Zoiglwirtin Monika Bauer macht aus Wirtshaus der Schwiegermutter eine Zoiglstube
Herrin der Zwiebeln

Für einen Gast setzte "Lingl"-Wirtin Monika Bauer den Sud für die sauren Bratwürste extra an, damit der zu Weihnachten zu Hause ein Festessen machen konnte. Bild: ui
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Windischeschenbach
17.06.2016
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Statt als Einzelhandelskauffrau das Geschäft der Eltern in Erbendorf zu übernehmen, legt Monika Bauer an zehn Zoiglwochenenden im Jahr saure Bratwürste in den Zwiebelsud. Dessen Rezept stammt noch von der Schwiegermutter. Emma Bauer ist von der Idee zunächst wenig begeistert, dass in ihrem Wirtshaus Zoigl ausgeschenkt wird.

Neuhaus. "Die Schwiegermutter dachte zuerst, wir wirtschaften herunter, was sie aufgebaut hatte", erinnert sich die Wirtin vom "Lingl". Doch in ihren letzten Jahren habe auch sie gesagt, dass die Entscheidung richtig war. "Wir sind gut angenommen worden", gibt Monika das Kompliment an ihre Gäste weiter.

35 Jahre - "ganz ohne Streit" - ist die 53-Jährige mit ihrem Klaus verheiratet. Kennengelernt haben sich die beiden in der Realschule in Neustadt. Als es ans Heiraten ging, kam die Entscheidung gegen den elterlichen Raumausstatterbetrieb. "Entweder Wirtshaus und ich oder du musst dir einen anderen suchen", habe Klaus gesagt. Damals war der "Heimgarten" der Familie Bauer noch ein ganz normales Gasthaus mit Mittagessen, Stammtischen und Feiern.

Das Reich der Schwiegermutter war die Küche. Monika half mit. "Ich habe das schon gerne gemacht. Es war eine teilweise schwierige, aber auch schöne Zeit." Dann schlossen die Fabriken ihre Tore, die Aboessen am Mittag fielen weg, das Wirtshausgeschäft ging zurück. Anfang der 90er Jahre arbeitete Monika als Verkäuferin in verschiedenen Geschäften der Umgebung. Heute reicht sie Semmeln, Brote und Gebäck in der Windischeschenbacher Bäckerei Birler über die Theke an die Kunden.

Doppelter Betrieb


2009 gab es beim "Lingl" den ersten Zoigl. Am Anfang habe sie schon überlegt, als der Ehemann den Vorschlag macht, mit dem Zoigl anzufangen. "Aber was machst du mit der Riesenhütte, wenn sie kein Wirtshaus mehr ist?" Zwei Jahre lief der Betrieb parallel mit Kochen und Zoiglwochenenden. Die Schwiegermutter half bis zu ihrem Tod im vergangenen Jahr so gut es ging weiter mit.

Ein Relikt aus alten Wirtshauszeiten mit täglicher Öffnung ist der Rentnerstammtisch mit 10 bis 15 Leuten am Donnerstag. Einer davon besucht als Stammgast die Familie Bauer bereits seit 60 Jahren. "Wenn er nicht kommt, sagt er ab." Manchmal gesellen sich im Sommer Wanderer zur Seniorentruppe dazu. Für die Zoiglwirtin ist das kein Problem: "Wir haben noch niemanden durstig weggeschickt."

Obatzter von der Ärztin


Damit das so bleibt, hat die Wirtin eine lustige Truppe an Helfern um sich geschart. "Sabine, die Hauptbedienung, ist bereits seit 12 Jahren bei uns." Ihre Kinder sagen Oma zu Monika. "Da kann der Stress noch so groß sein, bei den Bedienungen und in der Küche wird geblödelt." Die große Bauer-Tochter Steffi (33) ist Zahnärztin, kommt aber zum Zoigl aus Regensburg hochgefahren. "Sie macht früh den Obatztn, da kann ich putzen", weiß die Mutter die Hilfe zu schätzen.

Marina, das vier Jahre jüngere der beiden Kinder, lebt im Allgäu. Es arbeitete bis zum Mutterschaftsurlaub in der Kronenhütte auf der Albspitze. Mindestens beim Großkampftag am 3. Oktober hilft Marina in Neuhaus ebenso wie der Schwiegersohn mit. "Schau mehr auf dich", hört die Mutter immer wieder von ihren Töchtern. Doch zehn Mal pro Jahr Zoigl plus Großkampftag am Tag der Kommunbrauer seien überschaubar, meint die Mama.

25 Kilogramm


"Wir bleiben immer zu zweit bis zum Schluss." So kommen Klaus und Monika beim Zoigl mal um Mitternacht oder aber auch erst um 4 Uhr früh ins Bett. Zuvor, wenn die Zahl der Gäste abnimmt, setzt sich Monika gern dazu oder geht in die Küche und schnippelt Zwiebeln in Ringe oder Würfel. "Da schneidest Du an einem Wochenende schon mal 25 Kilo."

Daneben versorgt sie im Garten ein paar herrenlose Katzen, kümmert sich um die Blumen im Hof und startet die Woche vor dem Zoigl mit Bestellungen, Personalplanung, Einkaufen und Backen. "Wenn du auf der Terrasse sitzt, ist das nach dem Wochenende eine schöne Entspannung." Außerdem freuen sich Monika und Klaus auf eine Woche Kreuzfahrt nach Hamburg, London, Brüssel und Amsterdam. "Wir waren vier Jahre nicht mehr im Urlaub wegen der Krankheit der Schwiegermutter."

Nuss-Eierlikör-SahneZum Zoigl bäckt Monika Bauer verschiedene Kuchen. Eine ganze Gruppe wunderte sich, das die Bedienung nach der Bestellung von Nuss-Eierlikör-Sahne, wie es in der Karte stand, Gebäckschnitten statt Hochprozentigem brachte. "Das haben wir gleich", dachte sich die Wirtin, füllte Nussschnaps und Eierlikör in kleine Gläser, setzte einen Sahneklecks obendrauf und servierte unter großem Hallo den "Lingl-Zoigl-Spezial". (ui)


Wir haben noch niemanden durstig weggeschickt."Lingl"-Wirtin Monika Bauer
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