Erika Rosenberg über das Ehepaar Schindler
Starke Frau in Schindlers Schatten

Noch bis 11. Oktober ist die Ausstellung zu besuchen.
 
Auch die Ausstellung "... ich werde meine Juden auf jeden Fall retten" fand Anklang.
 
Jung und alt saßen im Publikum und lauschten der Heldengeschichte über Oskar und Emilie Schindler.

Emilie Schindler liebte ihren Mann Oskar abgöttisch. Er liebte das Leben. Gemeinsam rettete das Ehepaar 1200 Juden vor dem sicheren Tod. Biografin Professor Erika Rosenberg erzählt vom Leben und Wirken der Schindlers und ihrer Freundschaft zu „Millie“.

Windischeschenbach. (szl) Die Biografin und Nachlassverwalterin der Schindlers schildert in der Windischeschenbacher Grund- und Mittelschule eine Heldengeschichte voller Zivilcourage. „Eigentlich ist es auch eine Liebesgeschichte“, sagt Rosenberg. So unterschiedlich Oskar und Emilie Schindler zu Lebzeiten waren, gemeinsam haben retteten sie 1200 Juden vor dem Tod.
Die Biografin wird 1951 in Buenos Aires als Tochter deutscher Juden geboren. Ihre Eltern, Jurist und Ärztin, flüchten 1936 vor dem Holocaust. 1990 lernt Rosenberg Emilie Schindler in Argentinien kennen. „Ich hatte keine Ahnung was mich erwartet, als ich Emilie kennenlernte“, sagt die heute 65-Jährige. Die Autorin wollte eigentlich ein Buch über die Einwanderer Argentiniens schreiben: „Ich traf diese Frau, vergessen von der Geschichte und vergessen den Menschen, die sie rettete. Sie öffnete mir ihr Herz“, erklärt Rosenberg. Eine feste Freundschaft entstand. „Ich verstehe mich als Sprachrohr dieser Geschichte“, erklärt die Schindler-Erbin. So eröffnet sie ihren Vortrag „Gegen das Vergessen der unbesungenen Helden Oskar und Emilie Schindler“.

Schüler, Eltern, Lehrer und Senioren sitzen im Publikum. Die Referentin spricht von ihrer Freundin „Millie“. Zwischen den einfühlsamen Erzählungen ließt die Expertin Buch-Passagen vor. Sie zeiht die Zuhörer in den Bann: Die Heldin Emilie Schindler als Mensch. „Fotos hat sie wie Schätze aufbewahrt: Bilder von Oskar, seinen Eltern und Geschwistern, vor seinem Lieblingsauto in Zwickau.“
Trotz Seitensprünge und Trinkgelage stand „Millie“ immer hinter ihrem Ehemann. 1935 erhielt Oskar eine Beschäftigung beim „Geheimdienst“. „Perfekte für ihn“, kommentiert Rosenberg, „die Mischung aus Macht und Gefahr reizte Oskar.“ Später übernahm das Ehepaar eine Emailwarenfabrik in Krakau. Die Grundsteinlegung für die Rettungsaktion.

„Was wäre passiert, wenn man sie erwischt hätte?“ Nur weil Oskar Mitglied der NSDAP war, und SS-Aufseher für sich einnehmen konnte, ging die Sache glimpflich aus. Trotzdem war der Fabrikbesitzer vier Mal inhaftiert. „Die Nazis waren allesamt korrupt. Oskar zahlte Amon Goeth, den KZ-Aufseher in Plaszow mit Schmuck, Geld, Gemälden, Wodka.“ Die Schindlers haben alles aufgebracht um den Menschen zu helfen. Zu Kriegsende gab das Ehepaar 2,64 Millionen Reichsmark – umgerechnet 26 Millionen Euro – für die Rettung der Juden aus.

Vergessene Helden

Als es bereits 1942 zu Deportationen kommt, beginnt Schindler in zwei weiteren Rüstungsfabriken jüdische Mitarbeiter zu kasernieren. Eine geniale Idee, mit der er und seine Frau Leben retteten. „Meine Freundschaft zu jüdischen Mitschülern, die Abneigung gegen die SS und nicht zuletzt das Verbotene zwingen mich zu dieser Hilfe“ liest Rosenberg aus den Memorien Schindlers über die Motive der Rettung.

