Hunde erleicherten Alltag im Wohnheim St. Benedikt
Glück auf vier Pfoten

Paul (6), der Blonde Hovawart, überragt Baddy (12), den Goldenen Retriever, um eine Hundekopflänge. Die beiden Rüden gehören Elke Bauer, Einrichtungsleiterin des Behindertenwohnheims St. Benedikt. Bild: mic
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Windischeschenbach
25.09.2016
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Rosalie macht am Nachmittag immer ein Nickerchen. Es scheint, als wüsste die Hundedame, dass sie schlafen muss. Denn wenn Frauchen Alexandra und die anderen Bewohner des Behindertenheims St. Benedikt von den Werkstätten zurückkommen, gibt's bis 22 Uhr keine ruhige Minute mehr.

Mitterteich. Für die Behinderten, die in Mitterteich und Windischeschenbach leben, gehören Hunde seit Jahren zum Alltag. "Seitdem hat sich vieles positiv verändert", blickt Einrichtungsleiterin Elke Bauer zurück. "Unser Bewohner wollten immer schon Hunde haben, doch wir hatten damals noch einige Bedenken." Wer soll das Tier versorgen? Wer soll es erziehen? Kann das gutgehen, wenn 30 Leute an einem Hund herumzerren?

Welpe Baddy darf mit


Vor 12 Jahren erfüllt sich der Hundwunsch fast von selbst. "Mein Schäferhund ist gestorben, und ich habe mir daraufhin einen Golden Retriever angeschafft", erinnert sich Bauer. Von Anfang an nimmt die Chefin von St. Benedikt den jungen Baddy mit in die Arbeit. "Und es hat prima geklappt." Vor 6 Jahren kommt Paul, ein Blonder Hovawart, hinzu. Auch die Kollegin Elisabeth Menges entschließt sich, ihre Hunde Wendy (15), Flair (10) und Tinka (6) mitzubringen.

Das erwartete Chaos bleibt aus. "Die Hunde haben bei den Leuten das Verantwortungsgefühl geweckt", erzählt die Leiterin. Früher sei oft mal Brot oder Schokolade am Tisch liegengeblieben oder die Bewohner hätten die Türen offengelassen. Auch als Streitschlichter hätten sich die Vierbeiner bewährt. "Hunde gehen automatisch dorthin, wo es laut ist, weil sie denken, hier passiert etwas", erklärt Bauer. Alleine durch ihre Anwesenheit würden sich die Gemüter beruhigen. "Der Hund ist zum Schlichter geworden. Die Leute werden abgelenkt und vergessen ihren Zwist."

Nach den anfänglichen guten Erfahrungen beschließen Elke Bauer und Elisabeth Menges, eine Weiterbildung zu machen. Für den Kurs "Tiergestützte Padagogik" müssen sie extra nach Aachen fahren. Auch die Hunde absolvieren mit Erfolg die Begleithundeprüfung. "Danach haben wir ihnen viel beigebracht." Baddy kann Schuhe oder das Telefon bringen und seine Pfote zu "Gib mir Fünf" heben. Flair macht Dogdance mit einer Bewohnerin. Viele Kleinigkeiten tragen zum Komfort der behinderten Menschen bei.

Die Hunde haben bei den Leuten das Verantwortungsgefühl geweckt.Elke Bauer

Ganz wichtig für das Selbstbewusstsein seien die Besuche in Kindergärten oder Schulen. "Unsere Schützlinge stellen sich seitdem ohne Scheu vor eine Klasse und erzählen, auf was man beim Umgang mit Hunden achten muss. Das ist sehr wichtig für das Selbstwertgefühl."

Zu den Treffen gehört auch ein Frühstück mit einer Hundewanderung. Im Sommer besucht die Gruppe St. Benedikt Mädchen und Buben der St. Felix Schule in Neustadt/WN.. "Die Schüler dürfen auch selbst mit den Tiere was machen. Die Hunde laufen Slalom oder suchen einen Futtersack, den die Schüler vorher versteckt haben."

Elke Bauer möchte die Arbeit mit den Hunde nicht mehr missen. "Eigentlich ist das unser Privatvergnügen", gibt sie zu. Wenn sie und ihre Kollegin Feierabend haben, geht auch für die Hunde der Arbeitstag zu Ende. Baddy, Paul, Wendy, Flair und Tinka verbringen den Abend und die Nacht bei ihren Familien. "So können sie sich zurückziehen und werden nicht überfordert."

Tinka statt Wecker


Rosalie bleibt als einziger Vierbeiner ständig im Wohnheim. "Sie gehört unserer Alexandra, die sich immer einen eigenen Hund gewünscht hat." Auch das klappt seit einem Jahr sehr gut. Jeder der Hunde erfüllt bestimmte Bedürfnisse. Tinka ist zum Beispiel dabei, wenn die Bewohner am Morgen geweckt werden und genießt die vielen Streicheleinheiten, die sie dafür bekommt. Baddy schafft es, für die Menschen ein echter Freund zu sein. Johannes, der im Rollstuhl sitzt, freut sich, wenn er ihm Gegenstände aufhebt, die ihm runtergefallen sind. "Oft reicht es, wenn die Hunde einfach nur da sind", zieht Elke Bauer Bilanz.

Tiergestützte Pädagogik"Tiergestützte Pädagogik" mit Hunden und Hundebesuchsprogramme sind Teil des Konzeptes in den Wohngemeinschaften St. Benedikt. Es beschreibt einen von Tieren begleiteten pädagogischen Ansatz, sowie die Integration von Tieren in das Leben von Menschen jeden Alters. Tiere ersetzen keine Pädagogen, sondern erweitern Möglichkeiten.

Menschen mit Behinderung profitieren in besonderem Maße von dem Einsatz der Tiere. Es können sozial-emotionale Kompetenzen, Motorik, Wahrnehmung sowie Kommunikation geschult werden, so dass insgesamt psychische, physische, soziale und rehabilitative Wirkungskreise angesprochen werden.

Durch den Kontakt mit einem Hund erfährt der behinderte Mensch oder Heimbewohner neue Impulse. Der Hund wirkt durch seine Anwesenheit, den Köperkontakt, der Kommunikation und der Interaktion fördernd auf den Menschen. Durch diese Motivationssteigerung übernehmen die Bewohner die Verantwortung, sich um jemanden zu kümmern. Ein Hund legt dafür seine enorme Bindungsfähigkeit, Ausgeglichenheit und Fröhlichkeit in die Waagschale, fordert den Menschen heraus und gibt ihm das Gefühl eines gleichwertigen Gegenübers.

Der Hund wird zu einem guten Freund, der sehr direkt und unvoreingenommen Gefühle und Beziehungsbedürfnisse erwidert und sie in elementarer Weise fordert. (mic)
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