bad schon geschlossen hat", erklärt Lindner. Vor allem Sonnencreme in Kombination mit Hautschuppen legt sich an den Wänden an. "Das lässt sich nicht vermeiden", sagt der Freibadchef. "Eltern cremen ihre Kinder ein, bevor sie sie ins Wasser lassen. Auch bei wasserfester Lotion bleibt nicht alles am Körper."

Doch die Wände einfach nur abschrubben, reicht nicht. "Sie müssen sauber sein, sonst bilden sie einen Nährboden für Bakterien." Um dem Fettfilm Herr zu werden, kommt ein Hochdruckreiniger zum Einsatz. Dabei entsteht gefährlicher Aerosolnebel, der die Lunge schädigen und sogar zum Tod führen kann.

"Früher haben wir das selber gemacht, mit einem Tuch vor dem Mund", erinnert sich Lindner. Mittlerweile gibt es Spezialfirmen, die diese Arbeiten für viel Geld erledigen. Doch dann bot sich eine andere Lösung an, aus der alle Beteiligten Nutzen ziehen. Die Atemschutzträger der Feuerwehr Windischeschenbach müssen regelmäßig in voller Montur üben. Gelegenheiten dazu gibt es eher selten.

"Das kam uns gerade recht", sagt Atemschutzwart Sebastian Plödt. Erst vor wenigen Tagen kletterte er zusammen mit Matthias Höning in die Becken. Nun ist alles sauber und das Bad kann endgültig in den Winterschlaf gehen.

Eltern cremen ihre Kinder ein, bevor sie sie ins Wasser lassen. Auch bei wasserfester Lotion bleibt nicht alles am Körper.Bademeister Horst Lindner
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