Nach Kriegsende flüchtete das Ehepaar nach Regensburg, konnte aber nicht fußfassen. 1951 wanderten beide nach Argentinien aus. Oskar zog es 1957 zurück nach Deutschland, um Ausgleichszahlungen zu fordern, was ihm nicht gelang. Emilie blieb in Argentinien. Ihr Mann hinterließ viele Schulden. Bis zu Oskars Tod 1974 lebte das kinderlose Paar getrennt. Nur durch Zufall erfuhr „Millie“ vom Tod ihres Mannes in einer argentinischen Zeitung.
Vor 26 Jahren rückte die Autorin rückt mit ihren Biografien und Büchern die Geschichte der Schindlers wieder in die Öffentlichkeit. Rosenberg hält Vorträge über die Schindlers in Berlin, Madrid oder Moskau.

Besonderen Diskussionsbedarf hat das Publikum über den sprunghaften Oskar und seine Motive über die Rettung. Rosenberg schließt mit einer einfachen Erklärung: „Ich frage mich nicht, warum er die Menschen gerettet hat. Er hat es getan. Als Jüdin reicht mir das.“

Der Film „Schindlers Liste“

Schon 1951 und 1963, zu Oskar Schindlers Lebzeiten, sollte die Rettungsaktion des Ehepaares verfilmt werden. „MGM“ zeigte Interesse am Drehbuch mit Romy Schneider und Richard Burton in der Hauptrolle. „Doch: Wer möchte nach dem Krieg einen Film über einen guten Deutschen sehen?“, kommentiert Schindler-Biografin Erika Rosenberg. Nach zwei Anläufen dreht Steven Spielberg 1993 den Hollywood-Streifen „Schindlers Liste“.
Zu den letzten Drehtagen erhielt Emilie Schindler eine Einladung zum Set: „Emilie war böse und empört. Man lud sie und Oskar, obwohl er schon tot war, zu den Dreharbeiten ein. In der Einladung bezeichnete man sie als Opfer, als Gerettete. Obwohl sie die Heldin ist“, berichtet Rosenberg. Dennoch flog „Millie“ mit ihrer Freundin nach Israel. Beim Galadinner saßen sie in der letzten Tischreihe. Die Filmemacher beachteten die Retterin nicht.

Später am Abend, als Emilie schon aufstehen und gehen wollte, als neben den Filmemachern auch gerettete jüdische Zwangsarbeiter auf der Bühne gesprochen hatten, erkannte ein Mann die damalige "Frau Direktorin".
"Sie sind Frau Schindler", sprach der Gast, dem Schindler vor Jahrzehnten das Leben rettete, die alte Dame an. Es sprach sich rum, von Tischreihe zu Tischreihe, wer ebenfalls zu Gast beim Dinner ist. Viele weitere kamen und bedankten sich bei Emilie. Nur Spielberg beachtete sie nicht, "er beobachtete die Leute um Frau Schindler mit 10 Meter Abstand. Er lächelte und wandte sich ab - ohne etwas zu sagen, ohne sich zu korrigieren", berichtet Rosenberg ettäuscht. „Spielberg sah eine ganz andere Realität. Im Film sind die jüdischen Geretteten die Helden. Mit der wahren Geschichte von Oskar und Emilie hat das wenig zu tun.“

Die Ausstellung

„Ich werde meine Juden in jedem Fall verteidigen“ ist der Titel der Ausstellung. 30 Plakate erklären, wie es dem Ehepaar gelang, während der Nazi-Diktatur 1200 Juden vor dem Tod zu retten. Die Ausstellung informiert über die Jugend der Schindlers, ihre Versuche nach Kriegsende in Deutschland und Argentinien wieder Fuß zu fassen und die Jahre bis zur späten Anerkennung ihrer Lebensleistungen. (szl)
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