Waldemar Hampl kämpft sich zurück ins Leben
Das Wunder vom 20. Juli

"Geht nicht, gibt's nicht," sagt Waldemar Happl. Sein Lebensmotto half ihm, die schweren letzten zehn Monate zu überstehen. Am 11. Mai will er wieder an der Stadtratsitzung teilnehmen. Bild: mic
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Windischeschenbach
29.04.2016
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"Sterben ist ganz einfach", behauptet Waldemar Hampl. An die vielen Wochen, in denen er im Koma lag, kann er sich nicht erinnern. Erst im Weidener Klinikum sei er wieder aufgewacht. Dabei hatten ihn die Ärzte schon aufgegeben. Doch als sie den Stecker zogen, schlug sein Herz plötzlich weiter.

Der langjährige Stadtrat reißt Witze wie eh und je. Auch über seine Krankheit. "Ja, inzwischen können wir wieder lachen", bestätigt Ehefrau Hanna. "Oft habe ich nicht gewusst, wie's weitergehen soll. Ich habe halt funktioniert." Zehn harte Monate liegen hinter der Familie. Schritt für Schritt hat sich Hampl wieder ins Leben zurückgekämpft.

Heute sitzt der 71-Jährige auf der Eckbank in seiner Wohnung, 30 Kilogramm leichter, aber voller Tatendrang. "Geht nicht, gibt's nicht, war schon immer mein Motto", lautet die Devise des früheren Bauhofleiters. Zwar muss er dreimal in der Woche für jeweils 4 Stunden zur Dialyse nach Weiden, und auch die Entzündung am Herzen ist noch nicht ganz ausgeheilt. "Doch ich bin froh, dass ich jetzt so gut beieinander bin."

Zurück zum 3. Juli 2015: "Erzähl du", bittet Hampl seine Frau. Hanna berichtet von Atembeschwerden ihres Mannes schon Tage vor dem Zusammenbruch. "Er hat auch nachts schlecht Luft bekommen", erinnert sie sich. Ein Besuch in der Praxis von Klaus Schmid soll die Gründe klären. Hanna Hampl begleitet ihren Mann. Die beiden schaffen es noch bis ins Treppenhaus des Arztes. Dort bricht Hampl zusammen und wird ins Klinikum Weiden gebracht. Die Diagnose der Ärzte macht wenig Hoffnung. Sofort in ein Uniklinikum nach Regensburg oder München, heißt es. Ein Hubschrauber fliegt Hampl nach München, wo er über 7 Stunden lang operiert wird. "4 Bypässe und 1 Herzklappe hat er bekommen", seufzt Hanna Hampl.

Ich glaube, die große Anteilnahme der Bevölkerung an meinem Schicksal hat mich wieder aufgerichtet.Waldemar Hampl

Auf das Kontrastmittel, das nach der OP gespritzt wird, reagiert Hampl allergisch. "Daraufhin haben die Ärzte nur noch mit dem Daumen nach unten gezeigt", erinnert sich die Ehefrau. "Überlebenschance ein Prozent." Nach 14 Tagen sei er noch einmal operiert worden, habe einen Luftröhrenschnitt bekommen.

Herz schlägt weiter


Nur noch Maschinen halten ihn am Leben. "Schalten wir ab?", stand als Frage im Raum. "Ich habe das mit unserem Hausarzt besprochen", blickt Hanna Hampl zurück. "Laut Patientenverfügung wollte mein Mann keine lebensverlängernden Maßnahmen." Am Dienstag in der 3. Woche ziehen die Ärzte den Stecker. Und dann geschieht ein Wunder. Das Herz schlägt weiter. "Seitdem kann ich zweimal Geburtstag feiern", sagt Hampl. "Am 26. Juli, da werde ich 72, und am 20. Juli, an dem Tag, an dem mein Herz stärker war als die Befürchtungen der Ärzte."

Der Weg bis zur Genesung dauert noch lange. Die nächsten sieben Wochen verbringt Hampl auf der Intensivstation im Weidener Klinikum. "Sprechen konnte ich damals noch nicht", erinnert er sich. Im Hals steckte noch ein Schlauch zur Beatmung. "Auch Stehen und Gehen waren unmöglich. Ich habe mich schon im Rollstuhl gesehen." Erst auf Reha in Erbendorf kommt Hampl mit Hilfe von Physio- und Ergotherapeuten wieder auf die Beine. Sechs Wochen lang wird er dort aufgepäppelt. "Danach konnte ich zu Hause in der Wohnung wenigstens mit dem Rollator gehen." Bis jetzt hat er das Haus kaum verlassen. "Ein paar Mal mit der Physiotherapeutin. Aber wenn's jetzt wärmer wird, möchte ich mehr in den Garten gehen."

Seit 38 Jahren sitzt Hampl für die SPD im Stadtrat. "Das letzte dreiviertel Jahr mal weggerechnet." Das Amt aufzugeben, kam für ihn nie infrage. Am 11. Mai möchte er nach der langen Pause wieder seinen Platz im Rathaus einnehmen. "Ich sehe mich als Sprachrohr der Bürger zum Amt. Ich habe unter vier Bürgermeistern gedient und bin immer mit allen gut ausgekommen." Mit Parteigeplänkel habe er sich nie anfreunden können. "Ich wollte immer einen loyalen Weg gehen."

Große Anteilnahme


Viele Windischeschenbacher hatten sich in den vergangenen Monaten nach Hampls Gesundheitszustand erkundigt. "Ich glaube, die große Anteilnahme der Bevölkerung an meinem Schicksal hat mich wieder aufgerichtet." Auch Bürgermeister Karlheinz Budnik, Geschäftsleiter Wolfgang Walberer und natürlich die SPD-Fraktion hätten ihn in Erbendorf besucht. "Ich danke allen, die mir in dieser schweren Zeit Mut zugesprochen haben."

Von einigen liebgewonnenen Gewohnheiten haben sich die Hampls schon verabschiedet. "Bergwandern geht nicht mehr, und auch das Sibyllenbad wird tabu sein", sagt der frühere Bauhofchef, der seit 2004 in Ruhestand ist. "Aber ich habe ja noch ein Hobby, das ist der 'Neue Tag'." Seit vielen, vielen Jahren schneidet Hampl jeden Tag interessante Artikel aus der Zeitung aus. Nur nicht aus Windischeschenbach, sondern auch aus den umliegenden Orten. 65 Ordner lagern im Heizungskeller. "5 oder 6 habe ich hier in der Wohnung." In den vergangenen Monaten hatte Hampl viel zu tun. "Als ich im Krankenhaus war, ist viel liegengeblieben."

Liebeserklärung


Im Januar hätten die Hampls goldene Hochzeit feiern können. "Das holen wir nach. Wir gehen mit der Familie essen", sagen die beiden. "Ich habe meiner Frau viel zu verdanken und würde sie immer wieder heiraten", macht Waldemar seiner Hanna eine Liebeserklärung.
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