Pfarrer liest die Leviten

Selbst früher im Ministrantendienst ließen es sich Prinzessin Daniela I. und Prinz Andreas I. nicht nehmen, aktiv bei der Gestaltung des Gottesdienstes mitzuwirken. Bild: mlb
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Windischeschenbach
08.02.2016
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Gruppenfoto vor der Kirche: Der gesamte Hofstaat der Narrhalla war in den Sonntagsgottesdienst gekommen. Bild: ab

Prinzenpaar, Präsidium, Hofstaat und Garden der Faschingsgesellschaft Narrhalla hatten am Sonntag in der Stadtpfarrkirche vor und um den Altar Aufstellung genommen, um den Gottesdienst am Faschingssonntag mitzufeiern. Auch in Neuhaus prägt der Fasching die Messe.

/Neuhaus. Pfarrer Hubert Bartel betonte: "Eine Tradition, die wir fortführen wollen." Inzwischen ist allgemein bekannt, dass der Pfarrer seine Predigten ohne Notizen und Zettel hält. Am Sonntag jedoch machte er eine Ausnahme und predigte in Reimen, die so manchem Pfarrangehörigen ziemlich nahe gegangen sein dürften.

"Windischeschenbach und Neuhaus, das sind zwei Orte unter einem Dach. Seit Jahrzehnten gemeindlich verbunden, gibt es trotzdem noch manche Wunden. Denn über viele Generationen waren beide eigenständig, deshalb ist die Freude über Gebietsreformen nicht unbändig. Und nun, seit ein paar Jahren, o welch ein Verdruss, ist mit der Pfarreien-Eigenständigkeit auch noch Schluss. Gemeinschaft sollen sie jetzt sein, das geht in manchen Kopf nicht hinein", reimte der Pfarrer. "Auf sich selbst schauen so manche nur, und bleiben darum eisern und ganz stur. Nach so manchen Erfahrungen muss ich sagen, man darf nicht nur eine Seite anklagen. In Neuhaus und in Windischeschenbach gibt es Leute, die halten die andern für eine schlechte Meute. So einige halten sich selbst für die Braven und Grommen, wollen aber nicht in die andere Pfarrei zur Messe kommen."

"Wir sind bunt"


"Die Welt ist bunt, und wir sind heute auch bunt", empfing Bartel die Pfadfinder-Faschingsgesellschaft (PFG) in der Sonntagsmesse in der Heilig-Geist-Kirche. Mit ihrem gesamten Hofstaat und den Gardemädchen nahmen Prinzessin Daniela I. und Prinz Andreas I. in ihren bunten Roben am Gottesdienst teil. Obwohl sich der Pfarrer über den närrischen Besuch in der Heilig-Geist-Kirche freute, stellte er doch zugleich klar, dass eine übertriebene Faschingsgaudi im Gotteshaus wohl fehl am Platz wäre. "Stellt euch nur mal vor, ich würde beim Faschingsball auf der Bühne das Beten beginnen", begründete der Geistliche seine Haltung. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, geschmückt durch den PFG-Orden, eine gereimte Faschingspredigt zum Besten zu geben. Darin prangerte Bartel ebenso wie in der Messe in St. Emmeram die nach wie vor ablehnende Haltung einiger Gemeindemitglieder - auf Neuhauser wie Windischeschenbacher Seite - gegenüber der Pfarreiengemeinschaft an. "Wer immer nur erzählt, wie es früher war, dem sei gesagt, die Zeiten ändern sich für wahr", ermahnte er die Kirchenbesucher.

Keine Spaßbremse


Oft seien es seiner Ansicht nach für einige Zeitgenossen wohl auch vorgeschobene Gründe, den Sonntagsgottesdienst ausfallen zu lassen. "Wenn ich wirklich in die Messe gehen will, so lasst euch sagen, brauch ich nicht über Orte und Zeit zu klagen", gab er deswegen zu bedenken. Dass Bartel trotz aller Zurückhaltung im Gotteshaus durchaus keine Spaßbremse ist, zeigte sich als er am Ende der Messe sein Kommen für den Rosenmontagsball und den Pfadfinder-Faschingszug ankündigte.
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