Zwei Musikerprofis in Johannisthal
Raumfüllende Klänge an einem Ort der Stille

Raumfüllende Klänge an einem Ort der Stille: Die Zuhörer konnten sich irgendwann nicht mehr zurückhalten und applaudierten Benjamin Sebald (links) Walter Thurn (rechts) noch vor Ende des Konzerts. Bild: hbl

Johannisthal. Muss man die Veranstalter in Johannisthal für ihren Mut bewundern, einen für seinen strahlenden und raumfüllenden Ton bekannten Trompetenvirtuosen zu einem Konzert an einen Ort der Stille einzuladen? Darauf gibt es nur eine Antwort: Uneingeschränkt. Der Erfolg gab ihnen recht.

Zwei Musikprofis


Sicher waren die ersten Töne des Konzertes ein gewisser Gegensatz zur andächtigen Stille vor dem Konzert, die lediglich durch das Rascheln der Programme gestört worden war. Aber das mitreißende Musizieren von Benjamin Sebald an der Trompete und Organist Walter Thurn zog schnell alle Zuhörer in den Bann.

Eigentlich war schon nach der Suite in D-Dur von Jeremiah Clarke alles klar, denn ebenso abwechslungsreich wie die musikalischen Charaktere der Einzelsätze war auch die Gestaltung durch die beiden Musikprofis. Da wurde fast alles aufgeboten, was an Gestaltungskraft zu Gebote stand, und auch an der neuen Orgel blieb kaum eine Klangfarbe ungenutzt. Auch in den nachfolgenden Werkblöcken von Rathgeber blieben Wünsche hinsichtlich Klangpracht und Klangqualität nicht im Geringsten offen. Es spricht für Erfahrung und Können, dass beide Musiker trotz der ungewohnten Akustik einer (sicher nicht zu kleinen) Kapelle in Balance und Abstimmung immer beieinander waren und der prächtige Trompetenklang weder die Ressourcen der Orgel oder gar des Raumes überforderte.

Das Harmoniumregister der Orgel kam in Rheinbergers Cantilene aus der Orgelsonate Nr. 11 in d-Moll zum Einsatz und ließ manches, aber sicher nicht jedes Herz schmelzen. Ein besonderer Dank gebührt Benjamin Sebald für die Wahl des Flügelhorns als Soloinstrument in Bachs "Jesu bleibet meine Freude". Der Charakter des Chorals wurde so unvergleichlich gut getroffen.

Bewunderung für Organist


Thurn zeigte sich nicht nur als ideengebender und absolut verlässlicher Begleiter, sondern lieferte solistisch mit dem Orgelkonzert F-Dur von Rathgeber und der nicht nur aus aktuellem Anlass komischen "Hornpipe Humoresque" von Noel Rawsthorne inklusive "Rule Britannia"-Zitat eine eindrucksvolle organistische Visitenkarte ab. Aus der im Grunde einmanualigen Orgel (der die Architekten unverständlicherweise eine angemessene Schauseite verweigert haben) dermaßen viel klangliche Abwechslung herauszuholen, bedarf der Bewunderung.

Telemanns Konzert-Sonate D-Dur beeindruckte viele Zuhörer dermaßen, dass sie ihren Applauswillen vorzeitig gewähren ließen. Aber erst nach dem vollends virtuos gestalteten Abschluss mit der Fanfare von Lemmens durften sich die beiden Interpreten mit stehendem Applaus feiern lassen. Die Frage nach Zugabe stellte sich erst gar nicht, und so durfte das Publikum mit dem Te Deum von Charpentier (auch bekannt als Eurovisionsfanfare) im Ohr den Heimweg antreten.

Es bleibt abschließend festzustellen: Raum und Ambiente lassen auf weitere Konzerte hoffen.
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