Kreisjugendring kocht für Flüchtlinge in Stützelvilla
Gemüseeintopf statt Schnitzel

Andrea Erdwich (Mitte) kocht und organisiert den Speiseplan für die Flüchtlinge in der Stützelvilla. Ihr zur Seite stehen Helga Schösser und Hausmeister Hans-Jürgen Reisinger. Bild: mic

"Heute gibt's Linseneintopf mit Putenwiener und Kartoffeln", erzählt Andrea Erdwich. Die Köchin gehört zu dem zehnköpfigen Team des Kreisjugendrings, das die Flüchtlinge in der Stützelvilla verköstigt.

Seit 14. September schwingt der Kreisjugendring (KJR) den Kochlöffel nicht mehr für Tagungsgäste, sondern für Asylbewerber. "Das war schon eine Umstellung", erinnert sich Leiter Martin Neumann. "Früher hatten wir 9000 bis 10 000 Verpflegungen im Jahr. Jetzt hat sich die Zahl mindestens verdoppelt." Das Küchenpersonal muss jeden Tag da sein. "Das verlangt eine andere Organisation."

Schnitzel tabu


Auch bei der Auswahl der Gerichte musste das Team umdenken. Die Zeiten, in denen sonntags Braten mit Knödel auf den Tisch kam, sind vorbei. "Wenn Kinder da waren, gab's oft Schnitzel mit Pommes", erzählt Andrea Erdwich. Dass Schweinefleisch mittlerweile tabu ist, versteht sich von selbst.

"Wir bieten hauptsächlich Schöpfgerichte an", informiert die Köchin. Dazu gehören Eintöpfe in sämtlichen Variationen mit viel Gemüse, aber auch Rindergulasch, Putengeschnetzeltes und Reispfannen. Rezepte aus dem arabischen Raum werden zwar nicht nachgekocht. "Doch ein bisschen haben wir uns schon angepasst", sagt Erdwich. "Wir kochen jetzt mehr mit Kardamon und Kurkuma oder geben Oliven in den Nudelsalat. Die Leute merken das und freuen sich darüber."

Auch an den Weihnachtsfeiertagen ist die Mannschaft des Kreisjugendrings im Einsatz. Doch während an Oberpfälzer Festtafeln Gans oder Roulade serviert werden, gibt's in der Stützelvilla keine kulinarischen Besonderheiten.

Zur Zeit leben etwa 50 Frauen, Männer und Kinder aus Syrien, Iran, Irak und Eritrea in der Erstaufnahmeeinrichtung. "Die Leute wissen zwar, was Weihnachten ist und das wir das feiern, doch für sie ist das kein Thema", weiß Tina Scheidler, Leiterin der Einrichtung.

Wie geht's weiter?


Ende 2016 läuft der Vertrag des Kreisjugendrings mit dem Landratsamt aus. Der Landkreis hofft, das historische Gebäude dann an den Freistaat verkaufen zu können. Sollte dies klappen, könnte ab 2017 die Abteilung Digitale Landkarten des Landesamtes für Digitalisierung in die Stützelvilla einziehen. Die Entscheidung dürfte in den nächsten Wochen fallen.
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