Dr. Susanne Kreutzer spriht über Palliativstation
Eine Kerze zum Andenken

Dr. Susanne Kreutzer referierte bei der Seniorengemeinschaft St. Emmeram über die Palliativstation in Neustadt. Bild: wrt

In der Palliativstation in Neustadt gibt es zehn Betten in Einzelzimmern. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer beträgt 8,2 Tage. Aufgenommen werden Patienten mit schweren lebensbedrohlichen Erkrankungen.

Die Leiterin der Seniorengemeinschaft, Franziska Michl, hatte die Expertin auf dem Gebiet der Palliativmedizin, Dr. Susanne Kreutzer, zu Besuch im Pfarrheim. Die Ärztin forderte ihre Zuhörer auf, all das zu fragen, was sie wissen wollen und gab allgemeine Infos zur Palliativstation Neustadt und Palliativ-Einrichtungen im Allgemeinen.

Kurzfristiger Aufenthalt


"Wir lindern die Beschwerden der Patienten und lassen den natürlichen Krankheitsverlauf zu." Dr. Kreuzer betonte, dass es in der Einrichtung keinerlei Unterschiede gibt. Jeder erfährt die gleiche Behandlung. Die Hälfte bis ein Drittel der Menschen werde beschwerdearm aus der Palliativstation entlassen. Die Palliativstation ist nicht für eine längerfristige Pflege vorgesehen, für dauerhafte Aufenthalte sind Hospize gedacht. Ein solches wird es nach dem Umzug der Palliativstation nach Weiden in den bisherigen Räumlichkeiten ab 2019 auf dem Felix geben. Natürlich versterben auch viele Patienten auf der Station, aber - wie Dr. Kreutzer meint: "Ein gutes Ende macht das Leben erst rund."

Alleine sterben muss niemand. Seelsorger und Hospizhelfer der Malteser kümmern sich um die Kranken. Wie wird das Personal mit der Situation fertig, wie verarbeitet man den Alltag auf der Station? Dr. Kreutzer erklärte, dass der Großteil der Beschäftigten in Teilzeit arbeitet und so von der Familie aufgefangen wird. Regelmäßige Supervisionen geben psychologische Hilfestellung.

Große Bedeutung misst die Ärztin aber auch dem Team selber zu: "Die Kollegen stabilisieren sich selber." Und auch der morgendliche Witz trägt zu einem offenen und guten Klima bei. Bestimmte Rituale tragen weiterhin zur "Hygiene der eigenen Seele" bei, wie die Ärztin es nennt. "Der Tod darf nicht zur Fließbandarbeit werden." Und so gibt es beispielsweise die "24-Stunden-Regel" - das Zimmer wird nach dem Tod eines Patienten für bestimmte Zeit nicht belegt, und es brennt dort für den Verstorbenen eine Kerze. Auf einer Palliativstation gibt es einerseits wenig abrechenbare Leistungen, andererseits hohe Personalkosten; so sei man auf Spenden angewiesen.

Humor nicht verlieren


Wie die Ärztin auf ihre Aufgabe gekommen ist? Als Anästhesistin und Intensivmedizinerin habe sie die Entwicklung der Palliativ- und Hospiz-Bewegung in den 80er Jahren miterlebt und hatte - in der Familie des Vaters gab es 11 Geschwister - viel Kontakt mit älteren Menschen. Ob die Arbeit ihre Einstellung zum Tod oder dem Umgang mit der eigenen Sterblichkeit verändert hat? "Eigentlich nicht", meinte die Medizinerin. "Man kann sterben nicht üben, egal wie oft man das Sterben Anderer begleitet hat."

Dr. Kreutzer vermittelt trotz der schweren Aufgabe eine positive lebensfrohe Lebenseinstellung und brachte Informationen teils recht humorvoll an ihre Zuhörer.
1 Kommentar
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Evelin Lehnert aus Brand | 18.07.2016 | 19:06  
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