Altersdemenz Thema bei der Seniorengemeinschaft St. Emmeram
Sehnsucht nach Geborgenheit

"Fühlen Sie sich in die Welt des Kranken ein, sprechen Sie ruhig und freundlich mit ihm und akzeptieren Sie seine Defizite", riet Sozialpädagogin Sonja Dobmeier Angehörigen von Demenzkranken. Bild: wrt

Bewegung, soziale Kontakte und geistige Aktivität sind die besten Möglichkeiten, Demenz vorzubeugen. Wenn ein Familienmitglied erkrankt ist, sollten Angehörige einige Tipps berücksichtigen.

Sozialpädagogin Sonja Dobmeier von der Caritas-Beratungsstelle beschäftigte sich auf Einladung der Seniorengemeinschaft St. Emmeram mit dem Thema. Sie ist Fachberaterin im Gerontopsychiatrischen Dienst Weiden-Neustadt-Tirschenreuth und informierte über Altersdemenz. Sie erklärte, dass es sich um eine hirnorganische Erkrankung handelt, die häufig im Alter auftritt, noch nicht heilbar, jedoch behandelbar ist. "Derzeit gibt es 1,2 Millionen Betroffene. Laut Prognose wird sich diese Zahl bis 2050 verdoppeln." Als Ursachen werden beispielsweise Durchblutungsstörungen, erbliche Vorbelastung oder Giftstoffe vermutet. Der Verlauf sei schrittweise, oft werden Demenzmerkmale in persönlichen Krisenzeiten, etwa beim Tod des Partners oder bei einem Krankenhausaufenthalt, akut.

Verlauf verzögern


Die Referentin schilderte die verschiedenen Formen der Krankheit: Bei der primären Demenz beginnt der Prozess im Gehirn, es ist keine Rückbildung möglich. Die sekundäre Demenz ist Folge einer Krankheit und bietet Chancen auf Besserung. Dobmeier nannte zudem das Korsakow-Syndrom, eine spezielle Form der Amnesie. In ihrer Präsentation stellte die Fachfrau Demenz und die anfangs ähnlich scheinende Depression gegenüber und grenzte deren Symptome und Auswirkungen voneinander ab.

Die Diagnose Demenz sei möglich durch Anamnese, neuropsychologische Testverfahren, medizinische und Laboruntersuchungen. "Die Krankheit ist nicht heilbar, aber eine Therapie in gewissem Maße möglich." Medikamente könnten den Verlauf verzögern und Symptome dämpfen. "Die Bedürfnisse der Betroffenen sind, sich geborgen, geliebt und sicher zu fühlen. Sie möchten verstehen und sehnen sich nach Schönem", schilderte die Fachfrau.

Im Umgang mit den Kranken sind ein strukturierter Tagesablauf, Kontinuität und wiederkehrende Rituale, Vermeidung von Unruhe und Reizüberflutung wichtig, erklärte Dobmeier. Den Angehörigen riet die Referentin, zu versuchen, sich in die Welt des Kranken einzufühlen, ruhig und freundlich mit ihm zu sprechen und seine Defizite zu akzeptieren. Körperkontakt, Spiele, Bewegung im Rahmen der Möglichkeiten, Singen, Vorlesen und das Betrachten alter Bilder könnte den Menschen helfen.

Kostenfreie Beratung


Vorbeugend gegen Demenz solle man auf jeden Fall auf seine Ernährung achten, sich ausreichend bewegen, geistig und sozial aktiv sein; "Einsamkeit ist so schädlich wie Rauchen", führte Dobmeier aus. Die Sozialpädagogin stellte den Zuhörern die Beratungsstelle vor, die kostenfrei und vertraulich bei einem vereinbarten Termin oder der offenen Sprechstunde in Anspruch genommen werden kann.

Erinnerung verblasstSonja Dobmeier zeigte die Symptome der leichten bis schweren Demenzphasen anhand von Beispielen auf. So treten leichte Erinnerungsstörungen auf, die Entscheidungsfähigkeit ist eingeschränkt, und der Betroffene hat Stimmungsschwankungen.

Die Fahrtauglichkeit ist eingeschränkt, zunehmend können Alltagsaufgaben nicht mehr bewältigt werden, die Sprache ist gestört und die Erinnerung verblasst. Bei der schweren Erscheinungsform werden Angehörige nicht mehr erkannt, der Mensch lebt in der Vergangenheit. Unruhe, Aggressivität und Inkontinenz treten auf. Bei fortgeschrittener Demenz ist der Kranke bettlägerig, pflegebedürftig und baut geistig massiv ab. (wrt)
Einsamkeit ist so schädlich wie Rauchen.Sonja Dobmeier
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