Hausbrauer füllen Zoigl für ein ganzes Jahr in Fässer ab
Schaumkrone am Spundloch

Als routiniertes Team füllen Alfons Bergler, Joe Bergler und Fritz Egeter (von links) im Felsenkeller unter dem Neuhauser Marktplatz den Haustrunk in die Fässer. Bilder: ui (4)
Vermischtes
Windischeschenbach
13.02.2016
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Der Gärbottich ist leer. Joe Bergler schiebt die verbliebene Hefe mit dem Schrubber zum Abfluss.

Es riecht wie in einer Bäckerei. Das schwarze Granitgewölbe schluckt das Licht von der Decken- und der Handlampe. "Da geht nicht mehr viel rein", "Stop!", "Dreh auf!", lauten die Kommandos der drei Männer. In knapp zwei Stunden haben sie die Arbeit tief unterm Neuhauser Marktplatz erledigt.

Neuhaus. Vor eineinhalb Wochen hatte Alfons Bergler die Würze vom Kühlschiff im Kommunbrauhaus in den Tankanhänger fließen lassen und nach Hause gefahren. Den Sud teilte er sich mit anderen Hausbrauern. In seinem Keller gärten ungefähr 1000 Liter - der Vorrat für das ganze Jahr. Mittlerweile sind die Schaum-Schneckerla in dem offenen Bottich zusammengefallen, das Jungbier fertig zum Abfüllen in die Fässer.

Der 66-Jährige steht gebückt neben dem Hahn am Boden des Gärbottichs und wartet auf Kommandos von seinem jüngeren Bruder Joe Bergler. Der hält den Plastikschlauch in die Spundlöcher der Alufässer, die aufgereiht links und rechts auf den Quadersteinen liegen. Hölzer sichern sie vor dem Wegrollen in dem leicht abschüssigen Keller.

Zwei Fassreihen


Fritz Egeter hält die Handlampe übers Spundloch. Joe sieht den Schaum im Fass steigen. "Langsam", sagt er zu seinem Bruder, zieht schnell den Schlauch hoch, ein paar Tropfen Jungbier fließen am Aluminium herab. Am Spundloch steht eine kleine Schaumkrone. Der Plastikschlauch ist längst im nächsten Fass eingetaucht. So geht es weiter. Linke Reihe, rechte Reihe und noch einmal von vorne. Vorsichtig, um die Fässer ganz vollzufüllen.

In den nächsten Tagen wird Alfons Bergler täglich die 22 Stufen hinabsteigen und während der Nachgärung mit einer kleinen Kanne Bier nachfüllen. Zum Reifen werden die Spundlöcher verschlossen. Dann sollte keine Luft mehr im Fass sein.

Gesäubert hat der Hausbrauer die Gefäße am Vortag im Brauhaus mit heißem Wasser. Lauge, wie in kommerziellen Brauereien üblich, braucht er nicht. Der Alt-Landwirt kann sich nicht erinnern, dass sein Bier schon einmal schlecht geworden ist. Auch nicht zu der Zeit, als alles noch viel mühseliger war, als Gärkufen und Fässer noch aus Holz waren.

Das Jahr über lagerten sie früher in der Scheune. Stroh sollte verhindern, dass die Behälter zu sehr austrocknen. Vor der Verwendung wurden sie gewässert und die Eisenringe heruntergeschlagen, damit die Bottiche wieder dicht wurden. "Damals haben wir das Bier in den Keller getragen." Das hatte für Alfons auch sein Gutes. "Beim Brauen waren viele Nachbarn da, haben zusammengeholfen."

Von der Kanne in den Krug


Dem 82-jährigen Egeter, der seinen Haustrunk bei Bergler im Keller vergärt, lagert und bei Bedarf im Kannerl nach Hause trägt, geht es um die Tradition und um gutes Bier. Der Zoigl aus dem Kommunbrauhaus sei etwas ganz anderes als Flascherlbier, sind sich die beiden einig. Die Kinder interessierten sich auch fürs Bier aus dem eigenen Keller, freuen sich die zwei Hausbrauer. Sie sind sicher, dass die nächste Generation die 600 Jahre alte Tradition fortsetzt.

Alfons Bergler und Fritz Egeter schließen den Nachmittag mit Kaffee und Gebäck ab. Joe Bergler ist da nicht mehr dabei. Nach dem Saubermachen von Gärbottich und Schläuchen ist er nach Hause zum Weißeln.
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