Anni Loistl bewirtschaftet zwei Zoiglstuben
Zoigl für Bohrer aller Art

Seit die Geologen an der KTB nicht mehr in die Tiefe bohren, ist es ruhiger in der Zoiglstube von Anni Loistl. Beibehalten hat sie die Öffnungszeiten unter der Woche und das warme Essen am Mittwoch. Bilder: Ibl (2)
Vermischtes
Windischeschenbach
12.08.2016
248
0
 

Anni Loistl erzählt von den fünf "Schwanerer"-Moidln, vom Jodeln, den Bohrern und den Rußspuren vom großen Stadtbrand in ihrem Haus. Die gebürtige Windischeschenbacherin ist Wirtin gleich zweier Zoiglstuben.

Ihre Wurzeln reichen auf verschlungenen Pfaden zur Familie Sperber, die früher die Metzgerei und Zoiglstube Fiedlschneider betrieb. Dort stammt Annis Großvater heraus. Die Mutter ist eine geborene Würth, deren Verwandtschaft die gleichnamige Brauerei gehört. Fünf Mädels hatte einer der Wirte im Gasthaus "Weißer Schwan" im 19. Jahrhundert. Alle verheiratete er in der Stadt, doch nicht alle blieben da. Eine wanderte sogar nach Amerika aus. Wer deren Bande zu Anni Loistl erfahren will, sollte sich das am besten von der geschichtsinteressierten Wirtin selbst erzählen lassen.

Schon im ersten noch gemeinsamen Zoiglkalender der Windischeschenbacher und Neuhauser Stuben von 1994 ist sie namentlich aufgeführt. Ihre Stube bestand damals seit acht Jahren. Während bei den anderen Schänken Wurstkipfl, Geselchtes oder selbst gebrannter Schnaps als Spezialiäten aufgeführt waren, stand beim "Loistl" in dieser Rubrik "Wirtin Anni".

Zehn Jahre zuvor lebte die gelernte Steuergehilfin in Franken. Ehemann Rudolf, ebenfalls ein gebürtiger Windischeschenbacher, arbeitete beim Finanzamt Nürnberg als Versteigerer. "Jetzt müssen wir umziehen", sagte sich das Paar, als es das lange leerstehende und heruntergekommene Anwesen Neustädter Straße 8 an der Ecke zur Dammstraße gekauft hatte.

"Macht einen Zoigl auf, damit nicht alles verloren geht", hörten die Eheleute damals von Alfons Würth, dem die Wolframstuben gehörten. In Windischeschenbach habe man das Bierbrauen nicht erfunden. "Wir waren nur stur, so dass es immer noch den Zoigl gibt." Doch in den 80ern sah es für die Tradition düster aus.

"Wenn nicht Junge nachkommen, stirbt der Zoigl aus", sagten andere von denen, die in der Stadt ausschenkten. Dem Ruf folgten Anni und Rudi, indem sie den ehemaligen Kälberstall mit Bar und Tischen zur Wirtschaft ausbauten. Dabei fanden sie unter der alten Schreinerei schwarze Mauern, deren Farbe vermutlich auf den großen Stadtbrand von 1846 zurückgeht.

22 Nationen versammelt


Die Blütezeit der Loistl-Stube war während der Arbeiten an der Kontinentalen Tiefbohrung (KTB) vom Ende der 80er bis in die späten 90er Jahre. "Einmal waren 22 Nationen da", erinnert sich Anni, die, anders als die übrigen Zoiglwirte, unter der Woche um 17 Uhr aufsperrt.

"Es war so laut an diesem Abend, das war unglaublich." Um 3 Uhr in der Nacht griff eine Südtirolerin einem Mexikaner an die Gurgel. Der ließ das mit sich geschehen. Die 80-Jährige wollte dem Mittelamerikaner schließlich nichts Böses, sondern ihm Jodeln beibringen.

Die Wirtin hat viele Anekdoten aus dieser Zeit auf Lager. Auch die von den vier Amerikanern, die mit einem Schild um den Hals hereinkamen. "Annis Pub" stand darauf. Sie arbeiteten an der KTB, hatten sich aber in Leipzig einquartiert. Nach deren Empfinden sei das nicht weit weg gewesen, lacht Loistl noch heute.

Die meisten Gäste habe man gekannt. "Bist ein Bohrer?", fragte sie einen, den sie noch nicht gesehen hatte. "Ja", antwortete der Besucher. Bei der nächsten Frage "wie weit bist du drin?", schaute er verdutzt. Mit der KTB hatte er nichts am Hut. Er war als neuer Zahnarzt in die Stadt an der Waldnaab gekommen.

Dependance in Altenstadt


Neben dem Windischeschenbacher Wirtshaus bewirtschaftet Anni Loistl seit Silvester 2005 den Alten Pfarrhof in Altenstadt an jedem ersten Wochenende im Monat. Dabei helfen der Mutter vor allem Tochter Christine (32), die mit Nico in München lebt. Aber auch die beiden anderen Kinder Martin (38) und Ann-Kathrin (22) kommen, wenn es der Beruf zulässt. "Mein Mann hat ein altes Haus gesucht", erinnert sich Anni. "Der Pfarrhof mit dem barocken Dachstuhl von 1733 hat uns schon lange gefallen und sich von den Räumlichkeiten zum Bewirtschaften angeboten."

Als die Familie Loistl vor 30 Jahren in Windischeschenbach mit dem Zoigl begann, waren sie die jungen Wirte "Jetzt sind wir die Alten. Das ist der Lauf der Zeit." Um die Zukunft des Zoigls ist es der 62-Jährigen nicht bange. "Es wird schöne Madeln geben, auch wenn wir nimmer leben. Der Durst und der Hunger werden immer gleich sein. Und beim Zoigl wirst du die gleichen Leute treffen."

Schaumkrone"Wir waren die ersten, die Schaum auf dem Zoigl hatten", erinnert sich Anni Loistl. Das gab Anlass zu Spekulationen. "Einige haben uns boykottiert, weil sie dachten, dass wir Brauereibier hätten."

Heute sei es ebenso unvorstellbar, dass der Zoigl ohne Schaum serviert wird, wie dass der Zoigl wieder eine reine Männersache sei. "Als ich jung war, ist keine Frau zum Zoigl gegangen." Der Vater habe Anni überall mitgenommen, aber nicht zum Zoigl. "Das ist eine Männerbastion. Es hat sich erst geändert, als die Männer einen Chauffeur gebraucht haben", lacht die Wirtin. (ui)


Um 3 Uhr in der Nacht ging eine 80-jährige Südtirolerin einem Mexikaner an die Gurgel.Anni Loistl
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.