Gabi Fütterer bewirtschaftet den Schafferhof mit fränkischen Gastarbeitern
Mit der Brotkiste übern Hof

Tochter Johanna Fütterer, Birgit Schulze, Silke Fütterer, Wirtin Gabi Fütterer und die heimliche Küchenchefin Martina Thoma (von links) bilden auch bei großem Andrang ein starkes Team in der Schafferhof-Küche. Wert legen sie bei der Qualität der Brotzeiten auch auf die Dekoration auf dem Teller. Bild: ui
Vermischtes
Windischeschenbach
02.04.2016
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Die Idee, sich in einem Eine-Welt-Laden zu engagieren, hat Gabi Fütterer nur kurz aber mit großer Hingabe verwirklicht. Seit Dezember 2000 ist sie nun mindestens ebenso engagiert für die ganze Welt aktiv - zumindest für die Bierverrückten und Zoiglliebhaber auf dem Planeten.

Neuhaus. Den heruntergewirtschafteten Schafferhof zu kaufen, zu restaurieren und zu bewirtschaften war eine spontane Idee der ehemaligen Bankangestellten und Ehemann Reinhard "Kitti" Fütterer beim Sonntagsspaziergang.

Seit über 15 Jahren ist die gebürtige Schirmitzerin nach eigener Aussage die Frau fürs Grobe, für Einkauf, Planung und Buchhaltung für Reinhards Kaminkehrerbetrieb und die Zoiglstube. "Die Feinheiten in der Küche können meine Mädels besser. Ich bin die einzige dort, die nicht vom Fach ist." Schwester Martina Thoma hat ebenso wie Nachbarin Barbara Stangl Hauswirtschafterin gelernt. Birgit Schulze arbeitet als Krankenschwester. "Das brauchst du auch mal in der Küche", lacht die Wirtin.

Schräg und schwach


Als Jugendliche wollte die 50-Jährige mit einer Freundin ein Hotel aufmachen. Es war ein Jugendtraum, zu bedienen. "Jetzt bin ich lieber im Hintergrund. Aber wenn nicht Reinhard so auf die Leute zugehen würde, wäre das vielleicht meine Rolle geworden." So sei es für sie besser. "Wenn ich schräg angeredet werde, würde ich schwach zurückreden. Deshalb könnte ich auch nicht bedienen."

Alle, die mithelfen sind Verwandte, Freunde und zum Teil schon deren Kinder. "Seit 15 Jahren regelmäßig kommen unsere fränkischen Gastarbeiter aus Bamberg." Gemeint sind Schwager Stefan Fütterer mit Ehefrau Jutta." Einer der jüngsten Glücksgriffe ist Sonja Gassner, eine Bekannte von Martina aus der Krabbelgruppe. Vor allem in der engen Küche sei es wichtig, dass die Leute mit ihrem Typ und ihrem Humor ins Team passen.

Mit der Kiste voller Brot sehen Gäste die Wirtin bei vollem Haus und Garten immer wieder von der einen Küche in der Tenne über den Hof in die andere in der Stube laufen. Doch so manches Mal wurde es eng mit dem Nachschub. Nachbar Rupert Beer hat bereits ausgeholfen und davon in einem Interview bei Radio Ramasuri erzählt: Nach einem Auftritt mit den Altneihausern habe der Tubist in der Nacht nur noch "Wurst-Arscherl" gekriegt. "Er ist nach Hause und hat uns mit Brot ausgeholfen."

Vorhersagen unmöglich


Wartezeiten lassen sich beim Essen nicht immer vermeiden. "Wir bemühen uns schon." Aber es gebe Tage, an denen bis 18 Uhr tote Hose sei und dann stürmten die Gäste den Schafferhof und wollen alle auf einmal essen. "Egal, wie gut du aufgestellt bist, du kannst es nicht vorhersagen", bestätigt Gabi Fütterer etwas, dass auch die meisten anderen Wirtinnen so sagen. "Es gibt keine Regel. Egal wie das Wetter ist oder was für Veranstaltungen sind." Gabi schimpft an Tagen mit viel Betrieb ab und zu mit ihrem Mann, wenn er aus dem letzten Loch noch eine Biergartengarnitur zieht. "Dann wird es schon uferlos." Aber die meisten Besucher hätten Verständnis für Wartezeiten und wüssten, dass es am Montag nicht mehr alles von der Speisekarte gebe. "Der normale Zoiglgast ist ein kommoder Mensch."

Wahnsinnig störten die zweifache Mutter besoffene Jugendliche, die an einem Karfreitag mit dem Leiterwagerl gekommen waren. "Die haben mords wie geschrien." Die mussten sich dafür von der Wirtin ein Donnerwetter anhören. Am Ende kam einer in die Küche und hat sich entschuldigt. Die Situation ist besser geworden, seit auf der Karte steht, dass betrunkene Gruppen und Junggesellenabschiede nicht mehr bedient werden. "Wegen so eines Remmidemmi gehe ich nicht auf den Zoigl."

Auf eine lange Brotzeit


Für die Zukunft will das Ehepaar Fütterer die Zahl der Veranstaltungen etwas herunterfahren, "um Muse und Zeit zu haben, etwas Neues auszuprobieren und zu experimentieren". Fütterer spricht von vielen Freundschaften, die beim Zoigl entstanden - mit Leuten, mit denen man auch bei anderen Wirten zusammenkommt. "Beim Binner saßen wir mal mit dem Krummennaaber Künstler Bernhard Dagner zusammen und sind versackt, obwohl wir nur auf eine Brotzeit gehen wollten", schmunzelt Gabi, die gerne selbst zum Zoigl geht und wenn es die Zeit zulässt bei den Konzerten in der Tenne tanzt.
Der normale Zoiglgast ist ein kommoder Mensch.Schafferhof-Wirtin Gabi Fütterer


Der beste Abend von allenGestöhnt habe sie, bekennt Gabi Fütterer, als eine irische Tanzgruppe mit der ganzen Truppe nach dem Auftritt in Weiden gegen 23 Uhr im Schafferhof aufkreuzte. Die Küche war geputzt, aber die Künstler hatten Hunger.

Als der gestillt war, packten die Iren ihre Steppschuhe und den Dudelsack aus. "Dann hat noch Ludwig Schieder von den Altneihausern Quetschen gespielt, und es wurde der schönste Abend von allen." (ui)
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