Sommerkonzert an der KTB
Mit Schwung ins 19. Jahrhundert

Viola Schweinfurter (Flöte, von links), Artur F. Wendt (Violine), Veronika Patterer (Viola) und Michael Gareis (Violoncello) erhielten für ihre musikalischen Besuche bei Mozart, Henrik Crusell und Beethoven viel Applaus. Bild: wrt

Wer die Abkürzung KTB als Kontinentale Tiefbohrung interpretiert, hat sicher Recht. Genauso könnten die Buchstaben aber auch stehen für Konzert-Tradition am Bohrturm.

Wie schon etliche Male vorher geleitete das Sommerkonzert mit Viola Schweinfurter und Solisten aus großen deutschen Orchestern die Besucher in die Ferienzeit. Hausherr Dr. Frank Holzförster freute sich über alte und neue Gesichter im Publikum.

Für das Programm hatten die Musiker Stücke aus der zweiten Hälfte des 18. bis zum frühen 19. Jahrhundert ausgesucht. Viola Schweinfurter (Flöte), Artur F. Wendt (Violine), Veronika Patterer (Viola) und Michael Gareis (Violoncello) begannen mit dem Quartett in D-Dur (KV 285) von Wolfgang Amadeus Mozart. Das "Allegro" mutete fröhlich-leicht an: Sommermusik mit heiteren Flötenpassagen. Auch beim "Adagio" dominierte die Flöte. Beeindruckend die Passagen, bei denen auf den Streichinstrumenten gezupft wurde. Beim Satz "Rondo" bestimmten die Streicher das Stück. Die Flöte trug eher im Hintergrund harmonisch zum Klang bei.

Violinist Wendt gab einige Erklärungen zu Komponisten und ausgewählten Werken: Mozart kenne jeder, aber der Früh-Romantiker Bernhard Henrik Crusell (1775 bis 1838), der als nächster auf dem Programm stand, sei wohl den wenigsten bekannt. Der finnische Komponist und Klarinettist werde selten gespielt. "Umso erfreulicher ist es, dass Schweinfurter dieses Werk entdeckt hat."

Ursprünglich für Klarinette komponiert, habe Crusell es später für Flöte umgeschrieben: Quartett in D-Dur op. 8 mit den Sätzen "Allegro non tanto", "Un poco largo", "Menuetto Allegro" und "Finale Allegro". Temperamentvolle Passagen oder gezupfte Akzente - die Musiker zeigten die ganze Bandbreite ihres Könnens.

Den zweiten Teil des Abends übernahmen die Streichinstrumente. Ludwig van Beethovens Streichtrio G-Dur op. 9 Nr. 1 für Violine, Viola und Violoncello sei "klanglich anspruchsvoll und gefährlich", kündigte Wendt an. Gefährlich deswegen, weil die drei verschiedenen Stimmen jeweils nur durch einen einzigen Musiker gespielt würden. Außerdem gebe es im Werk eine große solistische Aufgabe für das Cello. Eine Herausforderung, die von Wendt, Patterer und Gareis mit Bravour gemeistert wurde.

Das "Adagio-Allegro con brio" kam - wie vom Komponisten gedacht - mit Schwung (con brio). Der Satz "Adagio, ma non tanto, e cantabile" hatte eher weiche sanfte Töne. Eine musikalische Besonderheit ist - wie ausgeführt wurde - das "Scherzo: Allegro" mit Trio I und Trio II. Temporeich und furios das "Presto".

Mit Mozart hatte man angefangen, mit Mozart ging das Konzert dann auch zu Ende. Anhaltender Applaus dankte dem Quartett für den musikalischen Genuss zum Start in die Ferien. Schweinfurter, bekannte Flötistin aus Bärnau, hatte das Quartett zusammengestellt. Patterer und Gareis sind am Philharmonischen Orchester des Landestheaters Coburg beschäftigt. Wendt gehörte bis zum Eintritt in den Ruhestand dem Philharmonischen Staatsorchester Mainz und dem Festspielorchester Bayreuth an.
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