Idylle trügt
Oben hiu, unten pfui

Die Idylle trügt: Das knapp ein Hektar große Grundstück an der Staatsstraße nach Erbendorf war früher einmal die Hausmülldeponie "Ziegelhütte". Bild: mic
Vermischtes
Windischeschenbach
27.09.2016
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Im Büro von Wolfgang Walberer liegen sechs Ordner. "Alles zum Thema Hausmülldeponie Ziegelhütte", seufzt der Geschäftsleiter. Doch bevor die Stadt klären kann, wie es weitergeht, muss auch noch die angrenzende Winterling-Deponie untersucht werden.

Bürgermeister Karlheinz Budnik kann sich gut erinnern, als er in den 1970er-Jahren als Kind dort herumgestiegen ist. "Das war wie ein Abenteuerspielplatz". Aus heutiger Sicht undenkbar. Doch damals habe sich niemand darüber Gedanken gemacht, ob das gefährlich sein könnte oder nicht.

"Da ist alles reingeworfen worden", weiß Walberer. " Autobatterien, Kunststoff, Papier, Altöl und und und." Der Ablageplatz bestand von Mitte der 60er bis Mitte der 70er Jahre und hieß "Ziegelhütte", weil hier zuvor eine Ziegelei Ton abgebaut hat. Von der Müllkippe ist mittlerweile nichts mehr zu sehen. Spaziergänger, die auf dem Weg ins Geozentrum zufälligerweise an dem Grundstück vorbeikommen, merken nicht, was hier früher einmal los war. Lediglich ein kleines, gelbes Schild erklärt: "Schutt abladen verboten." Mitten aus der grünen Wiese ragen die Grundwasserbrunnen hervor, die für die Untersuchungen in den vergangenen Jahren nötig waren.

Als 1977 der Landkreis die Abfuhr von Hausmüll übernahm, schloss die Stadt die Deponie. Es gab damals sogar ein Sonderprogramm zur Sanierung und Rekultivierung von Müllablagerungsplätzen. Um zu verhindern, dass Grundwasser in die Grube läuft, musste die Deponie nicht nur mit Erdaushub, sondern mit auch Bauschutt aufgefüllt werden.

4500 Deponien in Bayern


Insgesamt gibt es im Freistaat 4500 solcher ehemaligen Deponien. Was unter der meist schönen Oberfläche schlummert, ahnt niemand. 1999 forderte das Landratsamt die Stadt zu einer "Altlastenerkundung" auf. Das Gutachten einer Fachfirma bringt "nachhaltige und erhebliche Gewässerverunreinigungen" ins Spiel und empfiehlt weitere Untersuchungen. Eine davon erfolgte 2012.

Unterstützt wird die Stadt vom Landratsamt, vom Wasserwirtschaftsamt und von der Gesellschaft zur Altlastensanierung in Bayern (GAB). Sie soll die Kommunen nicht nur beraten, sondern ihr auch finanziell unter die Arme greifen. "Wir würden sonst auf den Sanierungskosten komplett sitzenbleiben", erklärt der Bürgermeister. Wer was bekommt, wird nach einem bestimmten Schlüssel ermittelt. "Die Stadt muss mit einem Eigenanteil von 51 000 Euro rechnen", informiert Budnik. Kosten, die darüber hinaus gehen, übernimmt die GAB.

Nach all den Jahren kann die Stadt davon ausgehen, dass das Wasser, dass sich unter der ehemaligen Halde sammelt, verunreinigt ist. Die Experten sprechen von erhöhten PAK-Werten. Der Laie kann sich unter unvollständigen Verbrennungsrückständen, wie zum Beispiel Asche oder Schlacke, mehr vorstellen. Die Gefahr sei vorhanden, heißt es, aber ob man sich um das Grundwasser im weiteren Umfeld wirklich Sorgen mache müsse, sollte gesondert untersucht werden. Unmittelbar sei jedoch niemand bedroht.

Auf gleichem Stand


Um jedoch das weitere Vorgehen zu planen, muss die angrenzende Deponie der früheren Firma Winterling auf den selben Untersuchungsstand gebracht werden, wie die ehemalige Stadtmüllhalde. Erst dann wird entschieden, ob das Gelände saniert werden muss oder ob alles so bleiben kann, wie es ist.

Da ist alles reingeworfen worden. Autobatterien, Kunststoff, Papier, Altöl und und und.Wolfgang Walberer
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