Käck'n-Wirtin Renate Schönberger über die Vorlieben von Tschechen und Japanern beim Zoigl
Handlanger in der Wurstküche

Vermischtes
Windischeschenbach
14.05.2016
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Dort, wo die Schwiegerleute früher ihr Bad hatten, richtet Renate Schönberger jetzt die Brotzeiten her. Ein paar Meter weiter stehen ihre Mama Rosi Kunz und Tante Rosi Lang am Herd in der vermutlich längsten Küche von Neuhaus.

Neuhaus. "Ich wollte nie nach Neuhaus und auf den Marktplatz schon gar nicht", erinnert sich die "Käck'n"-Wirtin an die Zeit der Jugend und der Liebeleien. Die Dietersdorfer Landwirtstochter ist damals häufiger nach Wurz gegangen. Dort arbeitet heute noch Ehemann Matthias als Metzger.

"Als wir geheiratet haben, habe ich schon gewusst, dass Matthias den Zoigl mal bekommt. Für mich war das weit, weit weg. Ich habe für mich keinen Platz gesehen." Am Tag der Übergabe wäre Renate gerne weggerannt. "Ich hätte am liebsten Nein gesagt, hatte aber keine Wahl und wusste, dass es Matthias wichtig war - damit war es auch mir wichtig."

Obwohl gelernte Hauswirtschafterin, waren für die damals als Ernährungsberaterin am Landwirtschaftsamt tätige Jungwirtin die ersten Jahre beim Zoigl schwer. "Was jetzt mein kleines Kucherl ist, war das Bad der Schwiegereltern." Die andere Seite der schlauchförmigen Küche nutzten Rosemarie und Ernst Schönberger auch privat. "Da kannst du nicht ganz so, wie du willst."

Dennoch habe man gut zusammengeholfen. "Schwiegervater Ernst und Schwägerin Claudia Müller sind meine größten Stützen." Wenn Renate während des Betriebes noch die Heizung anschürt oder Bier holt, weiß sie, dass es in der Küche weiterläuft. Claudia ist im Hauptberuf Schneiderin. Auf sie ist Verlass bei allen Angelegenheiten im Service, wenn Matthias nicht da ist.

Simon bei der Oma


Zwei Cousinen helfen ebenso mit wie Renates Schwester Anita, die aber mittlerweile beim "Gloser" in Windischeschenbach als Bedienung hängengeblieben ist. Es ist schon eine Weile her, dass Sohn Simon sein Leid über den Zoigl bei Renates Mutter abgeladen hat: "Weißt Oma, wenn Zoigl ist, hat man lieber keine Sonderwünsche. Da ist Mama nicht so gut drauf."

Mittlerweile unterstützen der 13-Jährige Josef und seine Brüder Johannes (21) und Simon (17) die Eltern an Stresstagen wie dem 3. Oktober sowie bei den Vorbereitungen für die Zoiglwochenenden und beim Brauen. "Wir dürfen uns nicht beschweren. Aber Schule und Lehre gehen vor", meint Renate. Ob einer Interesse hat, den Betrieb zu übernehmen müsse man abwarten. "Ich will es niemandem überstülpen." Wenn einer weitermacht, hofft die Mama, es zu schaffen, einen Schritt zurückzugehen. "Ich bin schon ein Alpha-Tier", lacht sie.

Als Dolmetscherin gefragt


Gerne arbeitet die 48-Jährige mit dem Ehemann zusammen beim Holzspalten. "Am besten gefällt mir beim Zoigl das Wursten mit Matthias." Renate ist der Handlanger. "Aber das ist einfach schön", schwärmt sie. "Am liebsten mag ich unseren Presssack." Wer eine Josefswurst ergattert, bekommt eine für die Region ungewohnt scharfe, aber leckere Wurst, für die der der jüngste Sproß der Familie den Namenspaten gegeben hat. Englischsprachigen Gästen oder Italienern kann sie das Wort nicht übersetzen. "Also zeig' ich ihn her." Wenn Matthias seine Frau holt, weil er Gäste nicht versteht, geht es meist ums Bier. "Da können wir viel herzeigen. Das freut Gäste und uns."

Mit Franken gebe es immer wieder Gespräche, dass es beim Zoigl nur feine und nicht deren grobe Bratwürste gebe, und die Tschechen essen beim Zoigl gerne Presssack mit Zwiebeln und Essig. "Da heißt bei ihnen Tlacenka s cibulí a octem", liest sie aus dem gelben Wörterbuch vor, dass im Küchenschrank steht. Von Japanern weiß die Oberpfälzer Wirtin, dass sie nichts mit Innereien, also keine Speck- oder Streichwurst, mögen. "Leberkäse und Geräuchertes essen sie." "Tote Oma" (angebratene Blutwurst) gibt es beim "Käck'n" ebensowenig wie warmen Leberkäse. "Da habe ich meine Bedienungen geimpft, dass es das freundliche Wort 'Nein' gibt." Für andere Sonderwünsche ist die Wirtin durchaus offen.

Sie will, dass die Leute sagen "da gehen wir wieder hin", dass sie merken, da ist man willkommen, "auch wenn ich manchmal grantig schau", übt sie Selbstkritik. "Das kommt, wenn du gedanklich schon wieder in der Küche bist, während du das Essen an den Tisch bringst."

Boßeln im Ammerland


Zu den regelmäßigen Gästen zählen Ansgar und Gabi Reuter. Auf der Rückfahrt nach Bad-Zwischenahn hat das Wohnmobil immer ein paar Fässer Zoigl an Bord. Der Kontakt mit Renate läuft auch außerhalb des Zoiglbetriebes. Per Whatsapp teilen sie Freud und Leid miteinander. Im Ammerland haben die Reuters für die Familie Schönberger und weitere Neuhauser vor ein paar Jahren sogar eine Kohl- und Pinkelfahrt mit Boßeln organisiert.

"Mittlerweile ist der Zoigl auch mein Zoigl", lacht Renate und erinnert an einen Spruch aus Goethes Faust, den sie vom Vater gehört hat: "Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen."
Am besten gefällt mir das Wursten mit Matthias in unserer Wurstküche.Käck'n-Wirtin Renate Schönberger
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