Chefarzt Dr. Michael Angerer spricht vor Kolpingsfamilie über das Thema Schlaganfall
Zeit ist Hirn

Auch als Laie versteht man, was Chefarzt Dr. Michael Angerer vom Klinikum Weiden zum Thema Schlaganfall zu sagen hat. Bild: wrt

Treffen kann es jeden - das Risiko steigt zwar mit dem Alter, aber auch junge Menschen können durchaus einen Schlaganfall erleiden. Wie wichtig es ist, bei Symptomen sofort zu handeln, versuchte Chefarzt Dr. Michael Angerer vom Klinikum Weiden seinen Zuhörern beim Info-Abend der Kolpingsfamilie nahezulegen.

"Time is brain" - übersetzt "Zeit ist Hirn": Je schneller ein Schlaganfall behandelt wird, desto geringer ist die Gefahr bleibender gesundheitlicher Schäden. In Anbetracht dessen, dass pro Minute etwa 12 Kilometer Nervenfasern kaputt gehen, wird klar, dass eine zeitnahe Behandlung erfolgen muss.

Wichtige Anzeichen


Der Mediziner erklärte auch für Laien verständlich, wie es zum Schlaganfall kommen kann: in 85 Prozent der Fälle handelt es sich um Durchblutungsstörungen, bei 15 Prozent sind Blutungen in das Gehirn der Grund. Angerer ging auf die Symptome ein, so können Anzeichen für einen Schlaganfall die plötzliche Lähmung einer Körperseite, Sprachstörungen, Bewusstlosigkeit, Schwindel und Erbrechen, starke Kopfschmerzen, Sehstörungen wie Doppelsehen oder Gangunsicherheit sein. Er appellierte dringend, bei solchen Verdachtsmomenten sofort zu handeln.

Er stellte auch einen Schnelltest, den sogenannten FAST-Test vor. Zum einen bedeutet "FAST" schnell, und auch die Buchstaben an sich stehen für bestimmte Begriffe: F für Face (Gesicht), A für arms (Arme), S für speech (Sprache) und T für time (Zeit). Verzieht sich beispielsweise das Gesicht beim Versuch zu lächeln, gehorchen die beiden Arme nicht, ist die Sprache undeutlich, dann zählt die Zeit, und der Patient muss unverzüglich in die Klinik.

Der Spezialist ging auf die Akutbehandlung des Schlaganfalls im Klinikum Weiden ein, wo die Aufnahme in die sogenannte "Stroke Unit" erfolgt. An den Behandlungsplätzen dort ist eine intensive Diagnostik und Überwachung möglich. Kann die Behandlung innerhalb von weniger als viereinhalb Stunden erfolgen, verspricht in manchen Fällen die Lyse-Therapie Erfolg, mit der man versucht, das Gerinnsel medikamentös aufzulösen. Die Notwendigkeit, umgehend zu reagieren und keine Minute zu zögern, komme auch im Fachbegriff "goldenen Stunde" zum Ausdruck. Nach der "Stroke Unit", auf der die Verweildauer durchschnittliche vier bis fünf Tage beträgt, werden die Risikofaktoren behandelt, der Betroffenen erfährt sozialmedizinische Betreuung, kommt in Reha.

Rauchen erhöht Risiko


Anhand von Statistiken informierte Dr. Angerer, dass Raucher ein höheres Risiko haben, ebenso Personen mit Diabetes. Ein vielfaches Risiko entsteht durch Bluthochdruck, so dass dieser in jedem Fall behandelt werden muss. Auch zahlreiche weitere Fakten können vorbelastend sein. Jeder könne versuchen, die Wahrscheinlichkeit eines Schlaganfalls zu vermindern durch Kontrolle des Bluthochdrucks, ausreichend körperliche Bewegung, Reduzierung des Übergewichts, vernünftige Lebensweise und wenig Alkohol.

Die Versorgung und Behandlung in Stroke Units wie Weiden sei hervorragend. So stehen dort pro Bett zwei Pflegekräfte zur Verfügung. Am Ende des Vortrags stand der Chefarzt für zahlreiche interessierte Fragen zur Verfügung.

Waltraud Scherer, Vorsitzende der Kolpingsfamilie, bedankte sich mit einer Spende für die Aktion "Ein Pflaster für die Kinderklinik".
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