Palliativ- und Hospizdienst
Ende nicht zu ernst nehmen

Dr. Susanne Kreutzer, Rüdiger Erling und Pfarrer Dr. Christoph Seidl (von links) stellen sich in der Diskussionsrunde den Fragen der Zuhörer. Bild: szl

Ist der Tod ein Tabuthema? Nicht ganz. Die Katholische Erwachsenenbildung Neustadt-Weiden informiert in der Reihe "Wie Leben gelingt - Leben teilen" über die Arbeit von Palliativ- und Hospizdienst. Ein musikalisch begleitetes und humorvolles Fachgespräch in der Schafferhof-Tenne gibt Aufschluss.

Mit Impulsen, Gesprächen und Musik muntert die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) Interessierte auf, das Lebensende aktiv zu gestalten. Medizin, Seelsorge und Hospizbegleitung geben Einblicke in das vielfältige Gebiet der "Palliativ Care". Stellvertretende KEB-Vorsitzende Brunhilde Stannl begrüßte die Referenten Pfarrer Dr. Christoph Seidl, Vorsitzender der Palliativ- und Hospizakademie in Regensburg, Dr. Susanne Kreutzer, Leitende Ärztin der Palliativstation der Kliniken AG in Neustadt, sowie Rüdiger Erling, Leiter des Malteser Hospiz- und Palliativdiensts Weiden-Neustadt und Musiker Hubert Treml. Ziel des Gesprächsabend ist es, Ängste abzubauen und Zuversicht zu gewinnen.

Seelsorger Seidl weiß, man könne den Tod nicht schönreden, allerdings bräuchte man ihn nicht "toternst" nehmen. Aus Erfahrung weiß er, dass es am Ende des Lebens Momente gibt, die dem Lebensabend eine andere Nuance geben. Wie Weihnachten am Ende des Jahres oder die Nachspeise nach dem Menü, käme auch das Beste oft zum Schluss. Beschwingt aber auch nachdenklich begleitet Hubert Treml in der Schafferhof-Tenne die Vorträge. "Zur Choreographie des Lebens gehört der Tod", singt der Künstler.

Körperliches Leid nehmen


Dr. Susanne Kreutzer geht vor allem auf die "verlängerte Form des Sterbens" ein. "In der Palliativmedizin kann ich körperliches Leid nehmen. Der Schmerz lässt einen aus der Welt fallen, weil er die Lebensfreude nimmt. Ich schaffe mit Medikamenten eine Veränderung, Schmerzfreiheit. Für Arzt und Patient ein Erfolg. Wenn ich schmerzfrei bin, bin ich wieder Mensch", gibt die Ärztin zu verstehen. Auf der Palliativstation arbeiten neben Ärzten und Krankenschwestern und Pflegern auch Physiotherapeuten, Musik-, Kunst-, und Ergotherapeuten, sowie Seelsorger, die sich darum kümmern, dem Ende eines Patienten mehr Lebensqualität zu geben.

Tod kein Tabuthema


Aus der Hospiz-Perspektive berichtet Rüdiger Erling. Der Leiter des Malteser Hospiz- und Palliativdiensts, betont, dass der Tod kein Tabuthema mehr sein kann: Die Anzahl der Dienste sei in die Höhe geschossen. Im Weidener Umkreis arbeiten 50 ehrenamtliche, ausgebildete Hospizbegleiter. Bei Bedarf lesen sie Kranken vor, spielen Karten oder begleiten Angehörige. Pfarrer Seidl erklärt, was im Umgang mit todkranken Patienten wichtig ist: ansehen. Viele Angehörige oder Freunde würden sich aus Unsicherheit oder Angst abwenden, was Betroffene verletzt. Berührungen und Nähe zum Patienten seien ebenso wertvoll.

Drittens sagt der Hospizseelsorger: "Niemand ist nicht ansprechbar." Einfach nur da sein würde oftmals mehr geben als man denkt. Besonders die Erfahrungen mit Patienten, die die Referenten gemacht haben, finden Anklang bei den Zuhörern.

Der Schmerz lässt einen aus der Welt fallen, weil er die Lebensfreude nimmt.Palliativmedizinerin Dr. Susanne Kreutzer
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