Geheimtipp für Touristen
Sandra nutzt Norberts Schweigen

Trotz Internet sind die Prospekte aus dem Tourismusbüro der Stadt gefragt. Sandra Henkens bekommt verstärkt Anfragen per E-Mail statt durchs Telefon, aber ab und zu stehen Gäste auch im Büro und fragen direkt nach Freizeit- und Übernachtungsmöglichkeiten. Bild: ui
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Windischeschenbach
08.09.2016
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Die Botschafter der Stadt sind bekannter als die Diplomaten der USA oder Deutschlands. Im Herbst erhalten sie eine Begleiterin aus dem Rathaus.

Sandra Henkens geht gerne unter die Leute, sei es beim Tag der offene Gartentür in Bernstein, bei der Gewerbeschau oder der Automobil- und Zweiradausstellung im Autohof Bergler. Sie freut sich auf den Tag der Kommunbrauer am 3. Oktober in Neuhaus und auf Konzerte der Altneihauser Feierwehrkapell'n. Die Touristikerin ist an diesen Tagen dienstlich unterwegs. Sie redet mit Konzert- und Festbesuchern, wirbt für ihre Stadt.

Wenn Norbert Neugirgs Männer zum Pausen-Zoigl in die Garderobe gehen, ist Henkens Zeit gekommen. "Die Zuschauer sind gut gelaunt, wenn sie Prospekte über Windischeschenbach von meinem Stand mit nach Hause nehmen. Dieses positive Gefühl von einem schönen Abend haben sie im Hinterkopf, wenn sie die Broschüren wieder in der Hand halten."

Dass die Altneihauser hervorragende Botschafter ihrer Heimatstadt sind, merkt Henkens auch im Büro im Rathaus alljährlich nach der Ausstrahlung von "Fastnacht in Franken". Viele wollen dann wissen, wo Neugirg zu sehen, und wo er zu hören ist. "In der Woche danach kommen viele Telefonate und Prospekt-anforderungen."

Stammgast mit 18 Freunden


Über eine Anfrage aus dem Spessart hat sich Henkens in diesem Jahr besonders gefreut. Ein ehemaliger Zoiglstammgast, den es nach Unterfranken verschlagen hat, besucht im Oktober die Stadt mit 18 Bekannten aus seiner neuen Heimat. Die Gruppe meldete sich auch zur geführten Wanderung "Zoiglbier und Waldnaabtal" an. "Die ist der Renner." Im Sommer lagen der ausgebildeten Tourismusassistentin bereits 270 Anmeldungen dafür vor.

Gestiegen ist auch das Interesse an den Besichtigungen des Brauhauses. 350 Personen registrierte Henkens bis zur Jahresmitte. 2015 waren es insgesamt 540 Besucher, denen Georg Mann und Ferdinand Schraml die Geburtsstätte des Zoiglbiers zeigten. "Höhepunkt des Jahres schlechthin war der Besuch der japanischen Journalisten vom Mercedes-Benz- Magazin." Der Bericht soll im September erscheinen. Die Betreuung des Quartetts (wir berichteten) war auch für Stadtführer Mann sehr anstrengend, weil alle vier so detailversessen waren und ein wahnsinniges Tempo hinlegten."

ist beliebt bei Gruppen aus Tschechien und für Betriebsausflüge. "Firmen wollen Pakete mit kleiner Brotzeit, Führung durchs Brauhaus, Wanderung im Waldnaabtal von Falkenberg oder Tannenlohe aus zur Blockhütte und Abendessen beim 'Schwaner'". Auf Anfragen packt Henkens ein maßgeschneidertes Packerl zusammen. "Gerne nehmen sie auch die Kombination mit dem Geozentrum. 30 Gäste aus dem Nachbarland besuchen das Museum in der Burg Neuhaus."

