Hier können Eltern trauern
Sternengrab letzte Ruhestätte für totgeborene Babys

Stadtpfarrer Hubert Bartel und Pfarrerin Nadine Schneider segneten das neugestaltete Sternengrab auf dem Friedhof. An der Grabstätte können nun totgeborene Babys beerdigt werden. Bild: wrt
Vermischtes
Windischeschenbach
18.12.2015
127
0

Jedes Jahr ist am zweiten Dezember-Sonntag der Gedenktag für verstorbene Kinder - ein passender Termin für die Einweihung des neuen Sternengrabes auf dem Windischeschenbacher Friedhof.

Kirchenpfleger Bertwin Fleck erinnerte, wie auf Anregung von Stadtpfarrer Hubert Bartel die Kirchenverwaltung die Idee einer solchen Kinder-Grabstätte aufgenommen hatte. Rektor a. D. Anton Sammet, Mitglied des Gremiums, erstellte einen Entwurf. Die Ausführung des Projekts übernahm der Steinmetzbetrieb Zwack und Neugirg aus Thumsenreuth.

Sammet erklärte, warum die mittlere der drei Grantistelen mit ihrem Durchbruch ein Kreuz zeigt und das Licht von hinten den Glasstern leuchten lässt. Ein Missgeschick beim Bau des Sternengrabes sah er als Symbol: ein starker Windstoß hatte den ursprüngliche Glasstern kurz vor der Fixierung am Stein zu Boden geweht, wo er in viele Scherben zerbrach. Auch bei einer Schwangerschaft, die mit dem Tod des Kindes endet, seien die Hoffnungen der Eltern zerbrochen. Der Spruch auf dem Grabmal "Aus Gottes Hand - in Gottes Hand" sei ein Wunsch, den man diesen Kindern mitgeben könne.

Pfarrer Bartel führte aus, dass er "Die Idee einer solchen Grabstätte ist mir bei meiner früheren Tätigkeit als Klinikseelsorger gekommen", sagte der Priester. Früher nur "entsorgt", werden mittlerweile tot geborene Kinder beerdigt, ohne dass das Gewicht ein Kriterium ist. Am neuen Sternengrab sollen rückwirkend auch Eltern einen Ort haben, um ihr Kind zu trauern, die bei ihrem Verlust diese Möglichkeiten noch nicht hatten.

Innehalten


Der Feier an der Grabstelle standen sowohl Stadtpfarrer Bartel als auch seine evangelische Kollegin, Pfarrerin Nadine Schneider, vor. "Mitten im Advent halten wir inne", sagte die Pfarrerin. "Wir erinnern uns an all die Kinder, die das Licht der Welt nicht gesehen haben." Aber gerade in Momenten der Verzweiflung und Trauer sei Gott den Menschen nahe.

Kerzen entzündet


Sie schloss mit einem Zitat aus "Der kleine Prinz" von Antoine de Saint-Exupéry: "Wenn du nachts den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache". Nach der Segnung der Gedenkstätte durch die beiden Seelsorger wurden Kerzen entzündet und von den Gläubigen auf das Grab gestellt.

Zwischen Aussegnungshalle und großem Friedhofsbrunnen kann man nun dort all jener Kinder gedenken, die, wie Pfarrerin Schneider formulierte "den Himmel erreicht haben, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken durften".

Neues GesetzFrüher waren totgeborene Kinder unter 1000 Gramm, später unter 500 Gramm, nicht bestattungspflichtig sind. Hebammen, Schwestern und Ärzte wollten es nicht länger hinnehmen, tote Babys unterhalb dieser Grenze zu entsorgen. So sind in den letzten Jahrzehnten Möglichkeiten geschaffen worden, auch diese Kinder zu bestatten. Es gibt Trauerfeiern, in denen Eltern Abschied nehmen können. Der Gesetzgeber hat alle, die sich hier eingebracht haben, bestätigt, indem die Gesetzgebung seit einigen Jahren die Bestattungspflicht ohne Gewichtsgrenzen vorsieht. Da es Eltern gibt, die diese Möglichkeiten früher nicht hatten und keinen Ort der Trauer haben, wurde im Friedhof Windischeschenbach ein Sternengrab errichtet. Auch rückwirkend können Eltern einen Stern mit oder ohne Namen des Kindes anbringen lassen und so einen Ort für ihre Trauer schaffen. (wrt)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.