Beim "Binner" vertreibt Irene Sperber in Windeseile den Hunger der Gäste
„Wir leben im Zoiglrhythmus“

Miriam Würth (links), die Braut von Johannes Sperber, hilft der zukünftigen Schwiegermutter Irene Sperber (rechts) schon seit Jahren in der Küche der Zoiglstube "Binner". Bild: ui
Vermischtes
Windischeschenbach
28.05.2016
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Die Kapazität der Küche begrenzt die Zahl der Plätze für die Gäste. So sieht das "Binner"-Wirtin Irene Sperber. Sie muss es wissen. Sie ist vom Fach.

Das Elternhaus steht nicht einmal eine Straße weiter. "Aber geboren bin ich vor 45 Jahren in Erbendorf im Krankenhaus." Ihren Ehemann Robert Sperber lernte Irene während der Ausbildung zur Hotelfachfrau im "Weißen Schwan" kennen. "Er war ein Freund vom Wirt und hat öfters am Küchentisch gesessen", erinnert sie sich. 1990 heirateten die beiden und halfen Schwiegermutter Margarete, bis das Paar die seit Urzeiten bestehende Zoiglstube 1993 übernahm. Roberts Vater war bereits 1986 gestorben.

Die Stube in dem Haus aus den 70er Jahren war damals noch viel kleiner. Als die Schwiegermutter 2007 gestorben war, verwandelten sich deren Küche und Wohnzimmer dauerhaft in Gästezimmer. Überdachte Terrasse und Garage bieten weitere Plätze: Der Weg dorthin führt quasi durch die Küche.

"Ich finde es nicht schlecht, mitzukriegen, wer da ist." Das Gefühl, dass die Gäste die offene Küche mögen und sehen, was dort los ist, trügt Irene nicht. Sie selbst kommt selten in die Schankstuben. Manchmal frage jemand per Telefon, ob ein Bekannter beim Zoigl sitze. "Dann gehe ich und schaue nach." Außerdem hört die Wirtin Gespräche, die sie aus dem Gang eher beiläufig mitbekommt. "Wenn einer sagt, 'ist das hier schön dekoriert', freue ich mich schon."

Bei jedem Zoigl gebe es irgendeinen Gag, schmunzelt Sperber und erzählt von dem 96-jährigen Gast, dem ihr Mann in den Mantel helfen wollte. "Geh weg, das kannst du bei den Jungen machen", bekam Robert statt eines Dankes entgegengebläfft.

"Beim Besuch eines Fernsehteams vom Bayerischen Rundfunk brannte die Gulaschsuppe so sehr an, dass nichts mehr zu retten war", erinnert sich die Köchin mit einem Lachen an das Missgeschick. "Da sitzt das Team da, und du redest und redest ..." Die ehemalige Büttner-Werkstatt, in der früher die Zoiglbrauer ihre Fässer herrichten ließen, fristete ihr Dasein eine Zeit lang als Abstellkammer, bis die Familie Sperber sie zur zweiten Küche umbaute. Wenn er nicht gerade auf Montage ist, bedient hier der 24-jährige Sohn Florian die Spülmaschinen. "Er ist sehr ordentlich", lobt die Mutter. Der zwei Jahre ältere Johannes hat als gelernter Koch mit dazu beigetragen, dass bei jedem Zoigl ein besonderes Gericht auf der Karte steht, eines, dass es nicht überall gibt.

Erwartungen steigen


Das kann im Herbst Kürbissuppe oder Schwammerlbrühe sein oder Sauerkrautsuppe mit gerösteter Blutwurst. "Manche sind aufwendiger wie bayerische Tapas mit Sauerkrautstrudel und Bierweckerl." Früher habe es lediglich Sulz, vier Radeln Wurst und Obatztn ohne Dekoration gegeben. "Heute erwarten die Leute etwas mehr."

Irene hat sich lange gesträubt, Kuchen auf die Karte zu nehmen. "Ich habe versucht, mich zu weigern", lacht sie. "Ich dachte, ich schaffe das nicht auch noch." Mittlerweile backen die Schwägerin und deren Nachbarinnen.

Neben den Söhnen arbeiten deren Freundinnen Christina Braunschmid und Miriam Würth mit. Alle Helfer sind verwandt oder befreundet. "Ich denke, dass wir ein lustiges Arbeitsklima haben." Neben dem Bier ist auch fast alles, was aus der Küche kommt, selbst gemacht. Beim Schnippeln und anderen Vorbereitungsarbeiten in der Küche ist Wirt Robert auch mit dabei und zerkleinert beispielsweise den Speck fürs Griebenschmalz im Fleischwolf. Wenn dann die Gäste kommen, kümmert er sich um den Service.

Gemeinsam bewältigen Irene und Robert die Büroarbeit. "Im Büro hast du eine Mappe mit Blättern und musst halt anfangen. Das praktische Arbeiten ist mir lieber", bekennt Irene eindeutig, dass ihr die Küche mehr Spaß macht. Neben dem Zoigl hat sie keinen weiteren Job mehr. "Wir leben im Zoiglrythmus." Zwei Wochen im Monat gebe es etwas mehr Zeit. "Dazwischen aber geht gar nichts. Du hast vier bis sechs Stunden Schlaf, bis alles verräumt ist, dauert es zwei Tage. Dann freust du dich auf eine Pause." Von Fensterputzen bis Vorhängewaschen bleibt der normale Haushalt während der Zoigltage samt deren Vor- und Nachbereitung weitgehend liegen. "Am Abend merkt man schon manchmal 'Oh Gott, das hast du vor 20 Jahren noch nicht gespürt'."

Wünsche erfüllt


Zum Vergnügen geht Irene Sperber im Sommer Walken und zum Schwimmen. "Wir haben ein tolles Freibad", wirbt sie für die Einrichtung. Sie liest, strickt und bastelt gerne für den Christkindlmarkt. "Wir haben frei, wenn andere arbeiten." So stehen auch Ausflüge in eine Therme auf dem Freizeitprogramm. Im vergangenen Jahr haben die Wirtsleute zur Silberhochzeit mit einer Kreuzfahrt ins östliche Mittelmeer ihre Hochzeitsreise nachgeholt. "Ich glaube, wir haben uns schon viele Wünsche erfüllt. Wir haben renoviert und sind eigentlich wunschlos glücklich. Ich hoffe, dass wir gesundheitlich durchhalten. "

Du hast vier bis sechs Stunden Schlaf, bis alles verräumt ist, dauert es zwei Tage. Dann freust du dich auf eine Pause."Binner"-Wirtin Irene Sperber
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