Zoiglwirtin beim "Fiedelschneider"
Schwester, hast Du Zoigl dabei?

Silvia Köllner hat sich das Wissen für die Küche von Schwester Kerstin beibringen lassen. Seit 2008 versorgt die Wirtin die Gäste beim "Fiedlschneider" mit Brotzeiten und Schlachtschüssel. Bild: ui
Vermischtes
Windischeschenbach
22.05.2016
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"Ich bin Zoiglwirtin weil es der Wunschtraum meines Mannes war", blickt Silvia Köllner zurück. Doch nach 14 Tagen wäre das Thema Zoigl für die beiden beinahe erledigt gewesen - bevor es richtig angefangen hatte.

"Als wir 1998 heirateten, war vom Zoigl noch keine Rede", erinnert sich Köllner. Das änderte sich schlagartig, als die Erben nach dem Tod von Rita Sperber 2009 das "Fiedlschneider"-Anwesen verkauften. Die gelernte Krankenschwester und Ehemann Jürgen wollten den Zoigl als reinen Familienbetrieb führen. Vor dem Kauf standen deshalb Gespräche mit Eltern, Schwester und Schwiegereltern an. Alle sagten zu anzupacken.

Besonders wichtig war und ist Silvias Schwester Kerstin. Die Hotelfachfrau und gelernte Köchin hat die Speisekarte entwickelt und Silvia fit gemacht für die Gastronomie. "Sie schmeißt die Küche zur Not auch mal allein", lobt die gebürtige Flossenbürgerin ihre Schwester. Samstags bringt Kerstin die 64-jährige Mama Renate Woppert und die 83-jährige Oma Marie Bachmeier mit. "Das sind unsere Hintergrundarbeiter, die abspülen und abtrocknen."

Die Schwiegereltern Erika und Otto Köllner planen sogar ihren Urlaub nach dem "Fiedlschneiderschen"- Zoiglkalender. "Die beiden sind unsere Sulzabteilung. Das ist noch eine echte Knöchelsulz. Davon schwärmen die Gäste", lobt die 41-Jährige Wirtin. Aber auch sonst stehen die Schwiegerleute bereit, um Sulz nachzuliefern oder wenn es brennt, mal zwei Stunden mit zu bedienen. Als Dank gibt es einmal im Jahr ein großes Essen für die ganzen Familienhelfer.

"Früher war der 'Fiedlschneider' ein gemütlicher Dorfzoigl für die Einheimischen. Jetzt ist er auch Treff für ein junges Publikum und der Biergarten beliebter Anlaufpunkt für Ausflügler." Viele davon kämen mit dem Rad. "Unser großer Vorteil in Windischeschenbach ist der Bahnhof, weil viele Gäste mit dem Zug an- und abreisen."

Junge Musikanten


Sie sei gerne unter den Leuten und unterhalte sich, bekennt die Wirtin. "Schön ist es bei uns, wenn die 'Zwoa Noichala', mit ihren Instrumenten kommen." Matthias Hofmeister aus Tröbes und Florian Schmid aus Eslarn tauchen unerwartet auf, spielen ein-, zwei Stunden und gehen dann wieder. Musikanten seien gerne gesehen. "Aber extra anrufen tun wir niemanden." Wenn es spät wird, kümmert sich Ehemann Jürgen um die letzten Gäste und sperrt zu. "Ich bin kein Nachtmensch", sagt Silvia. "Ich stehe früh wieder zum Putzen und Vorbereiten in der Zoiglstube." Die zwei haben die Aufgaben aufgeteilt. "Die Büroarbeit bleibt beim Mann. Ich bin der Organisator. Er ist der Handwerker, ich lange mit hin." Viele Jahre arbeitete Jürgen als kaufmännischer Angestellter bei ATU. Jetzt ist der 44-Jährige nahezu jeden Tag am "Fiedlschneider"-Haus, kümmert sich ums Bier, gießt die Blumen, die Silvia gepflanzt hat.

"Wir führen Reinigungslisten, hakeln ab, wer was geputzt hat." Die Lebensmittelkontrolle habe noch nie eine Beanstandung gehabt. Die gelernte Krankenschwester kennt das System von der Arbeit im Weidener Krankenhaus. Dort arbeitet sie als Teilzeitkraft im Servicedienst, begleitet Patienten innerhalb des Hauses. Den Satz "Zoiglwirtin, hast etwas mit?", höre sie immer wieder gern.

Zoiglstuben-App


"Wir wünschen uns, dass es so weiterläuft mit dem Zoigl wie bisher", sind sich die Köllners einig. "Wir bieten Zoigl und Brotzeiten an, im Winter gibt es auch Schlachtschüssel und im Sommer Tomaten mit Mozzarella." Beide bereuen ihre Entscheidung von vor sieben Jahren in kleinster Weise, auch wenn die Söhne Niklas (17) und Jonas (14) derzeit wenig Interesse am Wirtsleben haben. Als wohl erste Zoiglstube gibt es seit wenigen Tagen den "Fiedlschneider" auch als App fürs Handy.

Und dabei wäre 2008 der Zoigltraum um ein Haar in die Luft gegangen. Ein Installateur kam beim Umbau mit der Flex in eine Gasleitung, die nicht gelb markiert war. Es kam zum Brand, aber glücklicherweise nicht zur Explosion. "Da haben wir drei Kreuzerl gemacht, dass es so ausgegangen ist."
Wir führen Reinigungslisten, hakeln ab, wer was geputzt hat."Fiedlschneider"-Wirtin Silvia Köllner
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