Manuela Zimmermann: Ich könnte ein Buch schreiben
Plötzlich Zoiglwirtin

"Ohne meinem Team geht gar nichts", lobt Zoiglwirtin Manuela Zimmermann (Dritte von links) ihre Truppe. Auch Mutter Erika (links) hilft ihrer Tochter, wo sie nur kann. Bild: mic
Vermischtes
Windischeschenbach
20.09.2016
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Gäste staunen immer wieder über das Sammelsurium. Ein Waschbrett steht neben einem alten Radio und einer Kaffeemühle. An den Wänden hängen antike Heiligenbilder und eine Wanduhr aus Großmutters Zeiten. "Das habe ich alles liebevoll zusammengetragen", erzählt Zoiglwirtin Manuela Zimmermann.

Seit 12 Jahren steht die heute 45-Jährige hinterm Tresen in der Zoiglstube "Zum Posterer". Um das Lokal so zu dekorieren wie sie sich das vorgestellt hat, durchforstete sie Dachböden, trieb sich auf sämtlichen Flohmärkten herum und suchte auf Ebay nach Schnäppchen. "Ich war schon immer fasziniert davon, wie die Leute früher gelebt haben." Das Ambiente kommt an. "Vor allem die Jüngeren finden den zusammengewürfelten Charme gut", freut sich Manuela. "Ich hätte ja noch viel mehr, aber das passt alles gar nicht rein."

2004 hatten sich die Zimmermanns entschieden, eine Zoiglstube zu eröffnen. Manuelas Schwiegereltern zogen aus dem Haus neben dem Pfarrhof aus. "Zuerst haben wir überlegt, dort selbst zu wohnen, doch das Gebäude war alt, hatte kein Bad, keine Heizung."

Dem Vorschlag ihres Ehemanns Günther, Zoigl auszuschenken, steht Manuela zunächst skeptisch gegenüber. "Ich hatte mit der Gastronomie nichts am Hut. Ich habe 16 Jahre lang in der Porzellanfabrik gearbeitet, und plötzlich war ich Zoiglwirtin", berichtet sie. "Das war schon eine Umstellung. Ich bin eigentlich eher der ruhige Typ. Doch am Zoigl lernt man, taff zu sein." Ein halbes Jahr lang haben die Zimmermanns das Haus, das von 1865 bis 1913 Poststation war, umgebaut. Das Gebäude musste komplett entkernt werden. Der Einbau der Heizung glich einem Kraftakt. Manuela Zimmermann kann sich noch gut erinnern, wie schwierig es war, durch die dicken Wände zu bohren. "Wenn man etwas macht, muss man es gescheit machen. Wir waren damals sogar im Archiv in Amberg, um ganz sicherzugehen, dass auf dem Haus ein Braurecht liegt."

"Es brummt"


Zunächst werden die Gäste nur im Erdgeschoss bewirtet. "Dann haben wir auch noch den ersten Stock ausgebaut", erinnert sich die Wirtin. "Ich hätte nie gedacht, dass es so brummt". Nach all den Jahren gehört der Zoigl zu ihrem Leben. "Ich freue mich jedes Mal, wenn's los geht. Doch ich bin auch immer froh, wenn's vorbei ist", zieht sie Bilanz. "Es kann sich keiner vorstellen, wie es ist, wenn man nachts um halb drei ins Bett geht und die Beine tun einem weh", sagt sie schmunzelnd.

Um dem Stress an den Schanktagen gewachsen zu sein, legt Manuela Wert auf ein ordentliches Mittagessen. Dann sperrt sie um 14 Uhr auf. "Danach habe ich keine Zeit mehr zu essen, dann gibt's nur noch Traubenzucker." Ihrem Personal ist die 45-Jährige sehr dankbar. "Alleine bist du gar nichts", sagt sie. Auch Mutter Erika und eine Tante, die früher selbst ein Wirtshaus hatte, unterstützen sie mit Tat und Rat.

Für die "Posterer"-Wirtin steht der Zoigl im Mittelpunkt. Hugo oder Aperol-Spitz haben ihrer Meinung nach nichts auf der Karte einer Zoiglstube verloren. Auch Kuchen und Braten lehnt sie ab. "Bei uns gibt's Brotzeiten." Mit Begeisterung erzählt Manuela von den Vorbereitungen. "Wenn ich Sulz mache, steht hier alles voll", schwärmt sie und zeigt auf die umliegenden Tisch. "Das mache ich mit Leidenschaft."

Gast eingeschlafen


Trotz der vielen Arbeit findet sie Zeit, mit ihren Gästen zu plaudern. "Als Wirtin muss man präsent sein. Ich unterhalte mich gerne mit den Leuten, aber zu Stoßzeiten ist das nicht möglich." Rückblickend erinnert sie sich gerne an die vielen Begebenheit. "Ich könnte ein Buch schreiben." Dazu zählen die netten Urlauber, die jedes Jahr wiederkommen, oder der Gast, der am Tisch eingeschlafen ist und nicht mehr wachwerden wollte.

Zum Ausgleich geht die Wirtin mit ihren Hunden spazieren und schwimmt ein paar Bahnen im Freibad. "Wir haben einen großen Garten, da gibt's immer was zu tun."

Als Wirtin muss man präsent sein. Ich unterhalte mich gerne mit den Leuten, aber zu Stoßzeiten ist das nicht möglich.Manuela Zimmermann
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