"Gloser"-Wirtin Hermine Popp hat die Gäste von der Küche aus im Blick
Zoigl mit Milchreis und Kunst

Karin Heining-Weidener und Hermine Popp (von links) füllen den Tresen der kleinen "Gloser"-Küche unermüdlich mit Milchreisgläsern, Kuchen, Obatztn und Brezen, Polnischen, Wurstsalat, Nussecken, Kuchen und anderen Leckereien, die die Bedienungen weiter zu den Gästen tragen. Bild: ui
Vermischtes
Windischeschenbach
21.04.2016
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Hermine Popp ist seit 13 Jahren Zoiglwirtin. Verantwortlich dafür sind nicht zuletzt wertvolle Kirchenfenster, eine Architektin, die umzog, und der Denkmalschutz.

"Der Schock ist erst gekommen, als wir selbstständig waren", erinnert sich die 53-Jährige an die ersten "Gloser"- Zoiglwochenenden. Dabei kannte sie den Zoigl. Mit Ehemann Martin war sie oft gemeinsam unterwegs so bis 21 oder 22 Uhr auf ein zwei Bier. "Da hast Du aber nicht erlebt, wie es wirklich zugeht. Wir haben echt nicht überrissen, dass das harte Arbeit ist und ich hätte nie gedacht, dass man so prall gefüllte Kühlschränke leer bekommt."

Das Haus am Lehnerberg hatten die Schwiegereltern zwei Jahre vor Hermines Hochzeit mit Martin gekauft. Das junge Paar öffnete dort noch im selben Jahr eine Glaserei. Ebenfalls 1986 kam als drittes Großereignis der Familie Tochter Anna zur Welt. "Später haben wir oft spekuliert, dort Zoigl auszuschenken, wenn wir weniger glasern."

Der Zeitpunkt der Entscheidung kam, als die Architektin aus ihrem angemieteten Büro im Erdgeschoss des Lehnerbergs auszog. Außerdem gab es immer weniger Fördergelder vom Denkmalschutz für die Restaurierung von Kirchenfenstern. Neue aufwendige Bleiverglasungen kamen aus der Mode. Bei der Glaserei sank dadurch die Zahl der Aufträge.

Probetag im Schafferhof


Vor der Eröffnung der Zoiglstube 2003 nahm Hermine das Angebot von Gabi Fütterer wahr, einen Tag im Schafferhof zur Probe zu arbeiten. "Ansonsten habe ich mir das Brotzeitwissen selbst angeeignet." Die gelernte technische Zeichnerin legt Wert auf wirklich regionale Produkte. "Es gibt keinerlei Fertigsachen, der Bärlauch für die Creme wächst in einem Nachbargarten."

Ripperl und Schwarten


Die Wirtin kocht für die Sulz bereits am Dienstag Schwarten und Füße. Familie und manchmal Freunde bekommen an den Tagen vor dem Zoiglwochenende Ripperl zum Abzausen, die Hermine als Grundlage für die Schweinebratensauce im Ofen hatte. Den bringen die Bedienung zusammen mit Rouladen oder Sauerbraten ausschließlich am Sonntagmittag an den Tisch.

Beim Hereinkommen sieht fast jeder Gast die gelernte Köchin Karin Heining-Weidner und Hermine Popp in der kleinen Küche werkeln. "Viele kommen und sagen kurz Hallo." Die Wirtin freut sich, Bekannte, Stammgäste und Freunde zu sehen. "In Stoßzeiten passiert es schon mal, dass ich jemandem draußen in der Stube zuwinke, der dann sagt 'ich sitze schon seit drei Stunden hier'."

Der einsehbare Arbeitsplatz gefällt der gebürtigen Windischeschenbacherin. Sie möchte nicht in einer abgesperrten Küche stehen und in der Nacht sagen, "so das war's, ohne jemanden gesehen zu haben. Wenn es mich stören würde, könnte ich mich an die Spüle stellen." Wobei beim Putzen Vorsicht angesagt ist. Es ist noch nicht lange her, da verätzte sie sich mit Backofenspray ein Auge und die Haut, beides glücklicherweise nur leicht.

Hermines Wunsch wäre ein größerer Raum für die Küche. "Aber das wird nie in Erfüllung gehen." Vor einem Jahr hat sie ihre mit Kühlschubladen aufgemöbelt. "Jetzt ist von der Logistik alles erschöpft." Doch sie hat noch einen Wunsch: "Die Büroarbeit dürfte mir eine gute Fee abnehmen." Lieber kocht sie Milchreis, rührt Kuchenteige an und bäckt Nussecken. "Eigentlich täte mir ein Café auch ganz gut gefallen."

Zehn Handwerksburschen


Der Arbeitstag am Zoiglwochenende ist für die begeisterte Läuferin wie ein Marathon. Er beginnt um 5 Uhr und endet gegen Mitternacht. "Martin macht bis zum Zusperren weiter." Das heißt aber nicht, dass danach immer alle Gäste weg sind. Zumindest einmal übernachteten zehn Handwerksburschen in der Stube, die einen Püchersreuther beim Start seiner Walz begleitet hatten. "Für deren Frühstück bin ich schnell zum Bäcker gegangen."

Das alles klappt nur, wenn die Familie mithilft. Bei den Popps sind die Töchter Anna und Lena beim Bedienen dabei. Sohn Moritz kümmert sich ums Brauen und ums Bier. Bei Ausflügen und Wanderungen sehen sich die Eltern nach Ideen um, die sie beim Zoigl einbringen oder als Bilder aufhängen können.

Ich hätte nie gedacht, dass man so prall gefüllte Kühlschränke leer bekommt.Gloser-Wirtin Hermine Popp
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