Junggesellenabschiede schickt die 44-Jährige zum Frühschoppen und dann zum Wandern. Exzessive Treffen seien bei den Wirten nicht gerne gesehen. Schwierige Kunden, wie den Radler aus Oberbayern, der keine Steigungen strampeln wollte, hat Henkens selten. "Er wollte nicht einsehen, dass man nicht direkt an der Waldnaab entlangradeln kann, und war verwundert, dass man keinen Radweg genau am Fluss entlang baut." Bei ihm in Oberbayern gehe das auch. "Am Ende habe ich ihn mit Infomaterial eingedeckt. Und habe ihm Höhenprofile gezeigt. Das ist bei uns so. Was er am Ende gemacht hat, weiß ich nicht."

Das Interesse an der Hauptstadt des Zoiglbieres lässt sich an den Übernachtungszahlen ablesen. Den größten Anteil an den 40482 Gästen (2015) hat die Schweinmühle mit Campingplatz und Ferienwohnungen. Die Zahl stieg von 7714 (2014) auf 8040 (2015). Nicht eingerechnet sind die Reisenden, die ihr Wohnmobil am Freibad oder dem Parkplatz des Schafferhofs an der Waldnaab abstellen. Einen weiteren würden sich Touristen am Geozentrum wünschen, sagte KTB-Chef Dr. Frank Holzförster. 6877 Besucher registrierte die Stützelvilla im vergangenen Jahr. Die aber steht, wie mehrfach berichtet, nicht mehr zur Verfügung. Das renovierte Johannisthal ist nach Henkens Worten gut ausgebucht. Vor allem an Wochenenden seien die Betten in der Stadt gut voll. Die Tendenz gehe weiter zu Kurzreisen mit ein bis zwei Übernachtungen.

"Der Tourismus wächst bei uns so, dass Gastronomie und Bürger mitwachsen können", urteilt die Cheftouristikerin im Rathaus. Hin und wieder erreichen sie Fragen nach einem richtigen Wellnesshotel. "Das haben wir nicht." Und nach einer kurzen Pause: "Das brauchen wir aber eigentlich auch nicht." Bei vielen Gästen gelte Windischeschenbach und die Oberpfalz noch als eine Art Geheimtipp. Dafür sei das persönliche Ambiente wichtiger als Spa und Strudelbad.

"Für Individualtourismus und normale Urlauber passt das Angebot", meint Henkens, die nach der Schule die Ausbildung zur Hotelfachfrau absolviert hatte. "Aber die Stützelvilla fehlt uns schon." Sie hatte Kapazitäten für größere Gruppen, die beispielsweise das Geozentrum in der KTB besuchten.

Bahnhof als Vorteil


"Schulklassen sind dort oft abgestiegen", bestätigte Holzförster. Der KTB-Leiter weiß von mindestens einer Klasse, die den Besuch in Windischeschenbach deshalb tatsächlich abgesagt hat. Ein großer Vorteil des Jugendtagungshauses sei die Nähe zum Bahnhof. "Die Übernachtungsmöglichkeiten für Schulklassen, die mehrere Tage hier sind, sind um ein Drittel geschrumpft." Zur Verfügung stehen noch die Jugendherberge Tannenlohe und das Exerzitienhaus Johannisthal. "Jugend und Exerzitenhaus" nennt Holzförster eine "zweitbeste Kombination".

Im KTB schiebe man die Termine und Labortage mit den Jugendlichen hin und her, soweit dies möglich sei. Holzförster: "Unsere Besucherzahlen zeigen derzeit noch nicht knallhart nach unten."

Der Tourismus wächst bei uns so, dass Gastronomie und Bürger mitwachsen können.Sandra Henkens


Schilder und LokaleObwohl eigentlich Experte für die Dinge unter der Erdoberfläche weiß KTB-Chef Dr. Frank Holzförster nach vielen Begegnungen mit Besuchern des Geozentrums, dass es Schwierigkeiten in der Region gibt, an Werktagen mittags gutbürgerlich einzukehren. "Ich kann die Gastronomen auch verstehen, aber für die Tourismusentwicklung wäre es wichtig."

Wünschenswert sei auch eine verbesserte Ausschilderung der Sehenswürdigkeiten vom Monte Kaolino bei Hirschau über den Parkstein bis zum Geozentrum über die direkten Zufahrtsstraßen hinaus. "Vielleicht kann man darüber nachdenken." (ui)
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