Sanierung des Wohnheims St. Benedikt abgeschlossen
Fast wie im Hotel

Gelungene Sanierung: In wenigen Tagen ziehen die Bewohner der Gemeinschaft St. Benedikt ein. Hinter den Fenstern der rotverkleideten Fassade befindet sich eine kleine Bühne. Bei schönem Wetter können die Zuschauer auf den Granitstufen unter der alten Eiche Platz nehmen. Bilder: mic (2)
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Windischeschenbach
27.02.2016
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Die Menschen sind ja nicht nach Din-Norm behindert, sondern haben unterschiedliche Bedürfnisse.

Besucher staunen, wenn sie zum ersten Mal über die neue Zufahrt auf das Gelände kommen und das sanierte Wohnheim sehen. Auch Elke Bauer, Leiterin der Wohngemeinschaft St. Benedikt, freut sich: "Man könnte fast meinen, das ist ein Hotel."

Das einstige Schwesternhaus, das 1968 erbaut wurde, ist nicht mehr wiederzuerkennen. In einem Jahr und neun Monaten verwandelte sich das in die Jahre gekommene Gebäude in ein modernes Heim für behinderte Menschen. Die 13 Frauen und Männer, die bereits vor dem Umbau hier gelebt haben, dürfen am Mittwoch, 2. März, wieder einziehen. Ende März kommen acht Neue.

Früher sah das Haus von Weitem aus wie ein großer, weißer Betonklotz. Jetzt besticht es mit einer teilweisen Vertäfelung, Sonnenschutz an den Balkonen und rotverkleideten Elementen. "Die frühere Stützmauer zwischen dem Verwaltungstrakt und dem Wohnheim haben wir abgerissen", erklärt der Schwandorfer Architekt Peter Pracht. "Dadurch entstand ein schöner Platz, der Zentrum und Herz der Gesamtanlage bildet."

Gemeinsamer Platz


Raum für Begegnungen zwischen den Behinderten und den Mädchen und Buben des Kinderhauses gibt es auch im neuen Veranstaltungs- und Konferenzraum, den beide Einrichtungen nutzen können. Es gibt sogar eine kleine Bühne für die Theatergruppe. "Die alte Eiche haben wir stehen gelassen", betont der Architekt. "Das war uns ganz wichtig." Auch die Fassade der Kapelle fügt sich ins Gesamtkonzept ein.

Verschiedene Ebenen, verbunden mit einem Aufzug, teilen das Haus in öffentliche und private Bereiche. Einen Innenhof dürfen nur die Bewohner nutzen. "Durch diesen Hof sind die Flure lichtdurchflutet, was den ganz besonderen Charakter des Gebäudes ausmacht", erklärt Pracht. Beim Sanieren sei der Mehraufwand zwar größer als bei einem Neubau, aber die Vorteile würden das wieder aufwiegen.

Zwei Zellen, ein Zimmer


Dazu zählt Pracht nicht nur den Hof, sondern auch die Zellenstruktur. Aus zwei ehemaligen Schwesternkammern machte er ein Standardzimmer mit tiefen Fensternischen, einem Garderobenflur und einem kleinen Bad mit Haltegriffen und einer Notrufanlage. "Diese Zimmer sind für all jene, die sich nicht selbst versorgen können", erklärt Bauer. Außerdem gibt es mehrere Apartments, Zimmer für Rollstuhlfahrer und zwei kleine Wohnungen. "Die Menschen sind ja nicht nach Din-Norm behindert, sondern haben unterschiedliche Bedürfnisse", sagt der Planer.

In manchen Zimmern warten Umzugskartons darauf, ausgepackt zu werden. An fast allen Türen stehen schon Namen. Der großzügige Gemeinschaftsraum soll Loungecharakter bekommen. Blickfang wird ein großer Esstisch. Mehrer Sofas vermitteln Gemütlichkeit. Auch hier steht ein Teil des neuen Equipments schon parat, teilweise noch verpackt in Folie. "Einige Bewohner durften beim Aussuchen der Möbel dabeisein", berichtet die Leiterin.

Sowohl im Erdgeschoss als auch im ersten Stock erfüllt ein Pflegebad modernste Ansprüche. "In die Badewanne können sie einsteigen wie in ein Auto", schmunzelt der Architekt. Das Waschbecken ist höhenverstellbar.

Kosten 4,4 Millionen Euro


Die geschätzten Kosten von 4,4 Millionen Euro haben sich bestätigt. "Obwohl wir für neue Wasserleitungen und den Kanal Granit wegsprengen mussten", blickt Pracht zurück. 1,3 Millionen Euro übernimmt die Katholische Jugendfürsorge selbst, 2,78 Millionen kommen von Freistaat. Die Aktion Mensch steuert 100 000 Euro bei. Der Bezirk Oberpfalz unterstützt den Umbau des Wohnheims mit 319 000 Euro. Für den 5. Juni ist ein "Tag der offenen Tür" geplant.
Die Menschen sind ja nicht nach Din-Norm behindert, sondern haben unterschiedliche Bedürfnisse.Architekt Peter Pracht
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