Erika Rosenberger spricht über Emilie Schindler
Vergangenheit nicht vergessen

Oskar Schindler war im Zweiten Weltkrieg ein Held - genauso wie seine Frau Emilie. Daran erinnert Erika Rosenberger, die die Lebensgeschichte der Frau niedergeschrieben hat. Bild: Götz

Er war ein Unternehmer, Frauenheld und Retter: Über 1200 Juden bewahrte Oskar Schindler im Zweiten Weltkrieg vor dem Tod. Von seinem Glanz bekam seine Frau Emilie kaum etwas ab. Zu Unrecht.

"Sie ist eine unbesungene Heldin geblieben, während Oskar später das Bundesverdienstkreuz bekam", erzählt Erika Rosenberger den Neunt- und Zehnklässlern der Mittelschule. Mit ihrem Vortrag will sie am Donnerstag gegen das Vergessen der letzten Zeitzeugen ankämpfen.

Wohl kaum jemand konnte so tief in Emilies Leben blicken wie die gebürtige Argentinierin. 1990 lernten sich die Frauen kennen, es folgten lange Gespräche und Erfahrungsberichte. Schließlich ermutigte Rosenberger, das Leben der Frau festzuhalten. "Das war die Geschichte einer starken Frau, die erzählt werden musste." 1997 stellte sie das Lebenswerk "In Schindlers Schatten" fertig. Unter den Titeln "Ich, Emilie Schindler" sowie "Ich, Oskar Schindler" veröffentlichte sie die überarbeiteten Biografien der Schindler-Witwe. Im Oktober 2012 erschien schließlich das Werk "Schindlers Helfer".

Darin befasst sich Rosenberger mit den über 32 Helfern, die das Schindler-Paar zwischen 1939 und 1945 unterstützten. Als Oskar eine Emailwarenfabrik in Krakau kaufte, ahnte noch niemand, dass sie später ein Zufluchtsort für Juden wird. Die Firma wuchs, der Umsatz stieg - und mit ihm die Zahl der Zwangsarbeiter. "Die lag bei etwa 4600, die 1200 Juden mit eingeschlossen", erzählt Rosenberger den Schülern.

Macht und Geld


Bald habe das Unternehmen wie eine kleine Stadt funktioniert. Die Eheleute kauften schließlich noch eine Kistenfabrik und eine Glashütte an. Das erhöhte nicht nur die Produktion, sondern bot auch Platz für ein Arbeiterwohnlager. Für die Menschen sei es mehr als nur ihr Arbeitsplatz gewesen: Es war ihre Rettung. Dafür die haben die Schindlers nicht nur ihr eigenes Leben riskiert. Etwa 2,6 Millionen Reichsmark hat das Paar in die bankrotte Fabrik gesteckt. Oder eher Emilie. "Oskar kam aus ärmlichen Verhältnissen, seine Frau dagegen stammte aus einer besser betuchten Familie", weiß die Biografin.

Dass er kaum Geld hatte, macht Oskar dafür aber mit Beziehungen zur Wehrmacht und einer wichtigen Genehmigung wieder wett. "Wegen der durften beispielsweise die Schutzstaffel und Geheime Staatspolizei die Fabrik nicht betreten." Hätte es die nicht gegeben, hätte für die jüdischen Arbeiter der Weg direkt ins Konzentrationslager geführt.

"Oskar hatte aber noch etwas anderes auf Lager", verrät Rosenberger. Er fälschte die Berufe und Namen der Zwangsarbeiter, um sie in seiner Fabrik behalten zu können. "Kinder unter 14 und Erwachsene über 50 Jahren durften damals nicht arbeiten." In Steven Spielbergs Film "Schindlers Liste" wird Oskar als Judenretter hervorgehoben. Doch seine Frau war genauso mutig: Im Winter 1945 nahm Emilie, ohne Oskar, 120 halb verhungerte und erfrorene Juden auf. "Sie konnte Männer und Frauen nicht unterscheiden, so abgemagert und kahlrasiert waren sie", erinnert sich Rosenberger für ihre Freundin.

Realität anders


Für die Biografin war die Zeit mit Emilie etwas besonderes. "Sie war katholisch, ich bin jüdisch. Und wir sind den wunderbaren Weg der Versöhnung gegangen", lächelt Rosenberger. Zum Lächeln bringt sie auch das, was die Jugendlichen aus dem Vortrag mitgenommen haben. Denn sie sind sich einig: "Emilie hat mehr geleistet, als der Film zeigt."
Wir sind den wunderbaren Weg der Versöhnung gegangen.Biografin Erika Rosenberger
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